Bundesliga

Herthas neuer Co-Trainer Alex Nouri – Klinsmanns Vorarbeiter

Wie wichtig der neue Co-Trainer in der täglichen Arbeit ist, zeigt sich schon jetzt. Aber kann er dem Team auch taktisch weiterhelfen?

Gibt im Hertha-Training häufig die Richtung vor: Assistenzcoach Alexander Nouri (40), hier mit Neu-Nationalspieler Niklas Stark.

Gibt im Hertha-Training häufig die Richtung vor: Assistenzcoach Alexander Nouri (40), hier mit Neu-Nationalspieler Niklas Stark.

Foto: M. Popow via www.imago-images.de / imago images/Metodi Popow

Berlin. Wintersonne ist etwas Herrliches, beim Fußball allerdings kann sie hinderlich sein. „Ich seh‘ ja gar nix“, mosert Mittelfeldspieler Marius Wolf, der im Training bei Hertha BSC am Dienstag gegen die Sonne blicken muss. Aber es steht ja noch Alexander Nouri hinter ihm.

Der neue Co-Trainer agiert mit gelbem Leibchen wie eine Art Libero hinter der Abwehrreihe und dirigiert seine Vorderleute. Genau wie Chefcoach Jürgen Klinsmann auf der anderen Seite, sodass im Trainingsspiel nicht nur elf Spieler gegen elf Spieler antreten, sondern quasi zwölf gegen zwölf.

Die Kommandos der Coaches kommen laut, auf Deutsch und Englisch, und wenn bei Hertha-Trainer Klinsmann die Stimme heiser wird, ruft eben Assistent Nouri: „Wir müssen in Laufwege investieren!“

Preetz und Friedrich schauen beim Training zu

Investiert hat auch Hertha BSC, derzeit Tabellen-16. der Bundesliga. Nicht nur in den neuen Coach Klinsmann, sondern gleich in ein fünfköpfiges Funktionsteam, inklusive „Performance Manager“ Arne Friedrich, der neben Haupt-Manager Michael Preetz am Dienstag beim Training zusieht.

Es ist die erste öffentliche Übungseinheit seit Klinsmanns Vorstellung am vergangenen Mittwoch, die eher ein Showtraining war. Nun lässt sich langsam beobachten, wie der Alltag aussieht.

Es war ja spekuliert worden, dass Klinsmann sich in eine Art Supervisor-Rolle zurückzieht und das Tagesgeschäft den Assistenten überlässt, vor allem Nouri. Tatsächlich ist es der Co-Trainer, der die Spieler zur Ansprache an den Videomonitor oder zur Taktiktafel ruft, während Klinsmann die Zeit für Einzelgespräche nutzt, etwa mit dem zuletzt verschmähten Spielmacher Ondrej Duda. Im Trainingsspiel sind Klinsmanns Kommandos aber ebenso laut zu hören wie die von Nouri. Wer, fragt man sich, gibt in den Übungseinheiten die Linie vor?

Ist Nouri tatsächlich der neue Löw?

Nouri blinzelt trotz Baseballkappe gegen die Sonne, als er nach dem Training vor die Kameras tritt. Auch die Medientermine wollen sich Chef- und Co-Trainer künftig aufteilen. „Natürlich ist Jürgen der Chef und entscheidet“, sagt Nouri. Er selbst und der zweite Assistent Markus Feldhoff „bereiten das Training vor und machen Vorschläge“. Das klingt nicht so, als würde der frühere Bremer Chefcoach die Rolle einnehmen, die früher Joachim Löw hatte, der als Assistent des Bundestrainers Klinsmann der heimliche Taktik-Chef auf war und ihn irgendwann beerbte.

Dabei hat Nouri trotz seiner 40 Jahre schon einiges an Erfahrung vorzuweisen. Als Spieler kam der Deutsch-Iraner aus Buxtehude zwar nur auf 17 Zweitligapartien für den VfL Osnabrück. Aber als Trainer galt er früh als übermäßig begabt, absolvierte denselben Fußballlehrer-Lehrgang wie Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco. Bei Werder Bremen wurde er im September 2016 vom Nachwuchs- zum Cheftrainer befördert, galt als akribisch, frisch und innovativ, ehe er nur ein Jahr später entlassen wurde. Ebenso im November 2018 beim Zweitligisten FC Ingolstadt, nach nur acht Spielen.

Kennenlernen mit Klinsmann in Los Angeles

Den Karriereknick nutzte Nouri zur Fortbildung bei US-Vereinen und lernte auf Vermittlung von Oliver Bierhoff in Los Angeles Klinsmann kennen. „Wir haben ähnliche Ideen, was Fußball betrifft“, sagt Nouri, der Klinsmann am Montag vergangener Woche sofort zusagte, sein Assistent zu werden. Auf die Frage, wie diese Ideen aussehen, bleibt Nouri allerdings ähnlich vage wie sein Chef. „Erfolgreich zu sein und Spaß zu haben“, sagt er und lächelt.

Ohnehin wiederholt er oft, „unheimlichen Spaß“ zu haben, dass „Fleiß und Beharrlichkeit“ nun wichtig seien. Womöglich will sich Nouri wie Klinsmann nur nicht in die Karten schauen lassen, was die künftige Taktik und Spielweise angeht. Oder sich als Assistent nicht in den Vordergrund drängen. Oder er schätzt ebenfalls den Optimismus amerikanischer Prägung.

Kommunikation und Kompaktheit

Bei Klinsmanns Debüt gegen Dortmund war in Halbzeit eins mitunter ein Umschaltspiel zu beobachten, das an Nouris Wirken in Bremen erinnerte. Ob das am Freitag bei Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr, DAZN) ähnlich aussehen wird? Der Co-Trainer, der den Gegner beim 1:2 am Montag in Mainz genau angeschaut hat, verrät nichts.

Ein konkretes Element, welches das neue Trainerteam der Mannschaft mitgeben möchte, führt Nouri dann doch aus: „Kommunikation ist ein wichtiger Aspekt, um Kompaktheit zu haben, sich gegenseitig zu coachen, ist elementar.“ Das allerdings müssen die Spieler am Freitag in Frankfurt selbst tun. Denn der Trainer-Libero als zwölfter Mann ist in der Bundesliga noch nicht zugelassen.