Bundesliga

Der Löwen-Anteil bei Hertha wird größer

Sieben-Millionen-Euro-Zugang Eduard Löwen spielt bei Hertha bislang keine große Rolle. Nach seinem Derby-Auftritt soll sich das ändern.

Eduard Löwen kommt bei Hertha bislang erst auf 88 Einsatzminuten.

Eduard Löwen kommt bei Hertha bislang erst auf 88 Einsatzminuten.

Foto: Bild-Pressehaus / picture alliance / bild pressehaus

Berlin. Die Übung war nicht einfach. Maximal zwei Ballkontakte nacheinander waren jedem Fußballer von Hertha BSC im Trainingsspiel erlaubt. Eduard Löwen schaffte es mit Null. Der Mittelfeldspieler absolvierte zwei schnelle Drehungen um den Ball herum, ohne ihn zu berühren, bis er ihn weiterleitete.

Es gibt derzeit nicht viele Profis bei Hertha BSC, die derart glänzen können. Bei der 0:1-Derbyniederlage gegen den 1. FC Union fehlte vor allem eines: spielerische Leichtigkeit. Nur ein Blau-Weißer konnte am Wochenende für sich werben: Löwen, der zur Halbzeit ins Spiel gekommen war. Auch wenn der 22-Jährige dem Match keine entscheidende Wendung mehr gab, versuchte er wenigstens mal etwas, wie bei einem Freistoß, der über das Tor ging. „Edu hatte einen mutigen, unbekümmerten Auftritt“, lobte sein Trainer Ante Covic danach. „Er hat permanent versucht, Fäden in die Hand zu nehmen und was zu reißen.“

Das konnten nicht viele Hertha-Profis von sich behaupten, wofür sie sich einige Kritik anhören mussten. Am Dienstag, zum Trainingsauftakt vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig am Sonnabend (15.30 Uhr), erlebte Covic seine Mannschaft „sehr eifrig“, wie er hinterher sagte. „Vor allem die Spieler, die vorher hintendran waren, drücken nun richtig ab.“

Mittelfeld-Routinier Skjelbred droht auszufallen

Das traf auf Eduard Löwen in jedem Fall zu. Der defensive Mittelfeldmann glänzte trotz seiner massigen Physis von 1,88 Meter und 90 Kilogramm mit leichtfüßiger Spielfreude. Einmal hob er den Ball über einen Gegenspieler und tunnelte danach den nächsten.

Im Sommer war der U21-Nationalspieler für sieben Millionen Euro vom Absteiger 1. FC Nürnberg gekommen, nach Dodi Lukebakio (20 Millionen Euro) der zweitteuerste Transfer. Gespielt hat der Defensiv-Allrounder, der in Nürnberg vom Abräumer vor der Abwehr bis zum Rechtsverteidiger in fast jeder Rolle zu finden war, wenig bei Hertha. Nach elf Pflichtspielen standen für Löwen nur 43 Minuten Einsatzzeit zu Buche, auch weil er zuletzt wegen einer Knieverletzung gefehlt hatte.

Dann rutschte Löwen im Derby in den Kader und in der Halbzeit für den angeschlagenen Per Skjelbred in die Mannschaft. Dennoch denkt er zwei Tage später mit gemischten Gefühlen zurück. „Ich glaube, dass ich ein gutes Spiel gemacht und mich empfohlen habe, auch wenn mir Spielpraxis fehlt“, sagt Löwen, der sein letztes Spiel von Beginn an vor einem halben Jahr absolvierte, „aber wenn man ein Derby verliert, kann man sich nicht so drüber freuen.“

Extralob von Trainer Covic

Löwen hatte zuvor schon keine leichte Zeit. Erst stieg er mit Nürnberg ab, dann spielte er bei der U21-EM keine Minute. „Es ist natürlich schlimm, auf der Bank zu sitzen, weil ich sehr ehrgeizig bin und hart trainiere“, sagt er. Das war schon immer so. Der Deutschrusse, dessen Eltern 1995 aus Sibirien einwanderten, macht seit seinem zwölften Lebensjahr Kraftsport, angeleitet von seinem Vater, einem Ex-Soldaten. Trinkt keinen Alkohol, betet täglich. In schweren Zeiten hilft ihm sein Glaube. „Ich liebe Fußball, aber letztlich spiele ich zu Gottes Ehren. Es hilft, die Dinge nicht zu extrem zu sehen, nicht hochmütig zu werden, nicht zu negativ.“

In Berlin rechnete sich das umworbene Talent dennoch mehr Spielpraxis aus, Trainer und Manager hätten ihn unbedingt gewollt, sagte er bei seiner Vorstellung. Covic lobte früh nach einem Testspiel: „Seine große Stärke ist, dass er auch als gedeckter Spieler Bälle fordert. Man sieht, was für ein Koffer er ist, wie er Leute abschüttelt.“ Eigenschaften, die auch nach der Einwechslung im Derby zu sehen waren. Ebenso wie Löwens Schwäche, sich etwas zu spät vom Ball zu trennen. „Der Trainer hat mir nicht unbedingt Punkte genannt, warum ich nicht gespielt habe“, sagt er, aber er hofft auf weitere Einsätze, „natürlich im zentralen Mittelfeld, als Sechser oder Achter, wo ich viele Freiheiten habe.“

Löwen: „Dürfen uns nicht verstecken“

Dort könnte Hertha jemanden gebrauchen, der die Spielkontrolle an sich reißt. In der Zentrale wirkt Marko Grujic damit in dieser Saison zum Teil überfordert, Skjelbreds Einsatz ist wegen muskulärer Probleme am Wochenende offen.

Eine Chance also für Löwen, der weiß, welche Eigenschaften gegen Leipzig gefragt sein werden: „Wir brauchen eine andere Einstellung. Wir haben uns zu sehr an Union orientiert, waren ängstlich, haben sie das Spiel machen lassen. Gegen Leipzig wird es wichtig sein, in jeden Zweikampf zu gehen und sich nicht zu verstecken.“ Also eine Mischung aus Physis und Spielfreude. Klingt, als könnte sich Löwens Anteil am Hertha-Spiel bald erhöhen.