Bundesliga

Hertha BSC regelt die Covic-Nachfolge

Am Sonnabend gegen Borussia Dortmund wird Ante Covic nicht mehr auf der Bank von Hertha BSC sitzen.

Eine überzeugende Lösung ist gefragt: Hertha-Manager Michael Preetz ist auf Trainer-Suche.

Eine überzeugende Lösung ist gefragt: Hertha-Manager Michael Preetz ist auf Trainer-Suche.

Foto: Foto: Streubel / Bongarts/Getty

Berlin. Wenn Hertha BSC am Sonnabend Borussia Dortmund im Olympiastadion empfängt (15.30 Uhr), wird Ante Covic wohl nicht mehr auf der Berliner Bank sitzen. Täuschen die Vorzeichen nicht, bereiten die Hertha-Verantwortlichen die Nachfolge von Ante Covic vor. Das 0:4 in Augsburg, die vierte Niederlage in Folge sowie das zum wiederholten Male mutlose Auftreten der Mannschaft veranlassen die Chefetage zum Handeln. Hertha schwebt mittlerweile punktgleich mit dem 16., Fortuna Düsseldorf (beide elf Punkte) in Abstiegsgefahr.

Am Montag, dem Tag nach der Pleite in Augsburg, war Manager Michael Preetz damit beschäftigt, eine neue Konstellation zu finden. Sein Plan aus dem Sommer, nach der Solidität um Pal Dardai mit Ante Covic neuen Schwung zu bringen und Hertha auf ein neues Niveau zu heben, ist nicht aufgegangen.

Stattdessen bot die Mannschaft um Kapitän Niklas Stark in Augsburg eine jener Partien, wie es sie in der Hertha-Historie immer mal wieder gegeben hat. Erinnert sei an den Dezember 2003, Herthas 1:6 im DFB-Pokal bei Werder Bremen – dem letzten Spiel des damaligen Trainers Huub Stevens. Oder an den Februar 2012, Herthas 0:5 in der Liga beim VfB Stuttgart – dem letzten Spiel unter Trainer Michael Skibbe. Klare Niederlagen, als wolle die Mannschaft den Verantwortlichen sagen: Es geht nicht mehr.

Ante Covic: Aufgeben ist keine Option

Ob Systemumstellungen, personelle Wechsel, Streicheleinheiten hier und moderate Kritik dort – Covic hat in den fünf Monaten seiner Amtszeit viel versucht. Er trug zum ersten Mal Verantwortung im Profibereich. Doch mit Blick auf die Bilanz (drei Siege, zwei Remis, sieben Niederlagen), auf die fehlende Konstanz und die fehlende mentale Stärke ist festzustellen: Es reicht nicht.

Trotzdem stellte sich Covic (44) am Montag beim Auslaufen der Spieler auf dem Schenckendorff-Platz nochmal den Medien. Kämpferisch sagte Covic: „Aufgeben ist keine Option.“ Auf Fragen, ob er am Sonnabend gegen Dortmund auf der Bank sitzen werde, reagierte er ausweichend: „Ich bitte um Verständnis, dass ich noch ein, zwei Tage brauche, um mit der Enttäuschung von Augsburg fertig zu werden.“

Was jetzt wichtig ist für Hertha? „Ich stehe kerzengerade, damit sich die Spieler anlehnen können“, sagte Covic. Es gehe auch nicht um „meine persönliche Befindlichkeit, sondern um den Verein, wie wir schnellstmöglich wieder Punkte sammeln.“

Harald Gämperle wäre die nahe liegende Lösung für Hertha

Diese Aufgabe wird allerdings nicht mehr Covic machen. Rasch geisterten Namen wie Jürgen Klinsmann oder Pal Dardai durchs Internet – beide kommen aber nicht infrage, weder als Übergangs- noch als Cheftrainer. Auch Niko Kovac, der Junge aus dem Wedding und langjähriger Herthaner, der zuletzt 15 Monate den FC Bayern trainierte, ist dem Vernehmen nach nicht interessiert.

Die naheliegende Lösung wäre Harald Gämperle, den bisherigen Co-Trainer, als Interimscoach einzusetzen. Der Schweizer, ein Vertrauter des Managers, besitzt die erforderliche Uefa-Pro-Lizenz (im Gegensatz zu Andreas Neuendorf. Der U23-Coach käme, wenn überhaupt, als Co-Trainer infrage). Damit hieße es, die schweren Aufgaben bis Weihnachten zu bewältigen (Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen, Gladbach). Damit würde Preetz Zeit gewinnen, um zum Jahresstart eine dauerhafte Lösung zu finden.

Die Situation ist kompliziert: Denn die schlechte Saison wirft Hertha weit zurück in dem Bestreben, das sich Präsident Werner Gegenbauer und Preetz vorgenommen haben: Beflügelt durch die Investitionen von Lars Windhorst (225 Millionen Euro) wollte sich Hertha in 2019/20 eigentlich in Richtung Europa orientieren. Stattdessen geht es jedoch um den Klassenerhalt.

Kapitän Niklas Stark will von Abstiegskampf nichts wissen

Es ist die dritte Saison in Folge, in der Hertha fernab der internationalen Plätze unterwegs ist. Das heißt für die Spieler mit Perspektive wie Arne Maier oder Niklas Stark: Wenn du vorankommen willst, musst du Hertha verlassen. Dann sind da die Hoffnungsträger, die Hertha noch zu Dardai-Zeiten gewinnen konnte (wie Mitchell Weiser, Davie Selke, Valentino Lazaro) mit dem Versprechen: Bei uns entwickelt sich was. Weil Hertha sich entwickelt und der Trainer den Mut hat, junge Spieler einzusetzen. Jetzt im Winter ist die klassische Zeit, wo der Manager bei vielversprechenden Talenten vorfühlt: Lust, unseren Weg, der nach oben führt, mitzugehen? Die winken derzeit ab: Was soll ich in Berlin?

Hertha braucht das, was dem Verein schon im Sommer gutgetan hätte: Einen Trainer, der offensiven Fußball vermitteln und mit seiner Autorität auch durchsetzen kann. Einen, der Hertha auf eine neues Niveau hebt. Einen, mit dem vor allem die jungen Hochbegabten arbeiten wollen. Da sind die Namen, die auf dem Markt sind, eher ernüchternd: Bruno Labbadia, Roger Schmidt, Felix Magath, Sandro Schwarz …

Dazu muss Manager Preetz es schaffen, den Sinn für die Realität zu schärfen. So wollte Kapitän Stark vom Abstiegskampf nichts wissen: „Wir haben noch nicht mal die Hälfte der Saison gespielt. Es ist in der Bundesliga alles dicht beisammen, da kann noch viel passieren.“ Der Blick auf die Tabelle legt jedoch das Gegenteil nahe: Hertha steckt mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Den gilt es anzunehmen. In der Trainer-Frage soll, so viel ist zu hören, an diesem Dienstag eine Entscheidung fallen.