Immer Hertha

Die Kunst des klugen Geldausgebens

Mit dem Geld von Lars Windhorst dürfte sich bei Hertha einiges verändern, beobachtet Sebastian Stier.

Trainer Ante Covic

Trainer Ante Covic

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Vielleicht sind diese Zeilen längst schon überholt, wenn Sie sie lesen. Womöglich hat Ante Covic in der Zwischenzeit schon beim FC Bayern unterschrieben, Herthas Investor Lars Windhorst hat einen neuen Statthalter installiert (Dieter Hoeneß) und Michael Preetz stürmt wieder im Hertha-Dress an der Seite von Vedad Ibisevic.

Gut, zugegeben, die Wahrscheinlichkeit, dass all das innerhalb weniger Stunden passiert, ist in etwa so hoch wie die, dass der frühere Bundesliga-Manager Reiner Calmund ab sofort auf vegane Ernährung schwört.

Ante Covic gilt plötzlich als Kandidat für den Trainer des Jahres

Was ich aber sagen will: Die Welt des Profifußballs dreht sich mit astronomischer Geschwindigkeit. Gerade einmal vier Wochen ist es her, da galt Herthas Trainer Ante Covic als aussichtsreichster Kandidat für die erste Entlassung der laufenden Spielzeit. Seitdem hat er dreimal in Folge gewonnen, bei einem Torverhältnis von 9:2. Statt vorzeitiger Demission gilt er nun als Kandidat für die Auszeichnung zum Trainer des Jahres.

Oder nehmen wir Lukas Klünter. Der kam nach seinem Wechsel aus Köln in Berlin in der vergangenen Saison nicht auf die Beine, wurde als Fehleinkauf und Leichtathlet in Fußballschuhen verspottet. Inzwischen hat er sich als Außenverteidiger auf der rechten Seite etabliert, ist seit Wochen Herthas konstantester Spieler und könnte sich irgendwann einmal in die Riege jener einreihen, die Hertha für einen schmalen Taler (zwei Millionen Euro) geholt und für einen Sack voll Gold wieder abgegeben hat. Klünter würde dann rückblickend nicht mehr als Fehleinkauf, sondern als sehr kluges Investment gelten.

Geld ausgeben gehört zu den schwierigsten Dingen

Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Dem Investieren. Geld ausgeben gehört zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Jedenfalls dann, wenn man es klug anstellen will.

Hertha stand finanziell gesehen eine Zeit lang in der Suppenküche der Bundesliga an, nun putzt man sich nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst für feinere Restaurants heraus. 125 Millionen Euro sind bereits geflossen, in naher Zukunft sollen noch einmal 100 Millionen Euro folgen.

Dem Vernehmen nach ist diese zweite Tranche vor allem für die sportliche Verbesserung der Mannschaft vorgesehen. Dann dürfte sich bei Hertha einiges verändern. Spieler wie Klünter aus dem Discount-Bereich der Bundesliga wären für die Berliner plötzlich um einiges uninteressanter. Das Zeitfenster, das der Klub seinen Fußballern momentan zur Entwicklung einräumt, würde wohl kleiner werden. Alles würde sich beschleunigen.

Windhorsts Getöse so unpassend wie ein Rülpser in der Oper

Nur hat Hertha BSC als Klub eine gewisse Geschichte mit dem Umgang von Geld und dem damit verbundenen Versuch, sportlich in die Canapé-Gesellschaft aufzusteigen. Unter den Verfehlungen der Dieter-Hoeneß-Ära ächzte der Klub lange, aus dieser Phase resultierte aber auch die aktuelle Ausrichtung, die auf der Ausbildung und Entwicklung von eigenen Talenten und anderswo verkannten Spielern basiert. Eine Ausrichtung, die Hertha zwar keine internationale Strahlkraft, aber bundesweit Respekt und einen seriösen Ruf eingebracht hat.

Lars Windhorsts Getöse vom „Big City Club“, von Champions League und nationaler Spitze war daher so unpassend wie ein Rülpser in der Oper. Wer Ambitionen hegt und künftig in besseren Kreisen verkehren möchte, der ist mit klassischer Zurückhaltung immer noch gut beraten.

Eine „bestechende wirtschaftliche Logik“ stehe dahinter, „die sich auf Dauer erheblich auszahlen wird“, sagte Windhorst der „Bild am Sonntag“ zu seinem Engagement bei Hertha BSC. Man möchte ihm zurufen, dass Fußball keine Mathematik und auch kein Wirtschaftszweig ist wie etwa die Immobilienbranche. Auf der anderen Seite sieht man am Beispiel der Red-Bull-Vereine in Leipzig oder Salzburg, was sich mit dem klugen Einsatz von Geld alles bewirken lässt. Auf Herthas Management kommen anspruchsvolle Zeiten zu. Weit schwieriger, als das Entdecken von verkannten Talenten wie Lukas Klünter.