Bundesliga

Rekik schießt Hertha BSC zum Auswärtssieg in Leverkusen

Hertha BSC holt nach dem Heimsieg gegen Freiburg auch den ersten Auswärtssieg unter Trainer Klinsmann. In Leverkusen gibt es ein 1:0.

Herthas Karim Rekik (l.) gelang sein erstes Tor seit November 2017.

Herthas Karim Rekik (l.) gelang sein erstes Tor seit November 2017.

Foto: TEAM2 via www.imago-images.de / imago images/Team 2

Leverkusen/Berlin. Wieder ein Dreier, wieder zu Null, und diesmal sogar in der Fremde: Hertha BSC hat seinen Fans am Mittwochabend ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk gemacht. Bei Champions-League-Anwärter Bayer Leverkusen erarbeiteten sich die Berliner ein überraschendes 1:0 (0:0). Für den Hauptstadtklub war es der erste Auswärtssieg seit Ende September (4:0 in Köln).

„Wir sind natürlich überglücklich“, sagte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt. „Wir hatten nicht viele Spielanteile und haben auf Konter gesetzt, aber das eine Tor reicht am Ende.“ Prägnanter hätte man es kaum zusammenfassen können. Tatsächlich ist der Mix aus defensiver Stabilität und offensiver Effizienz derzeit Herthas Trumpf.

Die hochengagierte Verteidigungsleistung bildete die Basis des Erfolgs, den Rest besorgte Karim Rekik. Als Abwehrspieler auf Abwegen blieb er im Anschluss an eine Ecke im Attackiermodus und manövrierte den Ball im zweiten Anlauf ins Netz (64. Minute). Ein Nadelstich, der sich für Leverkusen als schwerer Nackenschlag entpuppen sollte.

Plattenhardt trägt erstmals Kapitänsbinde

Sieben Punkte aus vier Spielen – die Bilanz von Trainer Jürgen Klinsmann kann sich sehen lassen. In der Tabelle verbleibt Hertha zwar auf Rang 13, hat mit jetzt 18 Zählern aber schon sechs Punkte Abstand auf den Relegationsplatz.

In seinem vierten Spiel als Hertha-Coach setzte Klinsmann auf das dritte System. Diesmal probierte es der Schwabe mit einer 4-1-4-1-Formation, verzichtete dabei auf Kapitän Vedad Ibisevic im Sturm und setzte stattdessen auf Per Skjelbred als Absicherung im Mittelfeld. Die Kapitänsbinde übernahm in Abwesenheit des Bosniers erstmals Plattenhardt – in seinem 154. Pflichtspiel für die Berliner ein Novum.

Auf dem Platz hatte der 27-Jährige dann gleich alle Hände voll zu tun, weil Leverkusens quirliger Rechtsaußen Moussa Diaby mächtig Alarm machte. Schon in der neunten Minute ließ der 20 Jahre junge Franzose Plattenhardt stehen, zog erst nach innen und dann von der Strafraumgrenze ab. Hertha-Keeper Jarstein war allerdings zur Stelle – und wurde bald darauf richtig warm geschossen.

Klinsmanns Taktik geht auf

Denn weiter ging’s fast im Minutentakt: Kevin Volland traf das Außennetz (10.), ehe Jarstein den Fernschuss von Nadiem Amiri entschärfte (15.) und kurz darauf auch dem prima freigespielten Lucas Alario im Weg stand (18.).

Während sich die Rheinländer offensiv abmühten, setzte Hertha auf aktive Passivität. Die Berliner zogen sich weit in die eigene Hälfte zurück, erledigten das, was man im Kampf gegen den Abstieg nun mal zwingend erledigen muss: kompakt stehen, aufmerksam verteidigen und taktische Disziplin wahren. Und dann: kontern.

Um ein Haar hätten die Gäste den Spielverlauf Mitte der ersten Hälfte auf den Kopf gestellt. Erst schickte Vladimir Darida per Steilpass Javairo Dilrosun auf die Reise, dann setzten Dodi Lukebakio und Lukas Klünter mit einer guten Kombination Davie Selke in Szene. Einziges Manko: Dilrosun schob den Ball nach seinem energischen Spurt knapp am langen Pfosten vorbei, ehe Selke aus spitzem Winkel an Bayer-Torhüter Lukas Hradecky scheiterte (beides 21.).

Dilrosun glänzt als Vorbereiter

Danach übernahm Leverkusen zwar wieder die Kontrolle (am Ende hatte die Elf von Trainer Peter Bosz knapp 70 Prozent Ballbesitz), verhedderte sich im letzten Spielfelddrittel aber immer wieder im Dickicht der Berliner Beine. Die nächste gute Chance gehörte stattdessen Hertha: Dilrosun dribbelte in bester Arjen-Robben-Manier von rechts ins Zentrum, setzte seinen Schuss aber über die Querlatte (44.).

Unmittelbar nach Wiederanpfiff war es dann die Werkself, die die Führung auf dem Fuß hatte. Alario entging der Berliner Abseitsfalle und fand sich frei vor Jarstein wieder, schob das Spielgerät jedoch hauchzart am Pfosten vorbei (48.).

Besser machte es auf der anderen Seite Rekik, der sich nach einer eigentlich schon geklärten Ecke als hartnäckig erwies. Nach starkem Dilrosun-Anspiel scheiterte er zwar im ersten Versuch mit links an Torhüter Hradecky, doch der zweite Anlauf mit rechts saß. 1:0 – der erste Treffer seit November 2017 für den 25-Jährigen.

Klinsmann plant mit Champions-League-Spielern

Bayer hätte durch Volland zwar fast im Gegenzug zurückgeschlagen (66.), wirkte in der Folge jedoch nur noch genervt, frustriert und zunehmend verzweifelt. Hertha hingegen schien minütlich an Sicherheit und Selbstvertrauen zu gewinnen. Dass Joker Pascal Köpke noch die Riesenmöglichkeit zum 2:0 vergab (74.) fiel nicht mehr ins Gewicht. Der einzige Wermutstropfen blieb die fünfte Gelbe Karte gegen Mittelfeldspieler Marko Grujic, der zum Jahresabschluss am Sonnabend (18.30 Uhr) im Olympiastadion gegen Borussia Mönchengladbach fehlen wird.

„Das war ein ganz großer Dreier für uns“, sagte Klinsmann, der das kolportierte Hertha-Interesse an Dortmunds Mario Götze nicht dementierte. „Durch unseren Investor haben wir mittel- und langfristig ganz andere Ziele“, betonte er, „ob dann über Mario spekuliert wird, oder über andere Champions-League-Spieler – das wird ganz normal sein. Das wird unsere Zukunft sein.“

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