BUNDESLIGA

Marko Grujic: „Auch für den Trainer ist es gerade schwierig“

Marko Grujic über die angespannte Situation für Hertha und Coach Ante Covic, die Partie in Augsburg und seinen Kontakt zum FC Liverpool.

Herthas Marko Grujic (Nr. 15) im DFB-Pokal im Duell mit dem Dresdner Moussa Kone

Herthas Marko Grujic (Nr. 15) im DFB-Pokal im Duell mit dem Dresdner Moussa Kone

Foto: Foto: Hitij / Bongarts/Getty

Berlin. Marko Grujic ist Basketballfan. Der Fußballer von Hertha BSC ist mit Stefan Peno von Alba Berlin befreundet und war zuletzt am Dienstag gegen Belgrad in der Halle. Seit der FC Liverpool den 23-jährigen Serben vor 16 Monaten an Hertha verlieh, hat Grujic mit Peno gemeinsam Berlin besichtigt, eine „unglaublichen Stadt, die Europapokal verdient hätte“, wie er schwärmt. Davon ist Hertha als Bundesligazwölfter aktuell ein gutes Stück entfernt. Nach drei Niederlagen in Folge steht Trainer Ante Covic unter Druck, am Sonntag beim FC Augsburg zu punkten (15.30 Uhr). Dafür müsste auch Grujic die Form des Vorjahres wiederfinden, als Vorgänger Pal Dardai ihn als „besten Mittelfeldspieler der vergangenen 20 Jahre bei Hertha“ geadelt hat.

Berliner Morgenpost: Herr Grujic, was ist mit Marko Grujic los?

Marko Grujic: Wie meinen Sie das?

Viele Hertha-Fans stellen sich in dieser Saison die Frage, was aus dem dominanten Mittelfeldspieler der Vorsaison geworden ist.

Das ist schwer zu sagen. Das ganze Team durchlebt momentan eine schlechte Phase, ich weiß nicht, welcher Spieler gerade seine Top-Leistung bringt. Das Selbstvertrauen ist nicht da, wir spielen nicht gut, in solch einer Situation ist es schwer. Aber Gewinner kommen immer stärker zurück.

Gilt das auch für Sie?

Ich muss sicherlich auch bessere Leistung bringen. Aber ich tue alles und arbeite hart im Training, wie das ganze Team, um die Form zu finden, in der uns die Fans sehen wollen.

Sie mussten im letzten Spiel gegen Leipzig auf die Bank, erstmals in Ihrer Hertha-Zeit. Wie haben Sie das aufgenommen?

Sagen wir, ich war nicht der glücklichste Mensch, als ich die Aufstellung gesehen habe. Aber das passiert im Fußball, es ist auch ein Warnschuss an mich. Es gibt mir den Antrieb, im Training noch härter zu arbeiten.

Braucht es immer einen Weckruf?

Im Leben muss leider manchmal erst etwas schieflaufen, bevor man etwas ändert, oft zum Besseren. Vielleicht ist die Konzentration zuvor abgesunken bei uns. Aber elf Punkte in elf Spielen sind eine deutliche Warnung, das ist nicht genug. Im Training ging es zuletzt richtig zu Sache, das ist ein gutes Zeichen, dass alle aufgewacht sind.

Hertha läuft statistisch am wenigsten von allen Bundesliga-Teams. Ist das eine Einstellungssache?

Jeder, der Sport betreibt, weiß, dass es unmöglich ist, nicht hundert Prozent zu geben, wenn du bei einer solch guten Atmosphäre wie bei uns im Olympiastadion auf den Platz kommst. Und klar ist auch: Wenn du gewinnst, schaut keiner auf solche Statistiken.

Woran liegt es dann?

Wenn wir nicht kompakt verteidigen und die Abstände zwischen uns zu groß werden, müssen wir mehr laufen und werden schneller müde als der Gegner. In den letzten 20,30 Minuten bekommen wir dann Probleme, so haben wir beispielsweise durch sinkende Konzentration gegen Union und Leipzig spät verloren. Aber wir hatten eine intensive Saisonvorbereitung, also liegt es nicht an der Kondition oder am Willen zu laufen.

