Kommentar

Warum Hertha seinen Punkt nun dringend versilbern muss

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Jörn Lange
Gemischte Gefühle: Herthas Davie Selke nach dem 2:2 (1:0) in Frankfurt, bei dem die Berliner eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand gaben.

Gemischte Gefühle: Herthas Davie Selke nach dem 2:2 (1:0) in Frankfurt, bei dem die Berliner eine Zwei-Tore-Führung aus der Hand gaben.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Führung verspielt? Halb so wild! Wichtig wird aber sein, dass sich Hertha nun für seine kleinen Fortschritte belohnt, meint Jörn Lange.

Die Frage ist ja, was überwiegt. Die Freude über den ersten Punktgewinn nach zuvor fünf Pleiten in Folge? Oder doch der Frust, weil man einen Zwei-Tore-Vorsprung auf den letzten Metern noch aus der Hand gegeben hat? Bei Hertha BSC wussten sie es nach dem 2:2 (1:0) in Frankfurt selbst nicht so recht. Wer den Berliner Profis am späten Freitagabend zuhörte, bekam den Eindruck, als müssten sie sich eher bemühen, um das Ergebnis als Erfolg zu verkaufen.

Sicher, es gibt vieles, was sich nach dem zweiten Spiel unter Klinsmann kritisieren ließe. Die nach wie vor eklatanten Anfälligkeit bei Standards zum Beispiel, die Passivität in den letzten 20 Minuten, das unglückliche Startelf-Comeback von Ondrej Duda oder die etwas merkwürdig anmutenden Berliner Wechsel (wie in der Vorwoche nahm Klinsmann mit Niklas Stark den Abwehrchef und mit Dodi Lukebakio den besten Konterstürmer vom Platz). Angesichts der sportlich prekären Lage fällt all das jedoch in die Kategorie B-Note. Das einzige, was für die strauchelnden Berliner aktuell zählt, sind Punkte.

Aufbruchstimmung hat begrenzte Halbwertszeit

Wie labil Herthas Profis nach wie vor sind, war in Frankfurt unübersehbar. Ein Beleg dafür, dass die Klinsmann’schen Positiv-Mantras keine Wunder wirken. Auch wenn es eine Binse ist: Um Selbstvertrauen zu gewinnen, helfen sportliche Erfolge mehr als tausend Worte.

Womit wir beim Punkt wären. Nach dem mutmachenden Auftritt gegen Dortmund (1:2) und dem Punkt in Frankfurt müssen die Berliner ihre kleinen Fortschritte nun gegen Freiburg versilbern. Zu Hause im Olympiastadion (Sonnabend, 15.30 Uhr), mit dem nächsten kleinen Erfolgserlebnis im Rücken, und nicht zuletzt mit den eigenen Fans. Alles andere als ein Sieg wäre fatal, denn die Halbwertszeit von Aufbruchstimmung ist begrenzt. Bleiben die Resultate aus, werden Klinsmanns Heißmacher-Botschaften schnell auskühlen.

Am Sonnabend gegen Freiburg braucht es daher eine „Jetzt oder nie“-Mentalität, schließlich werden die Aufgaben danach nicht leichter. Bis Weihnachten warten noch Bayern-Bezwinger Leverkusen und Tabellenführer Mönchengladbach.