Kommentar

Michael Preetz muss jetzt liefern

Herthas Manager Michael Preetz hat sich mit seiner Entscheidung im Mai selbst unter Druck gesetzt, meint Jörn Lange.

Hertha-Manager Michael Preetz muss erneut auf Trainersuche gehen.

Hertha-Manager Michael Preetz muss erneut auf Trainersuche gehen.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Zugegeben, die Situation ist kompliziert. Der Markt an vielversprechenden und zugleich verfügbaren Trainern ist mitten in der Fußball-Saison arg überschaubar, eine Ideal-Lösung für die Nachfolge von Hertha-Coach Ante Covic drängt sich nicht auf. Sind die potenziellen Kandidaten nicht andernorts im Amt, schielen sie womöglich auf das Trainer-Karussell bei größeren Klubs, sind zu teuer oder verfügen schlicht nicht über das zukunftsträchtige Profil, das sich die Berliner wünschen. Fest steht bislang nur: Der Plan, den früheren U23-Coach Covic als Bundesligatrainer zu etablieren, ist nicht aufgegangen.

Die Verantwortung dafür trägt Manager Michael Preetz, der jetzt die Quittung für seine Entscheidung im Mai bekommt, als er mehr Zeit hatte. Nachdem er die bewusst gewählte Trennung von Coach Pal Dardai bekanntgegeben hatte, präsentierte Preetz die kostengünstigste und bequemste Lösung.

Experiment ohne große Not

Während in Mönchengladbach, Hoffenheim, Wolfsburg oder auf Schalke Trainer verpflichtet wurden, die die Fan-Träume beflügelten, wirkte Preetz‘ Variante vergleichsweise einfallslos, zumal er das Ende der Ära Dardai unter dem Stichwort „Weiterentwicklung“ moderiert hatte. Pseudo-Start-Up-Image hin, Wagemut her – bei der wichtigsten Personalie im modernen Fußball setzte der Manager ohne große Not auf ein nicht risikoarmes Experiment.

Bei Spielertransfers hat Preetz oft einen guten Riecher bewiesen, bei Trainern eher nicht. Die Verpflichtungen von Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe und Otto Rehhagel mündeten in zwei Abstiegen. Besser lief es ab 2012 mit Jos Luhukay und Dardai, der zunächst als Notlösung einsprang, sich aber schnell als Glücksgriff erwies.

Der Druck auf den Manager wächst

Nun braucht Preetz erneut ein glückliches Händchen – auch, um nicht bald selbst um seinen Job bangen zu müssen. Mit dem Einstieg von 225-Millionen-Euro-Investor Lars Windhorst hat sich das Machtgefüge bei Hertha verschoben. Der Geldgeber möchte naturgemäß Fortschritte sehen, und so braucht es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie der Druck auf Preetz wächst. Seine nächste Entscheidung muss sitzen, andernfalls könnte selbst die schützende Hand von Präsident Werner Gegenbauer unruhig werden.

Leichter geworden ist die Aufgabe nicht im Vergleich zum Mai. Der neue Trainer muss das verunsicherte Team schnellstmöglich stabilisieren, es aber auch weiterentwickeln können. Andernfalls droht all das, was Hertha in den vier Jahren unter Dardai aufgebaut hat, jäh zu verpuffen.