Liegt es vielleicht an der Spielweise?

Wenn du den Ball hast, läuft der Gegner mehr. Wir stehen häufig sehr tief, und wenn wir dann den Ball gewinnen, sind die Wege bis zum Tor weit, oft 70,80 Meter. Wir haben tolle Konterspieler, aber verlieren zu viel Kraft beim Verteidigen und sind dann nicht spritzig genug, wenn wir an den Ball kommen. Aber viele Mannschaften spielen diesen Stil und sind damit erfolgreich, also ist das kein Alibi.

Ist Ihre Rolle offensiver oder defensiver als noch unter Pal Dardai?

Ich habe am Anfang der Saison als Sechser alleine vor der Abwehr gespielt. Das ist nicht meine Lieblingsrolle, weil ich dann weit weg vom gegnerischen Tor bin und meine Torgefahr beispielsweise bei Kopfbällen nicht ausspielen kann. Jetzt spielen wir mit Doppelsechs, aber wenn wir 30 Meter vor dem eigenen Tor stehen, kann ein Dodi Lukebakio vielleicht nach vorne sprinten, aber andere Mittelfeldspieler kommen nicht so schnell mit. Es sind oft Kleinigkeiten, die wir trainieren und verinnerlichen müssen, um nicht so tief abzusinken.

Ist das taktisch der Plan, oder passiert das einfach?

In einigen Spielen ist der Plan, erst einmal abzuwarten. Aber der Plan ist dann nicht, erst gefühlt nach fünf Minuten an den Ball zu kommen. In anderen Spielen werden wir vom Gegner hinten reingedrückt. Dann ist es wichtig, dass einer vorrückt, den Gegner attackiert und das restliche Team nachzieht. Das müssen wir am Sonntag in Augsburg zeigen.

Haben Sie je Abstiegskampf gespielt?

Noch nicht, in Liverpool und Belgrad nie. Das würde mehr Druck bedeuten, ich hoffe, dazu kommt es nicht. Dafür haben wir zu viel Qualität in der Mannschaft, müssen es aber auch auf dem Platz zeigen.

Haben Sie Kontakt mit Jürgen Klopp. Ist er zufrieden mit Ihren Leistungen?

Nicht oft, Liverpool bestreitet ja selbst viele Spiele und hat viele Spieler verliehen. Aber es gibt einen Verantwortlichen, der sich die Leihspieler anschaut, Kontakt hält und Feedback gibt. Wir telefonieren nach jedem Spiel.

Was haben Ihre Analysen ergeben?

Ich bin noch ein junger Spieler mit 23, da sind gewisse Schwankungen dabei und ich muss noch viel lernen. Aber ich habe auch ein Stück weit mein Training umgestellt, manchmal habe ich im Fitnessraum vielleicht zu viel für die Beine gemacht und war dann nicht frisch genug in den Spielen.

Träumen Sie noch von Liverpool?

Jeder würde natürlich gerne für so eine Mannschaft spielen, aber dafür muss ich bessere Leistungen zeigen. Ich denke aber nicht viel an Liverpool, sondern daran, wie wir mit Hertha aus der aktuellen Lage kommen.

Wie wichtig ist Ante Covic für Sie als Ansprechpartner? Er spricht ja Kroatisch, Sie Serbisch.

Für Ante ist es auch schwierig momentan. Ich habe einige Schlagzeilen gesehen, die die nächste Niederlage herbeischreiben oder einen neuen Coach. Wir sprechen regelmäßig. Und ich hoffe wie er, dass wir jetzt bessere Leistungen zeigen werden.

Belastet das Gerede um den Coach?

Das ist bei jedem Spieler anders, einige lesen nichts, andere motiviert das extra. Wir müssen einfach mit derselben Aggressivität und dem Hunger zum Verteidigen an die Sache gehen wie zuletzt im Training. Ich würde liebend gerne am Sonntag einen Sieg für Ante holen.