Bundesliga

Hertha BSC: Jetzt wird aussortiert

Geht nach Salomon Kalou auch Ondrej Duda? Fest steht: Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann arbeitet mit Hochdruck am Kader-Umbau.

Trainer Jürgen Klinsmann (l.) war mit Ondrej Duda nicht nur in dieser Szene unzufrieden.

Trainer Jürgen Klinsmann (l.) war mit Ondrej Duda nicht nur in dieser Szene unzufrieden.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Das opulente Festmahl konnte Jürgen Klinsmann nichts anhaben. „Es gab Filetsteaks mit Spätzle und Kartoffelsalat“, erzählte Herthas Chefcoach am Montagmorgen, „richtig schwäbisch, das kann meine Frau richtig gut.“ Trotzdem kehrte der 55-Jährige so rank und schlank nach Berlin zurück, wie man ihn kennt, quasi passend zu seiner aktuellen Agenda. Für überschüssige Pfunde oder ein kleines bisschen Extra ist bei Hertha künftig kein Platz mehr. Ab sofort wird abgespeckt.

Beim vorgezogenen Trainingsstart am Sonntag fehlte bereits Salomon Kalou (34). Nachdem er zuletzt nur noch Reservist war, hatte der Ivorer beim Hauptstadtklub um Freigabe gebeten, damit er sich einen neuen Klub suchen kann. Klinsmann möchte jedoch noch viel mehr Akteure aussortieren. In Herthas zu großem Kader könne er nicht jedem eine Perspektive geben, betonte der Ex-Profi, daher wolle man auch im Interesse der Spieler handeln.

Prominentester Kandidat für einen Wechsel ist Spielmacher Ondrej Duda. „Es sieht so aus, als käme jetzt etwas Neues“, sagte der Slowake, der bemüht ist, die Situation professionell zu nehmen. „Wenn etwas Altes endet, kann ein neues Kapitel beginnen“, meinte er am Montag.

Hertha-Spielmacher Duda vor dem Absprung

Der Slowake, in der Vorsaison noch bester Berliner Scorer, hatte unter Klinsmann von Beginn an einen schweren Stand. In fünf Spielen unter dem Schwaben kam er lediglich Anfang Dezember gegen Eintracht Frankfurt zum Zug, wurde dort jedoch schon zu Beginn der zweiten Halbzeit ausgewechselt, weil er am Rande eines Platzverweises wandelte. Es sollte das letzte Mal sein, dass der Nationalspieler im Spieltagskader stand, zeitweilig wurde er sogar zur U23 degradiert. Eine gefühlte Ohrfeige für den sensiblen Duda, der erst im Juli einen neuen Vertrag unterschrieben hatte und zum Kreis der Topverdiener zählte. Dass der 25-Jährige im Winter wechsle, sei „gut möglich“, sagte Klinsmann nun.

Noch scheint jedoch kein Abnehmer gefunden, weshalb Duda darauf spekuliert, am 2. Januar mit Hertha ins Trainingslager nach Orlando/Florida zu reisen. „Ich hoffe, dass ich mitfahren darf“, sagte er, „dafür bin ich früher nach Berlin zurückgekommen.“ Zur Erinnerung: Klinsmann hatte den Profis das gekürzt, was ihnen lieb und teuer ist – den Weihnachtsurlaub.

Andere haben schon mehr Gewissheit als Duda, allen voran Herthas Eigengewächse. Während es in den vergangenen Jahren Usus war, dass sich die jungen Talente gerade in den Trainingslagern zeigen durften, will Klinsmann den Kader deutlich verschlanken. „Wir planen, dass wir mit maximal 25 Spielern in die USA fliegen“, sagte der Trainer, „inklusive Torhüter.“ Insgesamt umfasst der Kader 34 Akteure.

Was wird aus Eduard Löwen?

Nachwuchskräfte wie Palko Dardai, Maurice Covic oder Sidney Friede, derzeit in der U23 aktiv, werden daher in Berlin bleiben – so sie nicht sogar Leih-Kandidaten sind. Für Dauerreservisten wie Alexander Esswein, Mathew Leckie oder Routinier Peter Pekarik (33) dürfte die Luft ebenfalls dünn werden, genauso wie für den vielseitigen Eduard Löwen.

Der 22-Jahre alte Mittelfeldspieler, im Sommer für sieben Millionen Euro geholt, fand unter Klinsmann nur unter speziellen Umständen Berücksichtigung, etwa durch die Sperre von Marko Grujic. In Santiago Ascacibar (22) vom VfB Stuttgart, der nach dem Jahreswechsel in Berlin aufschlagen dürfte, verschärft sich der Konkurrenzkampf im zentral-defensiven Mittelfeld nochmals. Wie der "Kicker" berichtet, gibt es mit dem FC Augsburg bereits einen ernsthaften Interessenten an Löwen. Eine Ausleihe wäre eine plausible Lösung.

Im Fall von Kalou ist der Abschied indes nur noch Formsache. „Ich hatte ein richtig gutes Gespräch mit ihm“, sagte Klinsmann: „Sala sieht, dass er nicht mehr zum Zug kommt, dass die Jungen an ihm vorbeischießen. Ich habe ihm gesagt, lass’ dir Zeit, du brauchst nicht zum Trainingsauftakt hier sein.“

Klinsmann: „Können jetzt international mitreden“

Mit Abgängen allein ist es bei Klinsmanns Kader-Umbau aber nicht getan, auch auf der Zugangsseite werde intern intensiv diskutiert. „Ziel ist es, nur dann etwas zu tun, wenn es uns qualitativ nach vorne bringt“, sagte der Trainer: „Der Anspruch bei Hertha muss sein, Spieler zu holen, die uns irgendwann auch international positionieren können.“

Die Zeiten, in denen Manager Michael Preetz nach entwicklungsfähigen Talenten wie Niklas Stark oder Mitchell Weiser fahnden musste, sind endgültig passé. Durch den Einstieg von Investor Lars Windhorst habe Preetz „eine ganz andere Konstellation“, sagte Klinsmann, „wir können jetzt international mitreden um Spieler, die zuvor nicht in unserer Kategorie waren.“ Bis Hertha auch fußballerisch international mitreden kann, wird es freilich noch etwas dauern. „Wir“, stellte Klinsmann klar, „sind nach wie vor im Abstiegskampf.“