Bundesliga

Hertha BSC nach dem Derby – Was tun, wenn’s brennt?

Hertha bleibt im Derby gegen Union erneut hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Trainer Ante Covic findet derzeit keine Lösungen.

Herthas Profis um Vedad Ibisevic (2.v.l.) und Lukas Klünter (r.) blieben beim 1. FC Union einen leidenschaftlichen Derby-Kampf schuldig.

Herthas Profis um Vedad Ibisevic (2.v.l.) und Lukas Klünter (r.) blieben beim 1. FC Union einen leidenschaftlichen Derby-Kampf schuldig.

Foto: Kai Wen¡¤fugete via www.imago-images.de / imago images/Xinhua

Berlin.  Die ganze Seltsamkeit dieses Berliner Stadtderbys zeigte sich in einer Szene: Die Fußballer von Hertha BSC, die gerade 0:1 beim Rivalen 1. FC Union verloren hatten, gingen wie üblich nach dem Spiel zu ihren Fans in der Gästekurve. Eine knappe Minute standen sie regungslos da, hörten sich Beschimpfungen für ihre maue Leistung an, aber applaudierten ihren Anhängern im Gegenzug auch nicht für ihre Unterstützung. Denn der harte Fan-Kern hatte der Mannschaft mit seinen Pyro-Attacken aus dem Block einen Bärendienst erwiesen.

Nicht nur, dass nach dem ersten Gesamt-Berliner Bundesliga-Derby wenig über Sport und viel über die Eskalation auf den Rängen diskutiert wurde. Die Leuchtfeuergeschosse aus dem blau-weißen Block zogen auch eine fünfminütige Pause nach sich, durch die Herthas Fußballer aus dem Tritt gerieten, als sie gerade leicht verbessert aus der Kabine gekommen waren.

Ähnlich schwer, wie sich die Hertha-Verantwortlichen hinterher mit der Aufarbeitung der Fanexzesse taten, schien auch die sportliche Analyse zu fallen. Mittelfeldspieler Marius Wolf sagte, er habe das Gefühl, nicht alle hätten alles gegeben. Trainer Ante Covic wirkte nach Abpfiff kreidebleich, als er sein erklärtes Saisonziel, beide Derbys zu gewinnen, bereits verfehlt hatte.

Covic: „Wir haben zu wenig Fußball gespielt“

Am Einsatz des Coaches hatte es nicht gelegen. Wer hinter ihm saß, sah, wie er 90 (mit pyrobedingter Nachspielzeit sogar 100) Minuten anfeuerte, meckerte und mitlitt. Eher könnte es an seinen taktischen Umstellungen gelegen haben, weder im 4-4-2 vor der Pause noch im 3-5-2 nach dem Seitenwechsel kam Hertha zu wirklich zwingenden Torgelegenheiten. Weil Selbiges auch für die Unioner galt, sah es lange nach einem 0:0 aus, das in dieser Höhe auch verdient gewesen wäre. Dennoch wirkten die Gastgeber aus Köpenick williger, griffiger, zielstrebiger als der Favorit aus Westend. Damit kann beim Tabellenelften Hertha, den Abstiegsrängen punktemäßig mittlerweile näher als den Europapokalplätzen, eigentlich niemand zufrieden sein.

Das war auch Ante Covic nicht, wenngleich er tags darauf erholter aussah. Er sei „gestern sehr geknickt“ gewesen – „beschissen, wenn man so ein Stadtderby verliert“. Dennoch habe er bereits alles mit der Mannschaft analysiert. Der Trainer bemängelte, dass „wir zu wenig Fußball gespielt haben. Wir hätten gegen Unions Manndeckung Leute in Eins-gegen-eins-Duelle bekommen müssen.“ Und dröselte die Fehlerkette vor dem Gegentor auf, die zum folgerichtigen Elfmeter für Union führte.

Defensive Aussetzer bleiben einzige Konstante

So nachvollziehbar die Ausführungen auch klangen: Eine Antwort auf die Frage, warum keine echte Weiterentwicklung zu erkennen ist, gaben sie nicht. Warum Hertha im bisher wichtigsten Spiel der Saison einem Aufsteiger nicht das eigene Spiel aufzwingen kann, sondern umgekehrt. Warum gegen Dynamo Dresden, den Vorletzten der Zweiten Liga, erst das Elfmeterschießen das Weiterkommen ins Pokal-Achtelfinale sicherte. Und warum zuvor gegen Hoffenheim drei dumme Gegentore zu einer 2:3-Heimpleite führten. Die einzige Konstante im achterbahnartigen Saisonverlauf sind bisher die defensiven Aussetzer.

Dabei hatte Manager Michael Preetz im Sommer Pal Dardai fortgeschickt, weil er unter Covic mehr Potenzial für Fortschritt sah. Nun steht die Mannschaft mit elf Punkten aus zehn Spielen schlechter da als in den vier Jahren zuvor unter dem Ungarn. Dennoch spricht Covic davon, dass er „einen richtigen guten Aufwärtstrend“ erkenne, es sei „klar, dass du irgendwann mal einen Rückschlag bekommst, leider ist er gestern gekommen“.

Angespannte Stimmung vor Mitgliederversammlung

Es wird interessant zu sehen sein, ob das die Fans auf der Mitgliederversammlung am kommenden Sonntag und bei Hertha im Dialog an diesem Montag ähnlich sehen. Oder ob das Gefühl dominiert, für den mit neuem Investor und Europokalhoffnungen in die Saison gestarteten „Big City Club“ in spe müsse mehr möglich sein. Fest steht: Zumindest bei der Bewertung des Hinspiel um die Stadtmeisterschaft wird es keine zwei Meinungen geben.

Und jetzt? Müsse man eben „die Punkte in Spielen holen, wo keiner damit rechnet, wie am Sonnabend“, sagte Covic trotzig. Dort geht es gegen Leipzig, die 14 Tore in den letzten beiden Pflichtspielen erzielt haben. Die Bilanz gegen Rasenballsport spricht am Mauerfalltag auch nicht unbedingt für Hertha: ein Sieg, fünf Niederlagen, 6:22 Tore.