Nach dem Derby

Wie bekommen die Fans ihre Fackeln ins Stadion?

Pyro-Geschosse, massive Rauchentwicklung, Spielunterbrechung: Das Hauptstadt-Derby wurde vor allem vom Fehlverhalten der Fans geprägt.

Das Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union musste wegen Pyro-Feuerwerken unterbrochen werden.

Das Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union musste wegen Pyro-Feuerwerken unterbrochen werden.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Bei Ausschreitungen im Rahmen des Berlin-Derbys der Fußball-Bundesliga zwischen Aufsteiger Union und Hertha BSC (1:0) sind am Samstagabend drei Personen verletzt worden. Ein Union-Fan sowie ein Zivilbeamter kamen durch aus dem Gästeblock abgefeuerte Pyro-Geschosse zu Schaden. Ein weiterer Beamter wurde im Zuge polizeilicher Maßnahmen leicht verletzt, verblieb jedoch im Dienst.

Die Polizei leitete im Rahmen des ersten Bundesliga-Duells beider Klubs insgesamt 25 Strafermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Nach dem Spiel kam es zu vier Freiheitsentziehungen.

Die Fan-Lager beider Vereine hatten zu Beginn der zweiten Halbzeit im großen Stil gezündelt. Wirklich überraschend kamen diese Feuerwerke nicht, auch bei den prestigeträchtigen Derbys zwischen Borussia Dortmund und Schalke oder dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli kommt es regelmäßig zu Pyro-Eklats.

Umso mehr stellt sich die Frage, wie die Fan-Lager es trotz Kontrollen immer wieder schaffen, derart große Mengen an Fackeln, Böllern und anderweitigen Materialien ins Stadion zu schmuggeln. Ein Einblick in die Praxis der Ultras.

Schmuggeln

Weil die Intimbereiche von Fans durch Ordner und Sicherheitskräfte nur bedingt abgetastet werden, werden Pyro-Materialien oder Banner-Bestandteil zum Teil im Schritt oder in BHs versteckt. Ein gangbarer Weg. Oft genug wird das Antasten eher oberflächlich vorgenommen – gerade dann, wenn der Anpfiff näher rückt und der Druck an den Einlass-Schleusen steigt.

Drängeln

Ein beliebter Trick ist das Drängeln im Pulk am Einlass. Gruppierungen tauchen geschlossen auf und machen es damit unmöglich, dass die Ordner jede einzelne Person kontrollieren können.

Verstecken

Ein ebenfalls gängiges Prozedere ist das Verstecken im oder am Stadion. Mitunter verschaffen sich Ultras schon Tage vor Anpfiff Zugang zum Stadion und deponieren ihr Material vorab.

Mittelsmänner

Nicht jeder, der Zugang zum Stadion bekommt, wird auch kontrolliert. Eine Lücke, die Ultras zu nutzen wissen, etwa über Freunde bei Caterern oder Sicherheitsfirmen. Dass dort Ultras oder Ultra-Sympathisanten arbeiten, kann kaum verhindert werden.

Teamarbeit

Nicht besonders kreativ, aber effizient: ein Wurf über den Zaun. Von außen werden die Materialien über die Absperrung vor dem Stadion geworfen und im Inneren von einem Komplizen entgegengenommen, der zuvor die Kontrollen passiert hat.

DFB leitet Ermittlungsverfahren ein

Welche Folgen Hertha und Union nun blühen? Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird Anfang der kommenden Woche ein Ermittlungsverfahren gegen beide Klubs einleiten.

„Wir werden am Anfang der Woche vom DFB aufgefordert werden, Stellungnahmen abzugeben“, erklärte Hertha-Pressesprecher Marcus Jung am Sonntag: „Dann beginnt die Analyse durch Kamerasysteme, die Einzeltäter werden ermittelt. In einigen Wochen kommt dann der Strafbefehl.“

In einer Stellungnahme des Vereins hieß es:

Hertha distanziert sich von den Fans

„Hertha BSC verurteilt und distanziert sich von den nicht akzeptablen Grenzüberschreitungen, die das Derby zwischen den Blau-Weißen und dem 1. FC Union Berlin überschattet haben .Wir hatten uns alle lange auf ein schönes Fußballfest in Berlin gefreut, doch leider wurde das Derby von unschönen Szenen überschattet. Kleine Gruppen aus beiden Fanlagern haben sich nicht akzeptable Grenzüberschreitungen geleistet, die wir als Hertha BSC streng verurteilen und von denen wir uns in aller Form distanzieren möchten.“

Nun wolle man den Dialog mit der aktiven Fanszene nutzen, um diese Vorfälle aufzuarbeiten und Lösungsansätze zu diskutieren, um solche Vergehen einzudämmen.