Bundesliga

Hertha zu Gast in Bremen: Bloß nicht wieder ausrutschen

Wie im Vorjahr reist Hertha mit einer Erfolgsserie nach Bremen. Damit das Hoch anhält, müssen die Berliner Fehler von damals vermeiden.

Vor gut einem Jahr verloren Karim Rekik (l.) und Thomas Kraft (r.) in Bremen mit 1:3.

Vor gut einem Jahr verloren Karim Rekik (l.) und Thomas Kraft (r.) in Bremen mit 1:3.

Foto: Nph / Kokenge / picture alliance / nordphoto

Berlin. Es gab Zeiten, da ist Hertha BSC mit richtig guten Gefühlen zum SV Werder nach Bremen gereist. Vor etwas über einem Jahr etwa, im September 2018. Die Berliner hatten gerade Mönchengladbach 4:2 geschlagen und hüpften vor der Ostkurve auf und ab. „Spitzenreiter!“, sangen die Fans, als die Mannschaft nach zehn Punkten aus vier Spielen kurzzeitig die Tabellenführung der Fußball-Bundesliga übernommen hatte. Dann kam der fünfte Spieltag in Bremen …

Ein Jahr später möchte keiner mehr so richtig daran denken. Hertha-Verteidiger Karim Rekik hat Mühe, sich an das 1:3 damals zu erinnern. „Wir hatten einen guten Lauf letzte Saison und haben dort verloren, aber das bedeutet nichts“, sagt der Niederländer. Wenn die Berliner am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) erneut in Bremen antreten, soll das jedenfalls nicht hemmen. „Es sind neue 90 Minuten, alles kann passieren“, sagt Rekik. „Man spielt nie das gleiche Spiel zehn Mal. Du musst jedes Wochenende neu spielen.“

Da hat er recht. Doch die Ausgangslage ist ähnlich. In einer frühen Phase der Saison reist Hertha ins Weserstadion, Pardon, mittlerweile: Wohninvest-Weserstadion. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Namens immer noch eine Arena mit den Attributen steil, nah, laut, in der sich die Berliner auswärts selten wohl gefühlt haben. Und wieder reisen die Blau-Weißen mit einem Hochgefühl an.

Letzter Sieg in Bremen liegt 13 Jahre zurück

„Wir wollen unsere Siegesserie natürlich am liebsten ausbauen, den vierten Dreier in Folge landen“, sagt Trainer Ante Covic. „Aber wir wissen auch, dass es in Bremen bei dieser heißen Atmosphäre nicht einfach wird.“ Werder könnte, obwohl von Verletzungsproblemen geplagt und derzeit mit eher biederem Fußball auf Rang elf unterwegs, erneut zum Stolperstein werden, auch wenn die Berliner einen Platz davor rangieren.

Vielleicht hilft also doch ein Blick zurück in die Vergangenheit. Denn Hertha war im September 2018 schon das, was man heute gern wäre: ein angesagter Bundesligist, der für seinen attraktiven Offensivfußball gelobt wird. Pal Dardai war im Sport1-„Doppelpass“ eingeladen, die „Spaßmacher der Liga“ („Kicker“) waren gefragt. Wegen des zelebrierten Offensiv-Fußballs fühlte sich der Ungar auf der Trainerbank sogar zurückerinnert an die 2000er-Jahre, als Marcelinho oder Yildiray Bastürk beim Anhang für Verzückung sorgten – und Hertha nebenbei bemerkt zum bislang letzten Sieg an der Weser schossen (3:1 im März 2006).

Vor einem Jahr sorgte ein gewisser Javairo Dilrosun für Furore, bevor eine Muskelverletzung den Niederländer monatelang stoppte. Doch das war nicht der Grund für den plötzlichen Dämpfer in Bremen. Hinterher konstatierte Dardai, der Aggressivität, Frische und Mut vermisste, man habe „sich selbst geschlagen“. Womöglich hatte er jedoch einen Teil zur Niederlage beigetragen.

Beflügelt von den Anfangserfolgen sah der Trainer die Zeit gekommen, ein Experiment zu wagen und berief seinen Sohn Palko überraschend in die Anfangsformation. Salomon Kalou musste dafür auf die Bank. Der damals 19 Jahre junge Startelf-Debütant war sichtlich überfordert mit der Rolle auf Rechtsaußen und wurde nach einer Stunde durch Auswechslung erlöst. Dardai senior hatte durch den überraschenden Wechsel womöglich auch eine gewisse Beliebigkeit gegenüber der Mannschaft signalisiert.

Skjelbred und Dilrosun zurück im Teamtraining

Das nächste Spiel gewann Hertha damals zwar gegen Bayern München 2:0, der befreite Fußball des Saisonbeginns kehrte aber nicht mehr zurück. Am Ende stand die Trennung von Dardai als Chefcoach.

Sein Nachfolger Ante Covic dürfte in Bremen auf Experimente verzichten. Er hat eine stabile Stammformation gefunden, ironischerweise im alten Dardai-System 4-2-3-1. Unwahrscheinlich, dass der 44-Jährige nun davon abrückt und riskiert, den guten Lauf dadurch abzuwürgen.

Allzu viel Anlass zum Umbauen gibt es jedenfalls nicht. Am Mittwoch trainierten die angeschlagenen Per Skjelbred und Dilrosun ebenso wie die zurückgekehrten Nationalspieler wieder mit der Mannschaft. Einzig der Einsatz von Niklas Stark, der sich bei der Nationalelf verletzt hatte, scheint unwahrscheinlich.

Für Hertha steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel. Auf das Heimspiel gegen Hoffenheim folgt die Pokalpartie gegen Dynamo Dresden und das Derby beim 1. FC Union. Um zu bestehen, wird es Eingespieltheit brauchen – und ein intaktes Selbstvertrauen, das sich die Berliner diesmal auch in Bremen bewahren wollen.