Bundesliga

Wie der Druck auf Hertha-Manager Preetz spürbar steigt

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann fordert mehr Qualität im Kader. Die Aufgabe für Manager Michael Preetz wird dadurch nicht leichter.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (r.) wünscht sich von Manager Michael Preetz hochwertige Spieler.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (r.) wünscht sich von Manager Michael Preetz hochwertige Spieler.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Die Schlagzeile war groß, die Aufregung auch. Nachdem findige Boulevard-Journalisten am späten Dienstagabend publik gemacht hatten, dass Hertha-Coach Jürgen Klinsmann (55) keine gültige Trainerlizenz hat, gerieten die Trainingskiebitze am Schenckendorffplatz tags darauf ins Diskutieren. Die Frage, die sich stellte, hatte es in sich: „Darf der am Sonntag überhaupt Trainer sein?“

Herthas Rückrundenstart im Olympiastadion gegen den FC Bayern (15.30 Uhr) ohne Klinsmann? Das wäre ein dickes Ding. Der Schwabe hatte es versäumt, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die erforderlichen Fortbildungsnachweise einzureichen und seine Trainerlizenz zu erneuern, wusste sich aber offenbar zu helfen. Erstens ist der frühere Bundestrainer beim DFB kein Unbekannter, zweitens ist er bestens vernetzt.

Hertha-Coach Klinsmann klärt Trainerlizenz-Frage

Dass Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Mittwoch auf dem Klubgelände auftauchte, war dabei sicher nur Zufall. Sein Kurzzeit-Engagement bei Hertha ist ja seit zwei Wochen vorbei, aber zu Besprechen hatten Köpke und Klinsmann trotzdem einiges.

Schlussendlich gab der Schwabe Entwarnung: „Die Dinge, die der DFB an Informationen braucht, habe ich ihm schon zugemailt“, sagte er am Mittwochmittag, „das hat alles seine Ordnung, alles kein Problem.“ Seine Trainerlizenz liege „irgendwo in meinem Häuschen in Kalifornien in irgendeiner Schublade. Die werden wir schon wieder finden.“ Lässiger kann man die Beweislast kaum abschütteln.

Nach Xhaka-Wechsel platzt auch der Tousart-Transfer

Michael Preetz wird wohl etwas neidisch auf seinen wichtigsten Angestellten geschaut haben, in seinem Fall nimmt der Druck ja ständig zu. Mit dem Finden von verschollenen Dokumenten ist es für den Manager nicht getan, er muss die passenden Spieler für das Hertha-Team der Zukunft aufspüren.

Bis Ende des Monats soll er das Team verstärken, damit die Vision vom Berliner Europapokal-Stammgast schnell Realität wird. Klinsmann lässt keine Möglichkeit aus, um zu betonen, dass er Handlungsbedarf sieht. „Dass der eine oder andere Spieler uns verlässt oder ein, zwei Spieler dazukommen, daran arbeiten wir“, sagte er in einem Facebook-Chat am Mittwoch. „Das ist alles auf jeden Fall machbar.“ Gar kein Problem.

Preetz macht derzeit eher andere Erfahrungen, denn längst nicht alles, was machbar scheint, ist es am Ende auch. Der Transfer von Arsenal-Star Granit Xhaka, mancherorts schon als reine Formsache verkauft, ist geplatzt. Ein ähnlicher Verlauf zeichnet sich beim Franzosen Lucas Tousart ab. Der Mittelfeldspieler von Olympique Lyon, Kostenpunkt rund 25 Millionen Euro, bleibt wohl vorerst in seiner Heimat, weil ihn sein Klub nicht ziehen lassen will.

Klinsmann weckt hohe Erwartungen

Nun ist es nicht so, dass Preetz in diesem Monat noch nichts bewirkt hätte. Die unzufriedenen Ondrej Duda (Norwich City) und Eduard Löwen (FC Augsburg) hat der Manager bereits verliehen und den Kader somit nach Klinsmanns Vorstellung verschlankt. Zudem köderte er mit Sechser Santiago Ascacibar (22) einen Wunschspieler des Trainers. „Mit ihm sind wir mega, mega happy“, betonte der Coach, „da haben wir einen tollen Fang gelandet“, der Hertha auf „viele, viele Jahre hinaus“ helfen werde.

Für Ekstase bei den Fans sorgt Ascacibar allerdings nicht. Der bissige Argentinier kommt vom Zweitligisten VfB Stuttgart und muss erst noch nachweisen, dass er über internationales Format verfügt. Die öffentliche Erwartungshaltung bewegt sich längst in anderen Sphären – geschürt von Klinsmann.

Als prominente Namen wie Mario Götze, Julian Draxler oder Xhaka durch die Gerüchteküche dampften, machte er keinerlei Anstalten, das Anspruchsdenken zu drosseln. „Wir können jetzt international um Spieler mitreden“, meinte Klinsmann lapidar. Eine Aussage, die die Fan-Hoffnungen eher befeuerte.

Preetz: Zugänge müssen zum Geldbeutel passen

Preetz könne nun „bei Spielern anklopfen, die zuvor nicht in unserer Kategorie waren“, fügte der Trainer noch an. Dass er nun erwarte, dass mit dem vielen Geld von Investor Lars Windhorst viel Qualität geholt werde, sprach er zwar nicht explizit aus, klag aber in der Unterströmung mit. Klinsmann hat Druck erzeugt, der dem Manager nun im Nacken sitzt.

Geöffnet ist das Transferfenster bis zum 31. Januar. Noch hat Preetz Zeit, doch anders als Klinsmann versucht der Manager, die Erwartungen zu dämpfen. Neue Spieler müssten einerseits zu den Ambitionen passen, nicht zuletzt aber auch zum Geldbeutel, betonte er – „auch wenn man hier und da das Gefühl hat, dass wir jetzt im Geld schwimmen“. Der Seitenhieb auf Klinsmann ließ sich nicht überhören.