Bundesliga

Boyata und Rekik sind Herthas Bollwerk Benelux

Seit Trainer Klinsmann in der Innenverteidigung auf das Duo Boyata/Rekik setzt, hat Hertha kein Gegentor mehr kassiert. Kein Zufall.

Dedryck Boyata und Karim Rekik (v.l.) bei der gemeinsamen Abwehrarbeit. Herthas neues Innenverteidiger-Duo kennt sich bereits seit 2011.

Dedryck Boyata und Karim Rekik (v.l.) bei der gemeinsamen Abwehrarbeit. Herthas neues Innenverteidiger-Duo kennt sich bereits seit 2011.

Foto: Jan Huebner/Taeger via www.imago-images.de / imago images/Jan Huebner

Orlando. Etwas ungewohnt war der Anblick schon. Herthas Karim Rekik (25), eigentlich gelernter Innenverteidiger, wurde von Herthas Trainerteam im Mittelfeld positioniert. Gemeinsam mit seinen Stammelf-Kollegen sollte er Varianten für den Spielaufbau einstudieren und dabei den Ballverteiler geben. Gesagt, getan: Während sich Sechser Santiago Ascacibar in die hinterste Reihe absinken ließ, spielte Rekik in neuer Rolle Präzisionspässe auf die durchstartenden Flügelspieler. Jürgen Klinsmann gefiel, was er sah: „Gut so, Karim!“

Im Fall von Dedryck Boyata (29) war der Anblick schon vertrauter. Als im Trainingslager in Orlando eine Standard-Einheit auf dem Programm stand, schraubte der Verteidiger seine 1,88 Meter bei einem Eckball in die Luft und nickte den Ball platziert ins Tor, eine seiner Spezialitäten. Diesmal kam das Lob von Co-Trainer Markus Feldhoff: „Klasse, Dedryck!“

Rekik profitiert von Trainer Klinsmann

Wie sehr die beiden Abwehrspieler bei den Berlinern geschätzt werden, ist unübersehbar, der Blick auf die Einsatzzeiten spricht für sich: Nachdem Rekik unter Ex-Coach Ante Covic nur 50 Prozent der Spiele absolviert hatte, war er unter Klinsmann auf Anhieb gesetzt, verpasste keine einzige Minute und zählte zuverlässig zu Herthas Besten. Boyata toppt diese Bilanz sogar noch. Der Sommerzugang stand mittlerweile 14 Mal in Folge in der Startformation und verdrängte zuletzt Nationalspieler und Vize-Kapitän Niklas Stark.

Dass die beiden Defensivexperten auch Offensivakzente setzen können, ist dabei eher ein netter Nebeneffekt – was sie unverzichtbar macht, ist ihre Qualität in ihrem Kerngeschäft. Seit Klinsmann auf eine Viererkette umstellte und das Abwehrzentrum Boyata und Rekik anvertraute, blieben die Berliner in drei Spielen ohne Gegentor. Der Belgier und der Holländer harmonieren prächtig miteinander, bilden eine kleine Berliner Mauer, ein Bollwerk Benelux.

Boyata glänzt mit starken Zweikampf- und Passquoten

Warum das Innenverteidiger-Duo derart erfolgreich ist? Vielleicht, weil es sich schon lange kennt und auch privat gut versteht. Zwischen 2011 und 2013 standen beide bei Manchester City unter Vertrag, kämpften als junge Talente um den Sprung zu den Profis, ehe sich ihre Wege trennten.

Einen handfesteren Grund liefert Co-Trainer Feldhoff: „Karim und Dedryck zählen zu den zweikampfstärksten Spielern der Liga“, sagt der frühere Profi. Boyata gewinnt fast 64 Prozent seiner Duelle, mehr als etwa Mats Hummels (Dortmund) oder Javi Martinez (FC Bayern). Bei Rekik sind es immerhin knapp 60 Prozent.

Hinzu kommt bei beiden das sichere Passspiel (auch hier ragt Boyata mit einer Passquote von knapp 93 Prozent heraus), sodass Ex-Stammkraft Stark (55 Prozent Zweikampfquote, 87 Prozent Passquote) derzeit das Nachsehen hat.

Nationalspieler Stark hat derzeit das Nachsehen

Allzu viel dürfte sich daran zum Rückrundenstart nicht ändern. „Wir brauchen Kontinuität in der Anfangsformation, damit wir einfach erstmal punkten“, betont Trainer Klinsmann. „Wer hinten dran ist, muss auf dem Platz zeigen, dass er besser ist als derjenige, der gerade zum Zuge kommt. Der Bessere wird spielen.“

In Florida konnte sich Stark – anders als Boyata und Rekik – bislang noch nicht aufdrängen. Der 24-Jährige wird daher wohl dieselbe Erfahrung machen müssen wie zuletzt Herthas Gegner: Am Bollwerk Benelux führt derzeit kein Weg vorbei.