Bundesliga

Gnadenfrist für Ante Covic bis Weihnachten

Unruhige Mitgliederversammlung bei Hertha BSC: Manager Michael Preetz nimmt Trainer Ante Covic in die Pflicht

Unter Druck: Hertha-Trainer Ante Covic (r.) beim 2:4 gegen RB Leipzig im Olympiastadion.

Unter Druck: Hertha-Trainer Ante Covic (r.) beim 2:4 gegen RB Leipzig im Olympiastadion.

Foto: Foto: City-Press

Berlin. Die Verantwortlichen von Hertha BSC waren der Meinung, einige gute Nachrichten mitgebracht zu haben. Etwa die 225 Millionen Euro, die Investor Lars Windhorst in zwei Tranchen im Juni und in der vergangenen Woche beim Fußball-Bundesligisten investiert hat. Wegen des gelungenen Managements dieser Transaktionen wurde der Vertrag mit Finanzchef Ingo Schiller verlängert. Doch den großen Applaus gab es bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC stets dann, wenn es kritische Fragen oder Anmerkungen gab.

So klatschten in der Messehalle unterm Funkturm viele der 1368 stimmberechtigten Mitglieder lautstark, als Moderator Axel Kruse Manager Michael Preetz zur Derbyleistung befragte – Hertha hatte beim 1. FC Union 0:1 verloren: „Sportlich war das nichts.“ Preetz räumte unumwunden ein: „Wir waren nicht auf dem Platz. Es war das mit Abstand schlechteste Saisonspiel. Wir haben zurecht verloren, weil wir keinen Zugang gefunden haben, mit der Drucksituation im Derby umzugehen.“

Gegenbauer entschuldigt sich bei Zingler

Neben den sportlichem Rückschlag war auch das Auftreten einiger Chaoten im Hertha-Block beim Auswärtsspiel in der Alten Försterei Thema. Während des gesamten Spiels waren Raketen aus dem Gästeblock aufs Spielfeld und auf die Nachbartribünen geschossen worden. „Beim Derby haben wir eine Riesenchance verpasst“, sagte Präsident Werner Gegenbauer. „Weil einige Vermummte mit Raketen uns geschadet haben. Das ist nicht zu rechtfertigen. Das ist kriminell.“ Gegenbauer forderte Solidarität aller ein, um solche Leute aus den Fanblöcken zu vertreiben. Weiter sagte der Präsident, er habe am Tag nach dem Derby mit seinem Amtskollegen bei Union gesprochen: „Natürlich habe ich mit Dirk Zingler telefoniert und mich für diese Raketen entschuldigt.“

Überhaupt sorgte die sportliche Situation für Unruhe. Nach dem 2:4 gegen Leipzig steht Hertha als Zwölfter nur zwei Zähler vor der Abstiegszone. „Elf Punkte nach elf Runden, damit sind wir nicht zufrieden“, sagte Manager Preetz. „Wir können mehr, wir wollen mehr. Das müssen wir in den nächsten Wochen auch zeigen.“ Viel Applaus im Auditorium gab es für ein Mitglied, das fragte, ob Hertha nicht einen anderen Trainer als Ante Covic brauche.

Covic: „Die Rückendeckung tut extrem gut“

Preetz, der im Mai mit der Entscheidung für Covic, den ehemaligen U23-Trainer, überrascht hatte, sagte: „Wir haben im Sommer eine Entscheidung aus Überzeugung getroffen. Wir haben nach wie vor die Überzeugung an diesen Trainer. Wir wollen den Weg auch in schwierigen Zeiten mit ihm gehen.“

Der Manager stützt den Coach. Was naturgemäß bei Ante Covic gut ankam, der erstmals eine Profimannschaft trainiert. „Wenn du Neuling in der Liga bist, tut in der Situation so eine Rückendeckung vom Manager extrem gut.“

Covic sollte die Worte seines Vorgesetzten allerdings nicht als Freifahrtschein verstehen. Preetz sagte auch: „Es muss sich was tun: Wir müssen punkten. Das muss jetzt unmittelbar passieren.“

In anderen Worten: Covic, dessen Vertrag bis Saisonende läuft, ist Hertha-Trainer auf Bewährung. In den sechs Spielen bis Weihnachten sollte Hertha einen ordentlichen Puffer zur Abstiegszone schaffen. Was mit Blick auf die Gegner ein ehrgeiziges Vorhaben ist: Es geht gegen Augsburg, Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Gladbach.

Manager Preetz erntet Kritik

Bei der Beschreibung des Leipzig-Spiels wurde Preetz immer wieder unterbrochen von Zwischenrufen der Mitglieder: „Wo warst du denn?“ Oder: „Welches Spiel hast Du gesehen?“ In der Aussprache merkte ein Mitglied an: „Mein Eindruck ist, dass die Vereinsführung nicht erkennt, dass wir an der Tür zum Abstiegskampf angeklopft haben. Für mich ist Ante Covic eine Fehlbesetzung.“ Ein weibliches Mitglied kritisierte Preetz: „Ich finde, Sie reden sich die sportliche Situation zu schön. Ich sehe keine Entwicklung in der Mannschaft. Das Trainerteam ist verantwortlich, wenn die Einstellung gegen Union nicht stimmt. Bevor wir in die USA fliegen, sollten wir erstmal Berlin und Deutschland für Hertha begeistern.“

Manager Preetz verteidigte sich – und zeigte indirekt an, wie lange die Jobgarantie für den Trainer gilt: „Ich rede die sportliche Situation nicht schön. Wir reden über den Zeitraum bis zur Winterpause. Wir wollen in der Länderspiel-Pause arbeiten, um dann durchzustarten in Augsburg.“

Aufsichtsratschef Klein: Erfolg braucht Geld

Präsident Gegenbauer warb intensiv um Verständnis für den Einstieg von Investor Windhorst. Den Eindruck, Hertha sei nicht vollständig Herr im eigenen Haus, nachdem man 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha-Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) verkauft habe, wollte Gegenbauer entgegenwirken mit der Begründung: „Die Unabhängigkeit von Hertha ist größer als je. Wir sind nicht Spielball, sondern Treiber dieser Entwicklung.“ Was der Präsident meint: Hertha hofft, durch die verbesserten finanziellen Bedingungen zu den Top-Sechs Klubs der Bundesliga aufschließen zu können. Aber natürlich muss Hertha dem Investor ein Mitspracherecht einräumen: Windhorst besetzt über seine Holding Tennor im neunköpfigen Aufsichtsrat der KGaA vier Plätze – einen davon übernimmt der ehemalige DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann.

„Die Aufnahme eines großen Investors ist eine Richtungsentscheidung“, sagte Torsten-Jörn Klein, Chef des Hertha-Aufsichtsrates. „Die Entscheidung ist: Wir wollen erfolgreich sein. Um erfolgreich zu sein, braucht es Geld. Dieses Geld ist jetzt da. Jetzt liegt es an uns.“