Kommentar

Hertha muss den Worten Taten folgen lassen

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Jörn Lange
Herthas Vladimir Darida (l.) traf gegen Freiburg mit einem couragierten Weitschuss zum Sieg.

Herthas Vladimir Darida (l.) traf gegen Freiburg mit einem couragierten Weitschuss zum Sieg.

Foto: Soeren Stache / dpa

Endlich wieder ein Sieg, aber viel Verunsicherung: Wo ist der Mut des Neustarts geblieben, fragt sich Hertha-Reporter Jörn Lange.

Berlin. Fußball ist Ergebnissport – insofern gibt es an Herthas Bilanz unter Jürgen Klinsmann wenig zu mäkeln. Seit der Schwabe das Zepter übernommen hat, lauten die Resultate: Niederlage, Unentschieden, Sieg. Ein klarer Aufwärtstrend.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die jüngsten Auftritte bei den Fans eher Sorge schüren, statt Hoffnung zu säen. In Spiel eins gegen Borussia Dortmund (1:2) wirkten die Berliner noch wie ausgewechselt, zeigten plötzlich wieder Aggressivität, Mut und Leidenschaft. Beim 2:2 in Frankfurt schien der neue Schwung schon zu schwinden, aber immerhin überzeugte die Effizienz vor dem gegnerischen Tor. Nun, beim 1:0 gegen Freiburg am Sonnabend, stimmte fast nur noch das Resultat.

Verunsichert, schlafmützig und konzeptlos – vor allem in Durchgang eins hinterließen die Berliner ein merkwürdiges Bild. Dabei schien Klinsmanns größte Stärke doch gerade das Wachrütteln zu sein, gepaart mit einer direktwirksamen Injektion Selbstvertrauen. „Heiß“, sei sein Team, bekräftige der Schwabe, die Brust sei nach dem Punkt in Frankfurt breiter geworden. Von wegen.

Erstaunliche Passivität, bedenkliche Fehlpässe

Gegen Freiburg traute sich kaum ein Profi, die Initiative zu übernehmen, stattdessen waren neben erstaunlicher Passivität auch bedenkliche Fehlpässe zu beobachten. Die Pfiffe der eigenen Fans kamen nicht von ungefähr.

Das Ergebnis stimmte trotzdem, aber ob die Berliner daraus wirklich Kraft ziehen können? „Das gibt uns hoffentlich neues Selbstvertrauen“, gaben die Spieler um Matchwinner Vladimir Darida unisono zu Protokoll. Ähnlich plausibel wäre es allerdings, wenn die Verunsicherung bliebe, denn in Bezug auf Automatismen, Sicherheit und Präsenz hat Hertha in den jüngsten zwei Partien keine Fortschritte gemacht. Von einer griffigen Spielidee ganz zu schweigen.

Wenn die Profis nun vom Druck im Abstiegskampf sprechen, dürfen sie sich gern daran erinnern, dass die Saison noch lang ist. Vor allem dürfen sie ihren Worten auch Taten folgen lassen. Klinsmann, so beteuerten die Spieler ja reihum, habe ihnen neuen Glauben und einen klaren Fokus eingetrichtert. Nur muss jener auch auf den Platz gebracht werden, so wie es der starke Darida bei seinem couragierten Fernschuss-Tor tat. Andernfalls dürfte sich die Sache mit den guten Ergebnissen schnell erledigt haben.