Bundesliga

Hertha vor dem Duell mit Leipzig: Sturmwarnung für Westend

Hertha empfängt mit RB Leipzig das derzeit angriffslustigste Team der Liga. Wie die Berliner der Mannschaft der Stunde trotzen wollen.

Das bislang letzte Duell mit Leipzig im Olympiastadion verlor Hertha um Torwart Rune Jarstein (l.) mit 0:3. RB-Stürmer Timo Werner (Nummer 11) traf doppelt.

Das bislang letzte Duell mit Leipzig im Olympiastadion verlor Hertha um Torwart Rune Jarstein (l.) mit 0:3. RB-Stürmer Timo Werner (Nummer 11) traf doppelt.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance/dpa

Berlin. Am 9. November wird Festtagsstimmung herrschen, in ganz Berlin und speziell bei Hertha BSC. Im Heimspiel am Sonnabend gegen Rasenballsport Leipzig (15.30 Uhr, Olympiastadion) werden die Blau-Weißen zum 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum in weißen Sondertrikots spielen und ein Stück Original-Mauer ausstellen.

Ansonsten gibt es aus Hertha-Sicht wenig Gründe, sich auf das Spiel zu freuen: Gegen keinen anderen Bundesligisten ist die Bilanz derart negativ. In sechs Spielen gegen Leipzig gab es bei einem Torverhältnis von 6:22 nur einen Sieg und fünf Niederlagen, darunter ein 0:5, 2:6 und 1:4.

Ausgerechnet gegen diesen Angstgegner will Hertha-Trainer Ante Covic nach der Derby-Niederlage beim 1. FC Union „wieder in die Spur finden“, sein Team soll sein „wahres Gesicht“ zeigen. Eher allgemeine Aussagen, doch wie will Hertha gegen die Mannschaft der Stunde konkret bestehen? Wie die derzeit gefährlichste Offensive des Landes in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken?

RB-Stürmer Werner traf schon sechs Mal gegen die Berliner

Nach drei Siegen in drei Wettbewerben – einem 6:1 im Pokal in Wolfsburg, einem 8:0 daheim gegen Mainz und einem 2:0 in St. Petersburg – sagte Trainer Julian Nagelsmann mit Blick auf das Spiel in Berlin: „Wir sind auf einer ganz guten Welle und die müssen wir versuchen, weiterzusurfen.“ Dabei soll auch Torjäger Timo Werner, der mit Adduktorenproblemen in Russland erst nach einer Stunde von der Bank kam, wieder von Anfang an dabei sein. Eine schlechte Nachricht für Hertha: Der Nationalspieler hat in sechs Partien gegen die Berliner sechs Tore erzielt.

„Leipzig ist ein ganz anderer Gegner als Union zuletzt“, sagt Mittelfeldspieler Eduard Löwen, der für den angeschlagenen Per Skjelbred in die Mannschaft rücken könnte. „Die letzten Spiele waren sie überragend, da wird es wichtig sein, die richtige Einstellung parat zu haben.“

Eine bessere Mentalität als im Derby wird allein kaum reichen. Schwachstellen sind im Leipziger Ensemble kaum zu erkennen. Nach Jahren des Umschaltfußballs unter Ralf Rangnick hat der neue Trainer Nagelsmann, aus Hoffenheim gekommen, auch Ballbesitzfußball etabliert. In St. Petersburg dominierten die Gäste das Spiel mit Passstafetten, die so in der Vergangenheit nicht zu sehen waren. Mittlerweile greift Rasenballsport variabel an: über die Mitte, über Außen, mit Fernschüssen auch.

Lange Diagonalbälle als Chance

Eine Chance für Hertha, glauben Experten, könnten jedoch die Schwächen sein, die RB offenbarte, als zwischenzeitlich in sechs Pflichtspielen nur ein Sieg gelang und die Tabellenführung in der Bundesliga verloren ging.

Machen nicht alle Leipziger mit beim riskanten Pressing, ergeben sich Räume, wenn lange Diagonal-Bälle hinter die hoch stehende Abwehr gespielt werden. Klingt prädestiniert für schnelle Konter-Spieler wie Dodi Lukebakio, Marius Wolf oder Javairo Dilrosun.

Zusätzlich muss konzentriert und kompakt verteidigt werden, um möglichst lange ein 0:0 zu halten und gegen einen möglicherweise müden Gegner eine der wenigen Torchancen effizient zu nutzen.

Doch das war zuletzt das Problem bei den Berlinern, die bisher oft die erste Hälfte verschliefen (und schon sieben Mal vor der Pause das 0:1 kassierten), bis taktische Korrekturen von Covic Besserung brachten. So wird es schwer am Sonnabend, nicht mit drei Bundesliga-Niederlagen in Folge in die Länderspielpause zu gehen. Vielleicht ist das aber genau die Chance am Sonnabend: dass derzeit keiner mit Hertha rechnet.