Hertha-Trainer

Klinsmann: „Mit Hoffenheim und Leipzig gibt es Vorbilder“

Jürgen Klinsmann hat mit Hertha bemerkenswerte Ambitionen. Warum der Trainer die ehrgeizigen Ziele für realistisch hält.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (55).

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann (55).

Foto: Andreas Gora / dpa

Orlando. Mit Stillstand kann sich Jürgen Klinsmann nicht anfreunden. Schon als Trainer des FC Bayern München (2008 bis 2009) war Herthas Chefcoach mit dem Ansatz angetreten, jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser zu machen. Ein Credo, an das er beim Berliner Fußball-Bundesligisten nahtlos anknüpft.

Im Trainingslager in Florida arbeitete der frühere Top-Stürmer zuletzt gezielt mit Herthas Angreifern. „Das macht mir natürlich super viel Spaß – sie ein bisschen heiß machen und auf die Quote zu gehen“, sagte Klinsmann am Sonntag: „Wenn du ein international guter Stürmer bist, musst du aus 50 Prozent deiner Chancen Tore machen. Da sind wir noch nicht, da haben wir noch einen langen Weg vor uns.“

Klinsmann: „Berlin hat einen Megaklub verdient“

Keine Frage: Klinsmann (55) setzt bei Hertha neue Standards, zeigt seinen Spielern klare individuelle Ziele auf. Ein Beispiel dafür ist WM-Teilnehmer Marvin Plattenhardt (27). „Marvin muss sich das Ziel setzen, zurück zu Jogi Löw zu wollen“, sagte der 55-Jährige. Nach seiner Nominierung für die Weltmeisterschaft 2018 war Herthas Linksverteidiger vom Bundestrainer nicht mehr berücksichtigt worden.

Auch mit Hertha als Klub verfolgt Klinsmann bekanntlich eine Vision. „Berlin hat einen Megaklub verdient“, sagte er, „das ist unsere Hauptstadt.“

Er selbst will am Projekt „Big City Club“ (Investor Lars Windhorst) tatkräftig mitwirken. „Ich habe 40 Jahre Berufserfahrung“, sagte der frühere Welt- und Europameister, „ich war ja schon mit 16 Profi. Ich weiß, was im Ausland und in Deutschland abläuft, wie die Bewegungen sind, wie der Fußball sich entwickelt hat – da bin ich auf dem neusten Stand.“ Die Maßstäbe setze dabei die Champions League.

Sorgfältiger Plan, zielstrebige Umsetzung

Neben seiner Funktion als Coach will der Schwabe vor allem mit seinem Netzwerk helfen. „Ich kenne Trainer auf dem ganzen Planeten. Ich kann mich ständig austauschen und Infos einholen, sei es über Spieler in Südamerika, in Afrika oder Asien – alles kein Problem.“

Den Plan, in drei bis fünf Jahren Stammgast im Europacup zu sein, sei zwar ambitioniert, aber nicht utopisch, so Klinsmann. „Das wird nicht von heute auf morgen funktionieren, aber wenn es sehr sorgfältig durchdacht ist und zielstrebig umgesetzt wird, ist es möglich, in drei Jahren europäisch präsent zu sein.“ In der Saison 2020/21 sei Herthas Zielsetzung „Minimum Europa League“, im Jahr darauf wolle man „hoffentlich schon weiter oben anpacken“.

Konstanz als Schlüssel zum Erfolg

Andere Klubs mit Investoren hätten vorgemacht, dass eine rasante Entwicklung möglich sei. „Es gibt Vorbilder mit Hoffenheim, Leipzig oder auch Traditionsklubs wie Gladbach“, sagte Klinsmann, der betonte: „Der Schlüssel ist, Konstanz aufzubauen. Du kannst mal ein gutes Jahr haben und kommst vielleicht in die Champions League, aber die Kunst ist, drin zu bleiben. Da hin zu kommen, ist ein Prozess.“

Mit dem bloßen Erreichen der Europa League sei es jedenfalls nicht getan, stellte der Trainer des Tabellenzwölften klar. Unter Ex-Coach Pal Dardai habe Hertha 2017 „die Europa League im Prinzip fallen lassen, damit man in der Bundesliga nicht abfällt. Das darf nicht mehr der Anspruch sein. Dann müssen wir in die K.o.-Phase und dürfen in der Bundesliga trotzdem nicht abfallen.“