BUNDESLIGA

Lukebakio macht Hertha froh

Der 20-Millionen-Stürmer von Hertha BSC beschert den Berlinern einen Punkt beim umkämpften 1:1 bei Werder Bremen

Präzisionsarbeit: Werder-Torwart Jiri Pavlenka (r.) kann den Schuss von Herthas Dodi Lukebakio (nicht im Bild) nicht parieren.

Präzisionsarbeit: Werder-Torwart Jiri Pavlenka (r.) kann den Schuss von Herthas Dodi Lukebakio (nicht im Bild) nicht parieren.

Foto: Foto: Ottmar Winter

Bremen . Herthas Mann des Tages hatte keine Lust auf Rampenlicht. „Ich wollte der Mannschaft helfen und das ist mir Gott sei Dank gelungen“, sagte Torschütze Dodi Lukebakio nach dem verdienten 1:1 (0:1) bei Werder Bremen. Kein Strahlen und kein Lächeln, stattdessen nur ein nüchtern-bescheidenes Statement mit leiser Stimme. „Der Trainer hat mir vor meiner Einwechslung gesagt, dass ich zeigen soll, was ich kann“, erzählte Herthas Rekordeinkauf. Das hatte der Belgier dann getan. Und wie.

Im Weserstadion lief bereits die 70. Minute, als der Ball im linken Halbfeld zu Lukebakio gelangte. Eigentlich keine aussichtsreiche Position, doch der Belgier witterte seine Chance und setzte zu einem spektakulären Solo an. Der Angreifer nahm es mit gleich drei Bremer Gegenspielern auf, schlug einen Haken nach dem nächsten und zog schließlich aus 14 Metern ab. Sein Schuss prallte vom rechten Innenpfosten ins Netz – der 1:1-Ausgleich, der zu diesem Zeitpunkt fast aus dem Nichts fiel (70.).

Zweites Saisontor für Lukebakio

Lukebakios zweites Saisontor zeigte, warum Hertha im Sommer 20 Millionen Euro für den Belgier investiert hatte. Weil er nicht nur vollstrecken kann, sondern Tore kreiert – und so an guten Tagen den Unterschied macht. Seine Teamkollegen gerieten ins Schwärmen. „Das war super im Eins-gegen-eins und auch ein Superschuss“, sagte Spielmacher Vladimir Darida: „Gut für ihn und auch für die Mannschaft, wir brauchen diese Hilfe von der Bank.“ Sechser Per Skjelbred war ebenfalls voll des Lobes: „Wenn er mit seiner Schnelligkeit und Technik von der Bank kommt und der Gegner müde ist, weißt Du, dass etwas Gutes passiert“, sagte der Norweger: „Sein Tor sah dann fast ein bisschen nach Zirkus aus.“

Tatsächlich ragte Lukebakios Kunststück heraus, aber auch sonst wurde in Bremen viel Unterhaltsames geboten. „Das war ein spannendes Spiel“, sagte Hertha-Coach Ante Covic, „beide Mannschaften waren sehr offensiv.“ Den besseren Start hatten dabei allerdings die Bremer erwischt. Schon nach sieben Minuten kam Maxi Eggestein von der rechten Seite vorbei an Maximilian Mittelstädt zum Flanken und fand in Zentrum Josh Sargent. Der 19 Jahre alte Stürmer zog aus 15 Metern schnörkellos ab. Hertha-Verteidiger Dedryck Boyata versuchte zwar, den Schuss noch zu blocken und fälschte ihn dadurch entscheidend ab – 0:1 (7.).

Ibisevic hadert mit nicht gegebenem Elfmeter

Das Glück, dass den Bremern in dieser Szene zur Seite stand, ging den Berlinern vier Minuten später ab. Nach einem Steilpass von Marius Wolf stürmte Vedad Ibisevic allein auf Werder-Keeper Jiri Pavlenka zu und kam im direkten Duell im Strafraum zu Fall (11.). Der Bosnier forderte vehement Elfmeter, doch die Pfeife von Schiedsrichter Felix Brych blieb stumm, genauso wie das Funksignal des Videoassistenten. Eine mehr als strittige Entscheidung, für Ibisevic gar eine unerträgliche. Der Hertha-Kapitän zürnte fuchsteufelswild, beschwerte sich gestenreich und redete auf Linienrichter Mark Borsch ein, als das Spiel längst wieder Fahrt aufgenommen hatte. „Wenn es kein Elfmeter war, dann war es eine Schwalbe“, sagte Ibisevic, „dann müssen sie mir Gelb geben.“ Skjelbred hatte nur eine Erklärung – den zweifelhaften Ruf seines Kapitäns bei den Unparteiischen. „Wäre es nicht Vedo gewesen, hätte es Elfmeter gegeben.“

Covic war bemüht, die Diskussion zu entschärfen. „So etwas gleicht sich im Lauf einer Saison aus“, sagte der Hertha-Coach. „Wichtiger war die Reaktion der Mannschaft.“ Jene habe keinen Schuldigen gesucht, sondern sich in die Partie gebissen.

Torwart Jarstein rettet mehrfach gegen Rashica

Tatsächlich waren beide Teams mit hoher Intensität und hohem Tempo zu Werke gegangen, ließen sich auf Schlagabtausch-Fußball ein. Hertha fehlte dabei jedoch häufiger die nötige Präzision, nicht nur bei den Fernschüssen von Maximilian Mittelstädt (16.), Vladimir Darida (26.) und Marko Grujic (30.). Dennoch: Die Berliner machten kein schlechtes Spiel, allerdings schien Werder meist einen Schritt schneller und dem 2:0 näher als die Gäste dem Ausgleich. Allein Milot Rashica hatte drei hochkarätige Chancen (27., 62., 64.), scheiterte aber am starken Hertha-Keeper Rune Jarstein. Stattdessen gelang das zweite Tor des Tages vor 41.447 Zuschauern Lukebakio.

„Das“, sagte ein am Ende zufriedener Ibisevic mit Blick auf das nächste Heimspiel am Sonnabend gegen Hoffenheim, „war wichtig für die Moral.“