Bundesliga

Herthas 2:4 gegen Leipzig befeuert Trainerdiskussion

Hertha BSC verliert 2:4 gegen RB Leipzig und rutscht in der Tabelle auf Rang 12 ab. Mittelstädts Führungstreffer reicht nicht.

Fassungslosigkeit bei den Herthanern Dedryck Boyata (2.v.l) und Karim Rekik (3.v.l) nach der Niederlage gegen Leipzig.

Fassungslosigkeit bei den Herthanern Dedryck Boyata (2.v.l) und Karim Rekik (3.v.l) nach der Niederlage gegen Leipzig.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Nein, sie versteckten sich nicht, die Profis von Hertha BSC. Anfänglich wahrten die Spieler einen Sicherheitsabstand zu den lautstark pfeifenden Fans der Ostkurve. Dann ging Vedad Ibisevic voran und stellte sich direkt an der Bande den unzufriedenen Anhängern. Nichts war geworden aus dem Vorhaben, sich für die peinliche Derby-Pleite gegen Union zu rehabilitieren. Stattdessen kassierte Hertha BSC gegen RB Leipzig eine 2:4-Heimniederlage und rutschte hinter den Lokalrivalen (3:2 in Mainz) auf Rang zwölf ab.

Statt die hochfliegenden Pläne von Investor Lars Windhorst zu bedienen, der die Berliner so rasch wie möglich zu einem Champions-League-Klub machen will, sieht die Realität so aus: Hertha steht nach elf Runden mit elf Punkten nur noch zwei Zähler vor der Abstiegszone. Auch wenn Windhorst und Jürgen Klinsmann, der für den Investor in den Hertha-Aufsichtsrat der KGaA eingezogen ist, auf der Tribüne des Olympiastadions saßen: Statt sich mit Träumen vom internationalen Geschäft zu beschäftigen, ist für Hertha Kampf um den Klassenerhalt angesagt.

Hertha-Coach Covic bekommt die Gelbe Karte

Nach dem vierten Treffer der Gäste – Timo Werner erzielte das 1:4 (90.) – gab es erstmals in der Ostkurve „Covic raus“-Rufe zu hören. Sowohl der Trainer als auch Manager Michael Preetz, der Ante Covic im Sommer als Chefcoach installiert hatte, stehen vor einer unruhigen Mitgliederversammlung von Hertha an diesem Sonntag (11 Uhr, Messehalle unterm Funkturm).

Die Emotionen gingen hoch bei dem Prestigeduell. Hertha kassierte im vierten Heimspiel gegen RB die vierte deutliche Niederlage. Trainer Covic regte sich mehrfach auf, wurde vom unsicher leitenden Schiedsrichter Sören Storks mit Gelb verwarnt.

Der Hertha-Coach erlebte einen frustrierenden Nachmittag. Zunächst schien sein Matchplan aufzugehen. Die Hausherren agierten aus einer verstärkten Defensive mit Dreier-Abwehrkette. Die wenigen Konter waren aber brandgefährlich. Maximilian Mittelstädt nutzte eine Gelegenheit zu einem spektakulären 22-Meter-Schuss, der unten links einschlug – 1:0 (32.).

Große Unzufriedenheit mit dem Videoassistenten

Doch ein umstrittener Handelfmeter, den der Schiedsrichter nach einem Hinweis aus Köln und dem Studium der Bilder verhängte, brachte Leipzig zurück ins Spiel. Karim Rekik hatte im Strafraum den Ball aus Nahdistanz an die Hand bekommen. Timo Werner verwandelte vom Punkt, 1:1 (38.). „Wenn der Ball aus so kurzer Distanz kommt, was soll ich machen“, sagte Rekik. „Für mich ist das niemals Elfer.“

Dann hatten die Hausherren Pech. Rekik fälschte einen Schuss von Marcel Sabitzer ab, Torwart Rune Jarstein war in die linke Ecke unterwegs, der Ball schlug rechts ein, 1:2 (45.). „Wir sind glücklich zurückgekommen“, räumte RB-Trainer Julian Nagelsmann ein.

Nach der Pause nahm die Intensität zu. Hertha hatte zwar kaum Chancen, forderte aber vehement einen Elfmeter, als Niklas Stark im Leipziger 16er den Ellenbogen von Gegenspieler Konrad Laimer ins Gesicht bekam. Herthas Abwehrchef blutete stark, musste mit Verdacht auf Nasenbeinbruch ausgewechselt werden (74.). Der Verdacht bestätigte sich auch. Unverständlich, dass der Videoassistent aus Köln bei dieser Szene nicht eingriff. Mittelstädt war bedient: „Karim bekommt den Ball aus kurzer Distanz an die Hand und es gibt Elfer. Niklas wird fast die Nase gebrochen und es wird nicht mal nachgeschaut. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Herthas schlechtester Start seit der Abstiegssaison 2012/13

An der Seite hinterlegten sowohl Manager Preetz als auch Covic mehrfach ihre Sicht der Dinge beim vierten Offiziellen Marcel Unger. Nach einigen Minuten informierte der den Schiedsrichter, der Covic die Gelbe Karte zeigte. „Wenn der Schiedsrichter sich die erste Szene anschaut, erwarte ich, dass er sich die zweite Szene zumindest anschaut“, sagte Covic. „Der Schiedsrichter sagte: Niki ist in den Ellenbogen reingelaufen.“

Auch wenn nun Ibisevic und Davie Selke eingewechselt wurden und die Berliner sich mühten, so spielten sie sich doch keine zwingenden Chancen heraus. Stattdessen konterte Leipzig. Kevin Kampl erzielte den dritten RB-Treffer (86.), Werner den vierten (90.). Selke konnte sich über sein erstes Saisontor zum 2:4 nicht mehr freuen (90.+2).

In der Ostkurve gab es „Covic raus“-Rufe. Seine Bilanz nach elf Spieltagen lautet drei Siege, zwei Unentschieden, sechs Niederlagen. Mit dem schlechtesten Saisonstart seit der Abstiegssaison 2012/13 hat sich Hertha eine Trainer-Diskussion eingebrockt. Das Programm bis Weihnachten: Augsburg (auswärts), Dortmund (heim), Frankfurt (a), Freiburg (h), Leverkusen (a), Mönchengladbach (h).