KOLUMNE IMMER HERTHA

Ignoriert, kaum eingesetzt oder verletzt

Nicht erst seit Niklas Stark haben Profis von Hertha BSC einen schweren Stand bei der deutschen Nationalelf

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.) im Duell mit dem Leipziger Yussuf Poulsen.

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.) im Duell mit dem Leipziger Yussuf Poulsen.

Foto: Foto: Gora / dpa

Beginnen wir mit einer Denksport­aufgabe: Was haben Helmut Faeder, Volkmar Groß, Willi Kirsei, Uwe Kliemann, Emil Krause, Ernst Müller und Arno­ Steffenhagen gemeinsam? Allererste Voraussetzung zur Lösung des Rätsels ist natürlich, dass man die Herren Faeder, Groß, Kirsei, Kliemann, Krause, Müller und Steffenhagen kennt, was zugegeben etwas knifflig ist. All die Herren trugen einst das Trikot von Hertha BSC und wurden während dieser Zeit Nationalspieler. So darf sich jeder nennen, der mindestens einen Augenblick in einem Spiel für Deutschland auf dem Platz stand. Viel mehr als ein Augenblick war es dann bei Faeder, Groß, Kirsei, Kliemann, Krause, Müller und Steffenhagen tatsächlich nicht: Jeder von ihnen kommt auf exakt ein Länderspiel.

Auf Malik Fathi und Tom Gelhaar, die jeweils zwei Einsätze vorzuweisen haben, soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Stark hofft weiter auf sein Debüt

Die Geschichte von Hertha BSC und seinen Nationalspielern ist keine, die lang erzählt werden könnte. Dafür fehlt es an Stoff. Die meisten reisten an und reisten ab, ohne dass jemand groß Notiz von ihnen genommen hätte. Vor diesem Hintergrund ist Niklas Stark beinahe schon ein Veteran, so oft wie er an- und abgereist ist. Herthas Verteidiger ist zum fünften Mal dabei, und obwohl er bisher ohne Einsatz blieb, lässt sich nun wirklich nicht behaupten, dass er nicht aufgefallen wäre. Im Gegenteil. Mittlerweile kennt die ganze Fußball-Nation den Herthaner, den ewig Verhinderten. Erst wurde Stark von Trainer Joachim Löw nicht berücksichtigt. Dann machte sich ein Magen-Darm-Infekt breit und als der abgeklungen war, schnitt sich Stark sein Schienbein an einer Tischkante auf. Aber schlimmer geht immer, selbst für Stark. Dieser Tage gibt er im Kreise der Nationalspieler den Axel Schulz, mit dicker Nase und blutunterlaufenen Augen. Ein Nasenbeinbruch, zugezogen im letzten Bundesligaspiel vor der Abfahrt zur Nationalmannschaft.

Wie sollte es anders sein. Dass Stark trotzdem spielen will gegen Weißrussland und Nordirland, spricht für ihn, aber wer weiß, was (ihm) in den kommenden Tagen noch alles passiert. Wer ein wenig dem Aberglauben oder anderen Kulten zugetan ist, könnte glauben, der Stark ist verhext. Oder zumindest das Trikot, das er im Alltag trägt. Wie gesagt, die Geschichte von Hertha BSC und seinen Nationalspielern ist keine rühmliche. Letzter Berliner im DFB-Dress war Marvin Plattenhardt, der wohl am meisten ignorierte Nationalspieler aller Zeiten. Bei der WM in Russland wurde Plattenhardt im ersten Spiel gegen Mexiko zwar aufgestellt, kam aber kaum an den Ball. Was daran lag, dass die Kollegen ihn einfach nicht mitspielen lassen wollten. Wie den Jungen mit den zwei linken Beinen, der beim Schulsport immer als Letzter gewählt wird. Die WM war ein Desaster, nicht etwa wegen Plattenhardt, aber eingeladen wurde der linke Verteidiger von Hertha BSC fortan nicht mehr.

Plattenhardt zur falschen Zeit am falschen Ort

Plattenhardt war zur falschen Zeit am falschen Ort, wie so oft, wenn Herthaner versuchten, bei der Auswahl Fuß zu fassen. Selbst die, die länger als ein Länderspiel bleiben durften, hatten oft Pech. Erich Beer schoss neben vielen Toren für Hertha auch sieben für Deutschland aber in Erinnerung blieb nur sein letzter Auftritt im weißen Trikot. Der Gegner hieß Österreich, Spielort war Cordoba, das Ergebnis … lassen wir das. Oder Michael Preetz. Der wurde spät Nationalspieler, im Alter von 31 Jahren. Seine sieben Einsätze fallen in die Sakko-Ära von Erich Ribbeck und Uli Stielike, gemeinhin als die erfolgloseste Epoche der Nationalmannschaft bekannt.

Erfolgreich war eigentlich nur einer. Arne Friedrich bestritt während seiner Zeit bei Hertha zwischen 2002 und 2010 79 Länderspiele, bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 sowie der Europameisterschaft 2008 war er dabei. Alles Turniere, an die sich Fans gern erinnern. Friedrich war eine Art Vorzeige-Herthaner, strahlend auch über die Stadtgrenzen hinaus. Am liebsten und besten spielte er als Innenverteidiger. Auf der gleichen Position also wie Niklas Stark.