Hertha BSC

Neu-Coach Klinsmann: Außergewöhnlich als Spieler und Trainer

Jürgen Klinsmann war als Spieler und Trainer für viele besondere Momente gut. Die Morgenpost gibt eine Auswahl.

Jürgen Klinsmann Übernimmt den Trainerjob bei Hertha BSC.

Jürgen Klinsmann Übernimmt den Trainerjob bei Hertha BSC.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Berlin. Jürgen Klinsmann soll Hertha BSC zurück zum Erfolg führen. An verschiedenen Stationen ist ihm das schon oft gelungen. Weil er immer bereit war, unkonventionell zu Werke zu gehen, Neues auszuprobieren. Die Morgenpost gibt einen Überblick.

Als Zweitligastürmer der Stuttgarter Kickers (1981 bis 1984) meldete sich Jungprofi Klinsmann in der Sommerpause beim Leichtathletiktraining an. Er war mit seiner Geschwindigkeit nicht zufrieden – und steigerte so seine Bestzeit über 100 Meter von 11,7 auf 11,0 Sekunden. Seine Schnelligkeit und seine Laufbereitschaft blieben zeit seiner Profikarriere sein herausragenden Merkmale. Nach drei Jahren bei den Kickers wechselte er zum Lokalrivalen VfB, für den er in fünf Jahren in 156 Spielen 79 Treffer erzielte. Dort wurde er Torschützenkönig der Bundesliga und Nationalspieler.

Klinsmann glänzte im WM-Achtelfinale 1990 gegen die Niederlande

Die Stationen danach zeigen Klinsmanns Klasse und Internationalität. Inter Mailand (1989 bis 1992), AS Monaco (1992 bis 1994), Tottenham Hotspur (1994/95 und 1998), Bayern München (1995 bis 1997) und Sampdoria Genua (1997/98) lauteten sie; parallel bestritt er 108 Spiele (47 Tore) für die deutsche Nationalmannschaft, mit der er Weltmeister 1990 und Europameister 1996 wurde. Den Uefa-Pokal gewann Klinsmann 1991 mit Inter Mailand und 1996 mit Bayern München. Mit den Münchnern wurde Klinsmann 1997 auch deutscher Meister – kurioserweise sein einziger nationaler Titel.

In Erinnerung geblieben sind aus der Zeit als Spieler viele Momente. Etwa sein bestes Länderspiel bei der WM 1990 gegen die Niederlande, als Rudi Völler die Rote Karte sah und er im Sturm den Alleinunterhalter spielen musste, was ihm hervorragend gelang. Deutschland gewann 2:1, das 1:0 hatte der Schwabe erzielt, und zog so ins Viertelfinale ein. Der Rest ist Geschichte.

In England wird Klinsmann „Fußballer des Jahres“

Oder sein Tritt gegen eine Werbetonne im Dress des FC Bayern, weil er wütend war nach der Auswechslung durch Trainer Giovanni Trapattoni. Oder seine erste Saison in Englands Premier League, wo er als vermeintlicher Elfmeterschinder mit großer Skepsis empfangen wurde. Am Ende wurde Klinsmann nicht nur in Tottenham gefeiert (20 Tore in 41 Spielen). Er wurde sogar zu „Englands Fußballer des Jahres“ gewählt – ein Ritterschlag, nicht weniger.

Ebenfalls spektakulär geriet Klinsmanns Einstieg in die Trainerlaufbahn. Als Teamchef übernahm er 2004 eine Rumpelfußball spielende deutsche Nationalmannschaft, stand kurz vor dem Scheitern. Doch nach dem „Sommermärchen“, der WM 2006 im eigenen Land, welche die Gastgeber mit begeisterndem Sport auf Platz drei abschlossen, lag dem weniger mit Detailwissen, dafür mit großer Leidenschaft führenden Teamchef das halbe Land zu Füßen. Doch der große Motivator gab seinen Posten auf, ließ Joachim Löw, schon vorher der Fußball-Fachmann im Trainerteam, die Mannschaft zu weiteren Erfolgen anleiten. Dennoch: Der große Erneuerer innerhalb des DFB war Klinsmann.

In München wurde über die Buddhafiguren gespottet

Weniger erfolgreich verliefen die beiden folgenden Stationen. Bei Bayern München, das er eigentlich reformieren sollte, scheiterte er in der Meisterschaft, im DFB-Pokal und in der Champions League früh, sodass der Verein ihn nach nicht einmal zehn Monaten suspendierte. In Erinnerung blieben vor allem die Buddha-Figuren, die während seiner Amtszeit an der Trainingsstätte aufgebaut wurden.

Auch als Nationaltrainer der USA (2011 bis 2016) blieben die erhofften Erfolge aus. Er nominierte viele Bundesligaspieler, die einen amerikanischen Vater hatten, in die Mannschaft, um ihr eine gewisse körperliche Robustheit zu verordnen. So wurden unter anderen die Herthaner Alfredo Morales und John Brooks zu US-Nationalspielern. Eigentlich wollte Klinsmann die Auswahl seiner Wahlheimat ins Halbfinale der WM 2018 in Russland führen, doch es gelang gerade so die Qualifikation für das Turnier. Da war Klinsmann allerdings bereits entlassen. Seine nächste Trainerstation ist nun Hertha BSC Berlin.

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