Bundesliga

Herthas Zukunftsvisionen: Außerhalb des Blickfelds

Investor Windhorst träumt von Hertha als Topklub. Der Blick auf Gegner FC Bayern zeigt jedoch: Dafür braucht es sehr viel mehr Geld.

Fussball, Hertha BSC Berlin - RB Leipzig 2:4 / Berlin, 09.11.2019 / v.l.: Jürgen Klinsmann / Investor Lars Windhorst / Foto: Ottmar Winter

Fussball, Hertha BSC Berlin - RB Leipzig 2:4 / Berlin, 09.11.2019 / v.l.: Jürgen Klinsmann / Investor Lars Windhorst / Foto: Ottmar Winter

Foto: Ottmar Winter

Berlin. Lars Windhorst (43) ist ein umtriebiger Mann. Neuester Bestandteil seines Interessenfeldes ist der Pferdesport. Der Unternehmer steigt mit seiner Firma Tennor in die Global Champions Tour der Springreiter ein. Welchen Betrag sich Windhorst seine Anteile kosten lässt? Darüber kann nur spekuliert werden. Es gilt aber als sicher, dass die Zahl weit unter den 224 Millionen Euro liegt, die Tennor im vergangenen Jahr dem Berliner Fußballklub Hertha BSC zukommen ließ.

Eigentlich könnte Windhorst die Mittel, die er in den Pferdesport investiert, bestens beim Fußball gebrauchen, denn mit den Berlinern hat er ja Großes vor. Hertha soll nicht weniger als ein „Big City Club“ werden, einer, der sich perspektivisch mit den Branchengiganten Europas misst. Klubs wie Manchester City, Paris St. Germain oder Real Madrid. Das ist Windhorsts Vision. Nur kostet das inzwischen wahnwitzig viel Geld.

Herthas Kräftemessen mit dem FC Bayern

Es darf davon ausgegangen werden, dass sich Windhorst das mit dem Big City Club gut überlegt hat. Der Mann ist Verkäufer, und die Dinge verkaufen sich besser, wenn sie einen schmissigen Namen haben. Überhaupt hilft das Wortungetüm, um die Ambitionen im oft tristen Alltag gegenwärtig zu halten. Hertha denkt groß, dafür sorgt allein schon Windhorsts Vertrauter Jürgen Klinsmann, der die Berliner als Trainer auf Kurs bringen soll. Der neue Optimismus ergreift sogar Alteingesessene wie U23-Trainer Andreas Neuendorf, der jüngst von der neuen, großen Denkweise schwärmte.

Da trifft es sich gut, dass am Sonntag zum Auftakt der Rückrunde gleich ein großer Gegner vorbeischaut. Der FC Bayern gastiert im Olympiastadion (15.30 Uhr, Sky), eine nette Standortbestimmung. Sollte man meinen.

Die Münchner spielen finanziell in anderen Dimensionen

In der Realität ist der Abstand der Klubs allerdings gewaltig. Hertha hält nach einer missglückten Hinrunde immer noch unliebsamen Kontakt zur Abstiegsregion, während der FC Bayern den Blick Richtung Meisterschaft richtet. Die Kluft zwischen dem erfolgreichsten deutschen Verein und dem aus der größten deutschen Stadt ist auch ein halbes Jahr nach dem Einstieg des Investors immer noch gewaltig. Das verdeutlicht nicht nur die Tabelle, sondern auch eine jüngst erschienene Geldrangliste des Beratungsunternehmens Deloitte.

Demnach liegt der FC Bayern im internationalen Vergleich als bester deutscher Klub auf Platz vier. In der Saison 2018/19 erwirtschafteten die Münchner ohne die Berücksichtigung von Transfererlösen einen Umsatz von 660,1 Millionen Euro. Spitzenreiter ist der FC Barcelona mit 840,8 Millionen, gefolgt von Real Madrid (757,3) und Manchester United (711,5). Zum Vergleich: Hertha nahm in diesem Zeitraum mit Transfergeldern 170,8 Millionen Euro ein und gab 170,1 Millionen Euro aus.

Bei Man City wurden schon über 1,6 Milliarden Euro investiert

Herthas Verantwortliche und Windhorst selbst betonen immer wieder, dass Hertha Schritt für Schritt wachsen soll und das Vordringen in die nationale und internationale Spitzenklasse ein mittelfristiges Projekt ist. Sollte das wirklich so sein, wird der Investor seine finanziellen Aufwendungen deutlich erhöhen müssen. Ein Bekenntnis dazu liegt von Windhorst bisher nicht vor, im Trainingslager vermied Manager Michael Preetz klare Aussagen zu diesem Thema.

Die beiden bekanntesten Klubs, die in jüngerer Vergangenheit mit Fremdkapital zu Europas Spitze aufschlossen, sind Paris St. Germain und Manchester City. Paris wird durch den Staatsfonds des Wüstenemirats Katar alimentiert, City von Investoren aus Abu Dhabi. Zum zehnjährigen Jubiläum der Partnerschaft 2018 hatten die Araber 1,62 Milliarden Euro an Manchester City überwiesen (schon 2008 schon 2008 – weit vor der Explosion der Transfersummen – wurden Zugänge für knapp 160 Millionen Euro gekauft). In Paris haben die Gönner seit ihrem Einstieg 2011 bisher allein 1,2 Milliarden Euro für Transfers ausgegeben (2011 kosteten die Zugänge knapp 110 Millionen Euro). Nicht enthalten in dieser Summe sind etwa die Gehälter aller Angestellten oder Kosten für die Infrastruktur.

PSG investiert pro Saison 198 Millionen Euro

Die Zahlen verdeutlichen, welcher Aufwendungen es inzwischen bedarf, um im internationalen Spitzenfußball erfolgreich zu sein. Und nicht mal Milliardenbeträge garantieren Pokale. Außer nationalen Titeln haben City und PSG bisher nichts gewonnen. Auf den ersehnten Triumph in der Champions League warten sie vergeblich, und das, obwohl beide in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 188 Millionen Euro (City) und 198 Millionen Euro (PSG) pro Saison für neues Personal ausgaben. Diese Summen als Maßstab, wäre das Geld von Windhorst nach etwas mehr als einem Jahr aufgebraucht.

Die Investoren aus dem arabischen Raum trieb bei ihren Engagements das Motiv des Prestigegewinns, sie wollten durch Erfolge in der weltweit beliebtesten Sportart von sich reden machen. Windhorst aber, auch das hat er betont, möchte mit Hertha Geld verdienen. Aus Fußball an sich macht er sich nicht viel. Seine Investitionen sollen irgendwann einmal einen möglichst satten Gewinn abwerfen. Bei seinem derzeitigen Investitionsvolumen sind die Chancen dafür womöglich beim Pferdesport größer.

Mehr über Hertha BSC lesen Sie hier.