Nationalmannschaft

Niklas Stark: „Ich bin überglücklich“

Im zehnten Anlauf gibt Niklas Stark von Hertha BSC seinen Einstand in der Nationalelf. Jetzt hofft er auf ein Ticket für die EM 2020.

Herthas neuester Nationalspieler: Niklas Stark (mit Maske) im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland sein Debüt in der deutschen Nationalelf.

Herthas neuester Nationalspieler: Niklas Stark (mit Maske) im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland sein Debüt in der deutschen Nationalelf.

Foto: Foto: PFAFFENBACH / Reuters

Berlin/Frankfurt. Auf der finalen Runde überließ Niklas Start die Ehre jemand anderem. Die deutschen Nationalspieler liefen nach dem 6:1-Sieg gegen Nordirland in Frankfurt am Main noch einmal klatschend vor den Fankurven entlang, da deutete der Debütant von Hertha BSC, der seine Maske schon abgenommen hatte, mit dem Daumen auf den Mann neben sich. Als wollte er Serge Gnabry sagen: Dieser Applaus gebührt dir.

Aus gesamtdeutscher Sicht mag der dreifache Torschütze der Mann des Tages gewesen sein, aus Berliner Perspektive war Stark die Erfolgsgeschichte des Tages. Im zehnten Anlauf war der Hertha-Verteidiger nach endlosen, teils kuriosen Verletzungsgeschichten endlich zum 106. Debütanten in der Ära von Joachim Löw geworden. In der 65. Minute war Maskenmann Stark beim Stand von 4:1 eingewechselt worden.

Stark gewinnt 100 % seiner Zweikämpfe

„Ich habe lange drauf gewartet, und jetzt ist es endlich so gekommen, dass ich mein erstes Spiel gemacht habe. Ich bin überglücklich“, sagte Stark. „Dass wir auch noch gutes Spiel gemacht und gewonnnen haben, macht es umso schöner.“

In den verbleibenden 25 Minuten gab der Herthaner gestenreich den Abwehrchef. Dazu war der Mann mit der Nummer 17 präsent im Zweikampf, er gewann alle seine Duelle. Seine Passquote lag bei 92 % Prozent (20 von 22 Anspiele erreichten den Mitspieler).

Nach dem Abpfiff legte Stark die Maske für die Ehrenrunde ab. Seine Nase ist nach dem Bruch aus dem Leipzig-Spiel samt anschließender Operation noch etwas geschwollen.

Stark 106. Debütant der Ära Löw

Es war die letzte Blessur in einer langen Serie von unglücklichen Umständen, die zunächst verhindert hatten, dass Stark der 29. Hertha-Nationalspieler wird. Schon im März gegen Serbien (1:1) hatte er auf der Bank gesessen. Die weitere Geschichte ist bekannt: Der Magen-Darm-Infekt, der das Debüt gegen Argentinien verhindert hatte, die Schnittwunde unterhalb des Knies, die er sich in der Nacht vor der Partie gegen Estland zugezogen hatte.

Nun also, im zehnten Versuch, hat es geklappt: Stark war der sechste Debütant des Länderspieljahres 2019. „Glücklich über mein Debüt“, postete der Verteidiger danach bei Instagram.

Dabei war immer klar, dass der Einstand im DFB-Trikot nur ein Zwischenschritt sein würde. So wurde der Herthaner gefragt, wie er seine Chancen sieht auf ein Ticket zur EM 2020. „Muss ich die Frage jetzt echt zum dritten Mal beantworten?“ fragte Stark zurück. Ja, so sei das als Nationalspieler.

Sonntag geht es für Hertha nach Augsburg

„Okay, dann weiß ich jetzt Bescheid“, sagte Stark. „Es ist noch eine Weile hin, da kann noch viel passieren. Ich werde natürlich alles dafür tun. Es wäre ein großer Traum, eine große Ehre, dabei zu sein, deswegen will ich das irgendwie möglich machen.“

Der Weg zur EM wird nur über gute Leistungen im Verein führen. Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge kann Hertha einen motivierten Nationalspieler gut vertragen. Auf den Hauptstadt-Klub warten in der Bundesliga mit den Partien beim FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr) und daheim gegen Borussia Dortmund (30. November) anspruchsvolle Aufgaben. „Ich gehe mit einem guten Gefühl hier raus“, sagte Stark, „endlich habe ich mal paar Minuten auf dieser Ebene gespielt. Das hilft in der Entwicklung. Ich bin froh, dass es geklappt hat.“

Die Lage in der Innenverteidigung der DFB-Elf ist nach wie vor unübersichtlich. Ob der designierte Abwehrchef Niklas Süle (Kreuzbandriss) rechtzeitig fit wird, weiß niemand. Jerome Boateng und Mats Hummels hat der Bundestrainer aussortiert. Also bewerben sich Matthias Ginter, Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Robin Koch und eben Stark um die EM-Fahrkarten. Das Kandidaten-Casting geht also weiter.