Bundesliga

Dämpfer für Klinsmann zum Hertha-Start

Hertha BSC unterliegt Borussia Dortmund mit 1:2, zeigt dabei aber wenigstens in kämpferischer Hinsicht eine Leistung, die Mut macht.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann ist enttäuscht über das Ergebnis gegen Dortmund.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann ist enttäuscht über das Ergebnis gegen Dortmund.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin . Zynisch betrachtet, ließe sich sagen: Nichts Neues beim Wiedersehen von Jürgen Klinsmann mit Lucien Favre. Wie schon beim letzten Treffen vor zehn Jahren im ausverkauften Olympiastadion jubelte am Ende der Schweizer.

Am Sonnabend freute sich Favre als Trainer von Borussia Dortmund über ein 2:1 (2:1) in Berlin, das ihn weiter im Job belässt. Während Klinsmann als neuer Trainer von Hertha BSC das angepeilte Ziel Aufschwung verpasst.

„Über allem steht, dass wir punkten“, hatte Klinsmann vor seiner Bundesliga-Rückkehr gesagt. Doch am Ende kassierte der Hauptstadt-Klub seine achte Saisonniederlage und rutschte auf Relegationsrang 16 ab.

Hertha-Fans verabschieden Covic und kritisieren Preetz

Vor 74.667 Zuschauern standen die Trainer im Blickpunkt. Noch ehe Jürgen Klinsmann den Rasen betrat – hier hatte er im Februar 2009 als Coach des FC Bayern ebenfalls 1:2 verloren – rollten die Fans in der Ostkurve ein Banner aus: „Covic bleibt Herthaner!“

Ante Covic war Mitte der Woche nach fünf glücklosen Monaten als Trainer der Profis entlassen worden. Klinsmann hat bis Saisonende samt einem kompletten Stab übernommen. Die Fans kritisierten Michael Preetz, seit 2009 Manager bei Hertha, für dessen Personalentscheidungen mit einem Spruchband: „10 Jahre, 12 Trainer – ein Verantwortlicher.“

Klinsmann stellt um, Dortmund schießt die Tore

Allein, die Umstellungen des Neuen gingen zunächst nicht auf. Auf drei Positionen hatte Klinsmann umgebaut, dem Team eine Dreier-Abwehrkette mit Niklas Stark, Dedryck Boyata und Karim Rekik verordnet. Doch nach 17 Minuten lagen die Hausherren 0:2 zurück.

Dortmund dominierte. Julian Brandt spielte Jadon Sancho auf der linken Seite frei, der den Ball über Hertha-Torwart Thomas Kraft ins rechte Eck lupfte, 0:1 (15.). Zaghaft versuchte Klinsmann an der Seite, seine Mannschaft zu pushen. Aber Hertha, zuletzt vier Niederlagen in Folge, wirkte verunsichert.

Sofort setzten die Gäste nach. 143 Sekunden später lag der Ball erneut im Hertha-Tor. Diesmal lief der Angriff über die linke Abwehrseite, Achraf Hakimi flankte scharf nach innen, dort war Borussen-Stürmer Thorgan Hazard zur Stelle und drückte den Ball über die Linie, 0:2.

Herthas Profis zeigen Einsatz

Zugunsten von Hertha ist zu sagen: Anders als in der Vorwoche in Augsburg (0:4), wo die Leistung an Arbeitsverweigerung grenzte, hängten sich die Profis rein. Sie sollten aggressiv in die Zweikämpfe gehen, hatte Klinsmann gefordert. Die Folge war, dass Marko Grujic (5.) und Vladimir Darida (18.) früh Gelbe Karten vom unsicher wirkenden Schiedsrichter Sven Jablonski kassierten.

Der Unparteiische tat sich schwer, in dem umkämpften Spiel eine Linie zu finden. Der auffälligste Herthaner in dieser Phase, Dodi Lukebakio, leitete den Anschlusstreffer ein. Lukebakio war von drei Dortmundern nicht zu stellen, zog aus 17 Metern ab, Darida fälschte den Ball entscheidend ab, 1:2 (34.), Hertha war wieder dran.

Davie Selke verzweifelte fast am Unparteiischen, weil der mehrfach nicht auf Foulspiel am Hertha-Stürmer entschied. Doch in einer Schlüsselszene pfiff Jablonski. Selke hatte den Ball an Mats Hummels vorbeigelegt. Der Dortmunder Innenverteidiger holte Selke von den Beinen, Gelbe Karte. Da er bereits verwarnt war, wurde Hummels des Feldes verwiesen (45.).

Selke-Tor wegen Abseits nicht anerkannt

Nach drei Minuten in der zweiten Hälfte strahlte Klinsmann zum ersten Mal und freute sich. Davie Selke hatte nach Vorarbeit von Marko Grujic den Ball im Tor untergebracht. Die Hertha-Anhänger feierten den Ausgleich – doch in Köln griff Videoassistent Günter Perl ein. Selke stand beim Anspiel mit der Hacke im Abseits, kein Tor. „Wir dachten, wir hätten das 2:2 geschossen, über diese Entscheidung kann man diskutieren“, sagte Klinsmann. „Wenn das Tor zählt, geht das Spiel in die andere Richtung.“

Doch es blieb beim Rückstand. Hertha hängte sich weiter rein. Vedad Ibisevic, Javairo Dilrosun und Salomon Kalou kamen. Wie immer, wenn Ibisevic gegen den BVB spielt, wurde es turbulent. Diesmal kassierte er eine Gelbe Karte, weil er Hazard, der am Boden lag, Schauspielerei vorwarf und den Borussen auf die Beine stellen wollte (83.).

Kalou vergibt Ausgleichschance für Hertha

Hertha spielte mit Brechstange, der kopfballstarke Boyata verstärkte den Sturm. Kalou köpfte in der Nachspielzeit knapp neben das BVB-Tor (90.+1), ein Gewaltschuss von Grujic wurde von der Dortmunder Abwehr geblockt (90.+4). Es änderte sich nichts mehr, 1:2, fünfte Hertha-Niederlage in Folge.

„Wir haben sehr gelitten, es war ein schwieriges Spiel“, sagte BVB-Trainer Favre. Sein Berliner Kollege hatte sowohl Stärken als auch Schwächen gesehen. „Bei allem Druck, den wir gemacht haben, waren wir nicht in der Lage nachzulegen“, sagte Klinsmann. „Generell bin ich zufrieden mit der Leistung der Mannschaft.“ Er monierte jedoch: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr Lösungen finden, dass wir das Tempo hätten höher halten können.“

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