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Hertha-Präsident Gegenbauer: „Wir sollten nicht zündeln“

Bei „Hertha im Dialog“ stand neben den Pyro-Vorfällen vom Wochenende die Stadion-Debatte im Vordergrund. Mit teils kruden Ausfällen.

Präsident Werner Gegenbauer sprach ein Machtwort.

Präsident Werner Gegenbauer sprach ein Machtwort.

Foto: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Berlin. Am Montagabend brannten keine Pyrofackeln, es flogen auch keine Leuchtraketen. Die gut 100 Fans von Hertha BSC, die zu der Diskussionsveranstaltung „Hertha im Dialog“ wie in den vergangenen Jahren üblich im Bistro „Greens“ neben der Geschäftsstelle erschienen waren, gehören zum gesitteten Teil der Anhängerschaft. Und nicht zu den Chaoten, die das Derby beim 1. FC Union mit Eskalationen auf den Rängen überschattet hatten.

Dennoch sprach Werner Gegenbauer am Ende ein Machtwort. „Wir sollten nicht zündeln“, sagte der Hertha-Präsident auf dem Podium. Es ging da bei „Hertha im Dialog“ aber gerade nicht um die Pyro-Attacken im Stadtduell am vergangenen Wochenende.

Sondern um die Stadiondebatte und die sich im Saal entzündenden Angriffe auf den Berliner Senat. „Ich finde es Wahnsinn, dass die Sichtachse von einem Nazibau schützenswert ist“, war Moderator Axel Kruse entfahren. Er meinte einen möglichen Bau-Standort auf dem Maifeld vor dem Olympiastadion, der wie das ganze Olympiagelände unter Denkmalschutz steht.

Ein Hertha-Fan bringt Niko Kovac als Trainer ins Spiel

Die Diskussionen um einen Stadion-Neubau ab 2025 sind bei Hertha eben immer gut, um von anderen, dringenden Problemen abzulenken. Somit könnte auch die am Sonntag stattfindende Mitgliederversammlung wieder an den Haupt-Kritikpunkten im Verein vorbeiführen.

Dabei gab es auch besorgte Nachfragen der anwesenden Anhängerschaft: zur 0:1-Niederlage im Stadtduell, der ausbleibenden sportlichen Weiterentwicklung des Bundesliga-Elften und über die schlimmen Bilder, die vom Derby zurückbleiben werden.

„Ich finde es peinlich, wie sich ein Teil der Fanszene benommen hat“, sagte ein Nachfrager am Mikrofon, der dafür Applaus aus dem Publikum bekam, „ich hoffe, dass die Täter lebenslanges Stadionverbot bis zur Kreisklasse kriegen!“

Aber es gab auch sportliche Kritik am aktuellen Trainer. „Bei allem Respekt für Ante Covic, aber man sollte zur neuen Saison über Niko Kovac nachdenken“, sagte ein Mann am Mikrofon und erhielt lauten Beifall. Leider schob er nach: „Muss aber nicht beantwortet werden, nur mal zum Nachdenken.“

Moderator Axel Kruse kann charmant parlieren

Es wäre zu interessant gewesen, wie sich Präsident Gegenbauer und Manager Michael Preetz zu ihrem derzeitigen Übungsleiter geäußert hätten. Und zu dem soeben bei Bayern München geschassten Coach aus Berlin. Aber wie so oft bei „Hertha im Dialog“ machten die meisten Fans ihrem Unmut einfach nur Luft, ohne ihn als Frage zu formulieren.

Oder ihre kritischen Nachfragen wurden von Moderator Kruse beantwortet. Der ehemalige Kult-Spieler kann eloquent und charmant parlieren, trägt aber auch keinerlei Verantwortung im Verein. Dabei wurde die Veranstaltung einst ins Leben gerufen, um vor der Mitgliederversammlung Dampf vom Kessel zu lassen, und tadelnde Nachfragen vorab aus dem Weg zu räumen.

Mittlerweile ist „Hertha im Dialog“ eher ein gemütliches Miteinander bei Knackern und Kartoffelsalat.

Kritik der Hertha-Fans an Verteilung der Union-Tickets

Dabei hatte Hertha Stunden zuvor bekanntgegeben, das Geschäftsjahr 2018/19 mit einem Verlust von 26 Millionen Euro abgeschlossen zu haben. Allerdings ist die dreistellige Millionen-Euro-Spritze des neuen Investors dabei nicht eingerechnet. Details will Finanzchef Ingo Schiller zur Mitgliederversammlung am Sonntag bekanntgeben.

Aber fünf von acht Nachfragen während der anderthalbstündigen Veranstaltung gingen mit den Verantwortlichen ins Gericht. Auf die Frage, wie so viele der 2400 Gästetickets beim Union-Spiel bei Randalierern landen konnten, sagte Finanzchef Schiller: Da die Tickets nicht personalisiert seien, ließe sich nicht nachvollziehen, ob die Karten weitergereicht worden seien.

Präsident Gegenbauer betonte, man setze den Dialog „mit den mutmaßlich Verantwortlichen“ aus der Fanszene fort. Davon ungerührt sagte ein Hertha-Anhänger mit tränenerstickter Stimme, dass sein Enkel nach zehn Jahren nicht mehr ins Stadion gehe nach den Pyro-Vorfällen gegen Dresden und bei Union.

Krude Theorien des Hertha-Stadionmanagers Teichert

Während aller Kritik zur fehlenden Einstellung der Hertha-Profis im Derby fasste sich Manager Preetz öfter an die eigene Nase. Allerdings eher als Übersprungshandlung. Denn meist beantwortete Moderator Kruse die Fragen für ihn. „Möglich, dass zu viel Druck und Verkrampfung auf den Spielern lagen“, sagte Preetz selbst, „das werden wir gründlich analysieren.“

Stadion-Manager Klaus Teichert führte zudem noch einmal aus, was alles gegen den Stadion-Standort Tegel spreche, dass es aber weitere Arbeitstreffen mit dem Senat gebe und verstieg sich dann in krude Theorien, ob das Maifeld als ehemalige Aufmarschfläche für Nationalsozialisten erhaltenswert sei.

Möglich, dass solche Nebelkerzen auch am Sonntag auf der Mitgliederversammlung die Fans von den aktuellen Problemen ablenkt. Möglich aber auch, dass über das schwere Spiel am Vortag gegen Leipzig diskutiert werden muss.