Immer Hertha

Verletzungsgefahr für Fußballer lauert selbst beim Tanken

Die kuriose Verletzung von Herthas Niklas Stark zeigt, wie vorsichtig Profis sein müssen. Der Berliner ist jedenfalls kein Einzelfall.

Fußball verletzen sich nicht nur auf dem Platz - die Gefahr lauert auch im Alltag, weiß Sebastian Stier.

Fußball verletzen sich nicht nur auf dem Platz - die Gefahr lauert auch im Alltag, weiß Sebastian Stier.

Foto: dpa/BM

Heute morgen habe ich mein Auto getankt und es dabei gehalten wie immer. Ich habe die Handbremse angezogen, den Tankschlauch genommen, mich in einem Meter Abstand zum Auto gestellt, breitbeinig, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt. Das ist immer etwas unbequem, aber notwendig, um den Diesel sorgenfrei hineinlaufen lassen zu können. Ich weiß, Schande über mein Haupt wegen der alten Abgasschleuder, aber damit ich mir ein klimafreundliches Elektrogefährt leisten kann, werde ich noch ein paar Kolumnen schreiben müssen. Doch zurück zum Tankvorgang.

Nun, da er abgeschlossen ist, kann ich mit Freude berichten: Es geht mir gut. Ist doch nichts Besonderes, denken Sie jetzt. Ha, von wegen, weit gefehlt! Fragen Sie mal Ever Banega. Der Argentinier fuhr während seiner Zeit beim FC Valencia mit seiner Luxuskarosse an die Zapfsäule, vergaß aber all die Schritte, die ich eingangs erwähnte. Also Handbremse, Abstand zum Auto und so weiter. Banega tankte, dabei kam das Auto irgendwie ins Rollen, was den Mittelfeldspieler zu dem fatalen Versuch veranlasste, sein Mobil mit dem Fuß stoppen zu wollen.

Ein Auto ist kein Fußball, hätte man ihm zurufen wollen, aber zu spät. Statt anzuhalten, rollte das Gefährt über Banegas wertvollen Fuß, der unerhörterweise prompt brach. Sechs Monate Pause und eine Apfelsinenkiste voll Spott waren dem Fußballer in der Orangenhochburg Valencia sicher.

Hertha-Verteidiger Stark verletzte sich beim Toilettengang

Die Geschichte ist dieser Tage wieder gegenwärtiger, nachdem sich Hertha-Verteidiger Niklas Stark nachts beim Gang auf die Toilette an einer Tischkante so sehr verletzte, dass er für die Partie in Bremen auszufallen droht. Kleiner Trost: Stark ist nicht allein. Mit Fußballern und ihren kuriosen Verletzungen ließe sich die Kolumne bis Weihnachten füllen. Man denke nur an Franz Michelberger, der sich in den Siebzigern beim FC Bayern versuchte und im Trainingslager in Israel von einem Kamel gegen den Teambus geschubst wurde. Die Folge: Knieschaden.

Mir hat Starks Pipi-Pleite vor Augen geführt, wie blöd es manchmal laufen kann. Vorsicht ist geboten, in allen Lebenslagen. Und so habe ich gleich nachdem ich unversehrt von der Tankstelle zurückkam, meine Auto-Antenne abgeschraubt. Sicher ist sicher, nicht dass es mir noch ergeht wie dem früheren Wolfsburger Charles Akonnor, der sich mal die Antenne in die Nase rammte und die Blutung mit einem Mittel stoppte, das unglücklicherweise auf der Dopingliste stand. Ein Berufsverbot, wie es Akonnor ereilte, käme für mich gerade zur Unzeit, allein schon wegen des Elektroautos, für das ich spare.

Aftershave? Rasierwasser? Viel zu gefährlich!

Ich will da keine Risiken eingehen und habe gleich noch meinen Badezimmerschrank ausgeräumt. Aftershave, Parfüm, Rasierwasser, alles muss raus. Spaniens Nationalkeeper Santiago Canizares riss sich vor der WM 2002 die Achillessehne, als er versuchte, eine herunterfallende Parfümflasche mit dem Fuß aufzufangen. Seinen Platz nahm ein junger Torwart namens Iker Casillas ein, der Rest ist Geschichte. Casillas wurde Welt-und Europameister, Canizares Fernsehexperte.

Nein, Niklas Stark ist nicht allein. Einige seiner Kollegen waren weitaus schlimmer dran. Darius Vassel wollte eine harmlose Blutblase unter seinem Zehennagel mit der Bohrmaschine entfernen. Dumm nur, dass sich der englischen Angreifer nicht wie beabsichtigt den Nagel durchbohrte, sondern gleich den ganzen Zeh.

Auch am Arbeitsplatz will ich mich in Zukunft schützen. Ab jetzt werde ich die Redaktion nur noch mit einem Motorradhelm und heruntergeklapptem Visier betreten. Nur für den Fall, dass irgendjemand auf die Idee kommt, zum Geburtstag oder zur Verkündung einer freudigen Nachricht die Sektkorken knallen zu lassen. Der Stürmer-Legende Jari Litmanen hat der eigene Sportdirektor mit solch einem Geschoss mal die Netzhaut demoliert. Später verletzte sich der Finne, als er mit einem Milchglas in der Hand die Treppe herunter fiel. Gut, dass ich Milch zum Missfallen meiner Frau immer aus der Packung trinke.