BUNDESLIGA

Nur ein Sieg hilft Ante Covic

Nach einem Saisondrittel sucht der Trainer von Hertha BSC noch System und Personal. Gastgeber Augsburg steht ähnlich unter Druck.

Ante Covic ist seit Juli Cheftrainer von Hertha BSC.

Ante Covic ist seit Juli Cheftrainer von Hertha BSC.

Foto: Foto: Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin. Seine Gesichtszüge enthalten keine Botschaft, da ist sich Ante Covic in den vergangenen Monaten treu geblieben. Der Trainer von Hertha BSC lächelt, auch wenn ihm der nasskalte Novemberwind den Sprühregen ins Gesicht bläst. Er reagiert freundlich, auch wenn ihm eine noch so banale Frage gestellt wird. Er nimmt sich Zeit, auch wenn er schon minutenlang für Fotos bereitstand. Nach außen wirkt Covic wie das menschgewordene Lieblingszitat von Pep Guardiola: Alles top, top, top.

Wie es in seinem Inneren aussieht, lässt sich konträr dazu nur erahnen. Bei Hertha ist die Situation längst nicht so top, top, top, wie die Ausstrahlung von Covic es suggeriert. Der Berliner Bundesligist hat die vergangenen drei Spiele verloren, als 13. liegt die Mannschaft hinter den Erwartungen, was dazu führte, dass die Stimmung bei der Jahreshauptversammlung vor zwei Wochen frostiger ausfiel als für diese Jahreszeit üblich. Der Trainer und sein Wirken wurden kritisch hinterfragt, auch Manager Michael Preetz geriet in die verbale Schusslinie der Redner. So gaben sich Herthas Verantwortliche während der Länderspielpause Mühe, Einigkeit zu demonstrieren. Preetz tauchte häufiger als gewohnt am Trainingsplatz, und ob das nun als positiv oder negativ zu werten ist für Covic, sei dahingestellt. Laut Preetz habe die Situation sein Erscheinen „erfordert“.

Hertha BSC steht unter Zugzwang

Covic hat registriert, dass die Fragen an ihn zuletzt immer in dieselbe Richtung steuerten. Ob er den Rückhalt seiner Vorgesetzten spüre? Ob er das Gefühl habe, seine Maßnahmen greifen? Ob die Spieler ihm wie gewünscht folgen? Kurz, für Covic, seit fünf Monaten Bundesliga-Trainer, geht es darum, ob und wie lange er noch zu diesem erlauchten Kreis zählen darf. Das heutige Auswärtsspiel beim FC Augsburg (15.30 Uhr, Sky) ist vor diesem Hintergrund mehr als richtungsweisend. Ist der Gegner nach allgemeinem Dafürhalten doch der Schwächste, den Hertha in diesem Kalenderjahr noch zu bespielen hat. Danach kommen Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Mönchengladbach. Alles Mannschaften mit einer deutlich besseren Punkteausbeute als die abstiegsbedrohten Augsburger. Eine Niederlage dürfte die Situation für Covic äußerst prekär werden lassen.

Augsburg hat in dieser Saison schon deftige Niederlagen kassiert. 1:5 in Dortmund, 1:5 gegen Mönchengladbach, und dann war da noch dieses 1:8 in Wolfsburg am letzten Spieltag der vergangenen Saison. Nichtssagend für die Tabelle damals, aber vielsagend, was den Gemütszustand dieser Mannschaft anging. Die Lücken in der Defensive haben die Augsburger Verantwortlichen teils auf den letzten Drücker kaschiert. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj kamen kurz vor Transferschluss, zuvor wurde der tschechische Torwart Tomas Koubek geholt.

Preetz unterstützt Covic

Die Abstimmungsprobleme, die in der Augsburger Hintermannschaft viele Wochen lang unübersehbar waren, verschwanden zuletzt immer mehr, was auch dazu beitrug, dass Trainer Martin Schmidt wieder deutlich gelassener seiner Arbeit nachgehen kann. Fünf Punkte holte er aus den vergangenen vier Spielen, anders als Covic muss Schmidt nicht unbedingt gewinnen, um die aufgepeitschte See um ihn herum zu befrieden. Schmidt war lange vorgeworfen worden, einer dieser kompromisslosen Umschalttrainer zu sein, ohne einen Plan B. Augsburgs Verantwortliche um Manager Stefan Reuter beugten sich nicht äußeren Einflüssen und hielten an dem Schweizer fest.

In Berlin ist die Medienlandschaft rauer und die Erwartungshaltung eine andere, erst recht nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst. Hertha soll sich entwickeln, möglichst schnell, möglichst spektakulär. „Wir hätten uns gewünscht, dass das eine oder andere etwas schneller geht, das ist keine Frage. Aber wir sehen jeden Tag, wie gut und wie intensiv gearbeitet wird. Es ist unsere Verantwortung, diese Arbeit zu unterstützen und dem Trainer die Zeit zu geben“, sagt Manager Preetz. Die Frage ist nur, wie lange.

Wofür steht Ante Covic?

Negativ wird Covic ausgelegt, dass man sich bei ihm immer noch nicht so sicher ist, wofür er eigentlich steht. Womöglich weiß er das selbst noch nicht. Covic probiert viel, beim Personal und bei der Taktik. Mal 3-4-3, mal 3-5-2, mal 4-2-3-1. Mal spielt Dodi Lukebakio im Sturmzentrum, mal Vedad Ibisevic. Mal spielt Javairo Dilrosun, mal nicht. Die Defensive ist durchlässig, offensiv fallen der Mannschaft kaum Lösungen ein.

Seine Wunschelf hat Covic noch nicht gefunden. Dass viele Leistungsträger außer Form sind, wird ihm zunehmend immer stärker angelastet. Für Wünsche bleibt da nicht viel Raum. Covic benötigt Punkte, dringender denn je in seiner jungen Karriere als Bundesliga-Trainer.