Kommentar

Niklas Stark macht Mut

Stark wird von seinem DFB-Debüt profitieren – genau wie Hertha. Aber: Spieler und Klub müssen sich weiterentwickeln, meint Jörn Lange

Herthas Niklas Stark (2.v.r.) beim Nationalmannschaftstraining mit Bayern-Star Serge Gnabry (2.v.l.).

Herthas Niklas Stark (2.v.r.) beim Nationalmannschaftstraining mit Bayern-Star Serge Gnabry (2.v.l.).

Foto: picture alliance / GES/Edith Geuppert/Montage BM

Langsam aber sicher durfte man sich Sorgen machen. Dreimal war Hertha-Profi Niklas Stark von Bundestrainer Joachim Löw zum Nationalteam eingeladen worden, kam aber in sechs Spielen keine Sekunde zum Einsatz. Seit Dienstag ist jedoch offiziell: Der DFB-Coach wird Stark am Mittwoch (20.45 Uhr, RTL) zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft verhelfen.

Dass Löw auf den Berliner setzt, ist kein Zufall, allerdings brauchte der 24 Jahre alte Innenverteidiger einen langen Atem. Nicht nur, seitdem er von Löw erstmals eingeladen wurde, sondern auch bei Hertha. Dort aber verfolgten die Verantwortlichen seit seiner Verpflichtung im August 2015 einen klaren Plan. Manager Michael Preetz und Ex-Coach Pal Dardai sahen im gebürtigen Franken enormes Potenzial – genau wie der heutige Hertha-Coach Ante Covic.

Preetz, Dardai und Covic als systematische Förderer

Der Prozess und die Entwicklung standen in der Beziehung Hertha/Stark stets im Vordergrund. Fehler und Schwächephasen wurden ihm verziehen, der U21-Europameister von 2017 erhielt stattdessen Vertrauen, Rückhalt und – am wichtigsten – Spielzeit. Dass Manager Preetz im Januar 2018 den Abwehr-Routinier Sebastian Langkamp nach Bremen verkaufte, war nur eines von vielen stärkenden Signalen, das sagte: Niklas, wir glauben an dich. Mit der Beförderung zum Vizekapitän folgte vor Saisonbeginn ein weiteres.

Auch wenn er zu Beginn der Spielzeit keine glückliche Figur abgab: Stark hat sich seine DFB-Nominierung verdient, zählt zweifelsohne zu den spannendsten Abwehrspieler des Landes. Im Kreis der Besten wird er weiter wachsen.

Der Verteidiger braucht internationale Erfahrung

Hertha wird von Starks Länderspiel-Premiere ebenfalls profitieren, zeigt sein Beispiel doch, dass man als junger Profi in Berlin unter guten Bedingungen reifen und auch in einem Mittelklasse-Klub zum Nationalspieler werden kann. Festzuhalten bleibt allerdings auch: Für Stark ist das Debüt am Mittwoch nur der nächste Schritt auf der Karriereleiter, an deren oberem Ende die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften wartet.

Ob er dieses Ziel eines Tages erreicht, womöglich 2020 oder 2022? Das Zeug dazu hat er, doch dafür wird er sich weiter steigern müssen. Während sich seine DFB-Konkurrenten mit ihren Klubs regelmäßig im internationalen Wettbewerb stählen, bleibt Stark aktuell „nur“ die Bühne Bundesliga. Sowohl für ihn als auch für Hertha wäre es förderlich, wenn sich das zur kommenden Saison ändert. Dennoch: Das Beispiel Stark macht aus Berliner Sicht Mut.