Bundesliga

Ante Covic: „Dodi liefert relativ gute Argumente“

Im Konkurrenzkampf bei Hertha BSC zeigt Dodi Lukebakio seinem Trainer, warum er sich nicht als Joker sieht, sondern als Startelf-Spieler

Partystimmung bei Hertha: Trainer Ante Covic, Torschütze Dodi Lukebakio, Karim Rekik, Maximilian Mittelstädt und Kapitän Vedad Ibisevic (v.l.).

Partystimmung bei Hertha: Trainer Ante Covic, Torschütze Dodi Lukebakio, Karim Rekik, Maximilian Mittelstädt und Kapitän Vedad Ibisevic (v.l.).

Foto: Foto: Jaspersen / dpa

Berlin. Der Mann bei Hertha BSC, der den besten Blick auf das Geschehen hat, wusste, bei wem er sich bedanken wollte: „Dodi ist gut reingekommen und hat ein super Tor gemacht“, sagte Rune Jarstein, Torwart des Berliner Fußball-Bundes­ligisten über die Schlüsselszene im Weserstadion­ in Bremen­.

Die Rede war von Dodi Lukebakio. Der Belgier, nach knapp einer Stunde Spielzeit eingewechselt, hatte mit einem kurzen, aber spektakulären Antritt vorbei an drei Werder-Verteidigern samt einem sehenswerten Flachschuss gegen den rechten Innenpfosten, von dort sauste der Ball ins Netz, den 1:1-Endstand für Hertha fix gemacht. Ein Resultat, das wichtig war für das Seelenleben­ der Berliner.

1:1 in Bremen war so wichtig wie die Siege zuvor

Zum einem erhielt die Mannschaft damit den Lauf am Leben: Der Hauptstadt-Klub ist seit nun vier Spielen ungeschlagen, holte in dieser Zeit zehn von zwölf möglichen Punkten. Für das Selbstwertgefühl war das Remis genauso wertvoll wie die Siege zuvor gegen die Keller­kinder der Liga (Paderborn/2:1, Köln/4:0, Düsseldorf/3:1). Doch im Bremen ging es gegen einen Gegner, der sich ähnlich wie Hertha in Richtung Europa orientiert. Im Tollhaus Weserstadion lieferten sich beide Mannschaften zwar keinen hochklassigen, aber einen intensiven Schlagabtausch. Fazit: Hertha hielt Stand.

Trotz der emotionalen, aufgeheizten Atmosphäre gewannen die Gäste erstaunliche 66 Prozent der Zweikämpfe. Und Trainer Ante Covic lobte am Tag danach nicht nur die Unterstützung der 2500 Hertha-Anhänger, sondern auch die Kulisse insgesamt. Er nutzte die Dienstreise nach Bremen für ein Plädoyer in eigener Sache – bekanntlich bemüht sich Hertha seit zweieinhalb Jahren (bisher vergebens) um ein Grundstück für eine eigene Fußball-Arena: „Diese Kulisse von 41.000, das ist anders, leider Gottes, als bei uns“, sagte Covic, seit Juli als Trainer der Hertha-Profis im Amt. „Ja, ich bin ein Neuling: Aber ich fahre nach Hause und wünsche mir, dass wir in Berlin auch so ein ähnliches Stadion­ bekommen. Weil: Das bringt pro Jahr sechs Punkte.“

Jarstein lobt Lukebakio

Diesmal waren die Berliner mit einem Zähler vollauf zufrieden. „Weil es ein verdienter Punkt war“, sagte Trainer Covic. Neben dem starken Torwart Jarstein war es vor allem Lukebakio, der für Aufsehen sorgte. „Wir haben eine sehr, sehr gute besetzte Bank“, sagte Covic.

Beim Auswärtssieg in Köln war es der damals eingewechselte Vedad Ibisevic, der mit einem Doppelpack für die Entscheidung gesorgt hatte. Diesmal bescherte­ Lukebakio Hertha immerhin einen Zähler.

„Ich bin froh, dass ich meinen Teamkameraden helfen konnte“, sagte Lukebakio. Verbal mag der Belgier, im Sommer für 20 Millionen Euro Ablöse vom FC Watford gekommen, sich nicht in den Vordergrund spielen. Aber die Botschaft hinter dem Auftritt ist für die Kollegen nicht schwer zu entziffern. Torwart Jarstein sagte: „Wir haben einen großen Kader mit viel Konkurrenzkampf. Dodi ist reingekommen und hat gezeigt, dass er in der Startelf stehen möchte. Das ist doch sehr gut.“

Offensiv sind die Berliner stark besetzt wie nie

In der Tat ist Hertha in der Offensive in der mittlerweile zehnjährigen Amtszeit von Manager Michael Preetz wohl noch nie so gut besetzt gewesen wie im Moment: In der Startelf durften Vedad Ibisevic und der niederländische Nationalspieler Javairo Dilrosun ran. Davie Selke, der sich mit einer guten Saison für die Nationalmannschaft empfehlen will, wurde nach 76 Minuten eingewechselt. Salomon Kalou­, Champions-League-Sieger von 2012 und mit 47 Toren immerhin Nummer fünf in der Rangliste von Herthas Bundesliga-Torjägern, kam gar nicht zum Einsatz.

„Alle, die bei uns sind, dürfen sich Chancen­ auf Einsatzzeiten ausrechnen“, sagte Covic. Der Trainer wiederholte sein Credo, kein Spieler bekäme Spielzeit geschenkt. Wer bei Hertha angestellt ist, wisse, dass er nicht „beim Roten­ Kreuz“ sei. Die Moderation vor allem­ für jene, die nicht erste Wahl sind, ist für jeden­ Trainer eine ebenso wichtige­ wie heikle Aufgabe.

Samstag kommt Hoffenheim

Doch Covic räumte ein, dass es im Falle des Rekordeinkaufes vom Sommer mittlerweile schwierig sei, ihm einen Bankplatz plausibel zu machen. Was wünscht sich ein Trainer von Reservisten: dass sie neuen Schwung bringen. Lukebakio liefert. Am sechsten Spieltag bereitete er nach seiner Einwechselung in Köln das 4:0 durch Boyata vor. Am siebten Spieltag legte der Stürmer nach seiner Einwechslung gegen Düsseldorf für Vladimir Darida zu dessen 3:1 auf. In Bremen traf Lukebakio mit seinem zweiten Saisontor nun selbst. Die Ausbeute aus drei Spielen: zwei Assists, ein Treffer. Covic schmunzelte: „Ja, Dodi liefert im Moment relativ gute Argumente im Werben­ um mehr Spielzeit.“

Lukebakio wird im Heimspiel am Samstag gegen die TSG Hoffenheim also wohl in der Startelf stehen (15.30 Uhr, Olympiastadion). Die Profis wollen das Momentum der vergangenen Wochen gern verlängern. Lukebakio sagte: „Wir haben jetzt ein Heimspiel, da wollen wir drei Punkte.“