Bundesliga

Hertha BSC - Trainer, verzweifelt gesucht

Hertha BSC: Wunschkandidat Niko Kovac winkt ab, Jürgen Klinsmann weiß nicht recht, Roger Schmidt und Bruno Labbadia werden gescoutet.

Der Wunschkandidat der Fans als neuer Hertha-Trainer: Niko Kovac, hier noch als Coach des FC Bayern im Olympiastadion mit Hertha-Manager Michael Preetz.

Der Wunschkandidat der Fans als neuer Hertha-Trainer: Niko Kovac, hier noch als Coach des FC Bayern im Olympiastadion mit Hertha-Manager Michael Preetz.

Foto: Foto: Stache / pa/dpa

Berlin. Die Termine stehen: An diesem Mittwoch muss jemand das Hertha-Training auf dem Schenckendorffplatz ab 14 Uhr leiten. Am Sonnabend muss jemand Aufstellung und Matchplan von Hertha BSC verantworten, wenn es in der Bundesliga ab 15.30 Uhr gegen Borussia Dortmund geht. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war allerdings noch offen, wer die Trainer-Aufgaben beim Hauptstadt-Klub übernehmen wird.

Klar scheint zu sein: Ante Covic hat es nicht verdient, nur deshalb gegen den BVB auf der Hertha-Bank zu sitzen, weil seine Vorgesetzten nicht in der Lage waren, rechtzeitig eine Lösung in der Trainer-Frage zu finden. Dass das Kapitel Covic als Cheftrainer bei Hertha mit dem 0:4 in Augsburg keine Zukunft hat, liegt auf der Hand. Elf Punkte aus zwölf Spielen, Platz 15, gleichauf mit Relegationsrang 16 – das Experiment Covic ist gescheitert. Die Idee von Michael Preetz, die der Manager im Sommer mit der Beförderung vom U23-Coach Covic zum neuen Cheftrainer hatte, ist nicht aufgegangen.

Die Spur Roger Schmidt

Das sehen auch die Hertha-Verantwortlichen so. Seit Tagen glühen die Drähte auf der Suche nach einem Nachfolger. Der Ex-Herthaner Niko Kovac, der zuletzt mehrere Titel mit Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern gewonnen hat und Wunschkandidat der Fans ist, winkte ab. Am 3. November war er in München beurlaubt worden. Kovac wolle nach der intensiven Zeit Pause machen und in dieser Saison keinen Verein übernehmen. So berichtete es der „Kicker“.

Manager Preetz ist auf diversen Pfaden unterwegs. So soll er Kontakt zu Roger Schmidt (52) aufgenommen haben. Der gilt als ausgewiesener Fußballversteher mit einem besonderen Händchen in der Entwicklung junger Spieler – zwei Qualifikationen, die Hertha händeringend sucht. Auf seinen letzten Stationen bei Red Bull Salzburg, Bayer Leverkusen und Beijin Guon in China leistete Schmidt ordentliche Arbeit. In China wurde er nach zwei Jahren trotz erfolgreicher Arbeit im Juli entlassen, weil er sich geweigert hatte, seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Schmidt gilt als selbstbewusst und schwierig, also ein Charakter, der einer klugen Führung durch den Verein bedarf.

Die Spur Bruno Labbadia

Eine andere Spur führt zu Bruno Labbadia (53). Der hat bereits sieben Klubs trainiert. Sein zuletzt ramponiertes Ansehen hat er mit 18 erfolgreichen Monaten beim VfL Wolfsburg aufgebessert. Im Mai 2018 hielt Labbadia den Werksklub in der Relegation in der Bundesliga (3:1/1:0 gegen Holstein Kiel). Und führte den VfL in der vergangenen Saison als Sechster in die Europa League. Da die Chemie mit Manager Jörg Schmadtke nicht stimmte, verließ Labbadia Wolfsburg zum Saisonende.

Als interne Lösung, etwa in den ausstehenden fünf Partien bis Weihnachten, kommt Harald Gämperle (51) in Betracht. Der Schweizer erfüllt mit der Uefa-Pro-Lizenz die Anforderungen, die die DFL an Cheftrainer stellt. Für einen Interimscoach Gämperle wäre ein Treffen am Sonnabend mit seinem langjährigen Chef Lucien Favre, Noch-Trainer bei Borussia Dortmund, ein pikantes.

Die Spur Harald Gämperle

Preetz erlebt in seiner zehnjährigen Amtszeit als Geschäftsführer Sport gerade ein Novum. So haben sich die Gewichte bei Hertha verändert durch den Einstieg von Finanzinvestor Lars Windhorst, der für 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha-Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) erworben hat. Die klar kommunizierte Erwartung mit diesem Investment: Hertha möge so schnell wie möglich, regelmäßiger Gast in der Champions League werden. Das, was die derzeitige Geschäftsführung anbietet – Abstiegskampf – entspricht mit Sicherheit nicht den Erwartungen des Geldgebers.

Einen von vier Sitzen, die Windhorst im neunköpfigen Aufsichtsrat der Hertha-KGaA besetzt, hält Jürgen Klinsmann. Und Preetz spricht auf der Suche nach einem Trainer auch mit Klinsmann.

Wie viel Einfluss hat Jürgen Klinsmann?

Gedankenspiele von Hertha, ob Klinsmann als Interimslösung zur Verfügung stehen würde, falls die Ideallösung länger Zeit brauche, habe Klinsmann, so berichtet es der „Kicker“, jedenfalls nicht komplett ausgeschlossen.

Es scheint, als seien sie sich in Herthas Chefetage nicht sicher, was gesucht wird: Ein Trainer-Kandidat, wie Roger Schmidt oder Bruno Labbadia, Trainer mit, sagen wir einem Vertrag bis 2021, der ab sofort versuchen soll, den Hauptstadt-Klub in Richtung Europa zu entwickeln. Oder wird ein Übergangskandidat bis Mai 2020 gesucht, der Hertha in der Liga halten soll? Bevor dann im Sommer nächsten Jahres erneut Niko Kovac umworben wird.

Eine öffentliche Bestätigung, zu „Herthas verzweifelter Trainer-Suche“ („Bild Online“) gibt es natürlich nicht. Auf die Frage, wer das Training am Mittwoch leitet, heißt es bei Hertha: „Solange nicht anderes kommuniziert wird, hat sich auch nichts verändert.“