Nationalmannschaft

Einstand gegen Argentinien: Löw erlöst Niklas Stark

Nach sieben Monaten Anlauf erlöst Bundestrainer Löw Herthas Abwehrchef, der bei der Neuauflage des WM-Finales von 2014 in der Startelf steht

Herthas Niklas Stark (v.) beim Abschlusstraining der Nationalmannschaft im WM-Stadion in Dortmund.

Herthas Niklas Stark (v.) beim Abschlusstraining der Nationalmannschaft im WM-Stadion in Dortmund.

Foto: Foto: Gambarini / dpa

Berlin. Der Bundestrainer wollte die Nachricht nicht als Überraschung gewertet haben. „Morgen schlägt die Stunde von Niklas Stark“, sagte Joachim Löw, „er wird in jedem Fall von Beginn an spielen. Aber das ist schon länger verabredet.“

Was Löw meinte: Im März, im Juni­ und im September – dreimal hatte er den Abwehrchef von Hertha zur deutschen Nationalmannschaft eingeladen, ihn aber in keinem der sechs Länderspiele eingesetzt. Deshalb hatte der Bundestrainer Stark zugesagt, was er nun einlöst: Beim Testländerspiel an diesem Mittwoch gegen Argentinien in Dortmund­ ist Stark von Anfang an dabei (20.45 Uhr, RTL).

Stark folgt auf Friedrich und Plattenhardt

Stark ist damit der 102. Debütant in der seit 2006 dauernden Ära Löw. Die Anzahl der Herthaner jedoch ist übersichtlich: Von 2006 bis 2010 vertrat Arne­ Friedrich die Hertha-Farben beim DFB, ehe der Manndecker zum VfL Wolfsburg wechselte. Malik Fathi kam 2006 zu zwei Kurzeinsätzen im DFB-Team. Marvin Plattenhardt war der nächste Herthaner im Nationaltrikot. Der Linksverteidiger war 2017 Teil des Teams, das überraschend Confed-Cup-Sieger wurde und 2018 bei der WM in Russland dabei. Sieben Länderspiele absolvierte­ Plattenhardt, nach der misslungenen WM aber wurde er nicht mehr berücksichtigt.

Nach seiner langen Anlaufzeit war Stark nun an der Reihe. Ante Covic, sein Trainer bei Hertha BSC, sagte: „Niklas hat sich das verdient. Er hat die letzten beiden Spiele richtig gute Leistungen gezeigt.“

Trotzdem fällt auf, dass der Bundestrainer vor der Neuauflage des WM-Finales von 2014 eine ganze Flut von Absagen kassiert hat. Allein im Abwehrzentrum sagte nach Matthias Ginter (Schulterverletzung) auch Jonathan Tah (Erkältung) ab. Antonio Rüdiger und Thilo Kehrer sind nach Verletzungen­ ohnehin noch nicht einsatzfähig.

Auch Luca Waldschmidt erstmals dabei

So wird gegen Argentinien eine regelrechte­ Verlegenheitself auflaufen. Angesichts der Absage von Mittelfeld-Chef Toni Kroos und der muskulären Probleme von Ilkay Gündogan, der in Dortmund ebenfalls nicht zur Verfügung steht, könnte Emre Can die freie Stelle neben Kimmich besetzen. Davor dürfte Jungstar Kai Havertz spielen. Weil im Sturm der kranke Timo Werner erst wieder für das EM-Qualifikationsspiel in Estland eingeplant ist (Sonntag, 20.45 Uhr), spielen gegen Argentinien voraussichtlich Julian Brandt neben Serge Gnabry­ und Luca Waldschmidt. Der 21-Jährige vom SC Freiburg wird ebenfalls sein Debüt geben.

Auch der Einsatz von Marco Reus in seinem Heimatstadion ist fraglich, der Spielmacher von Borussia Dortmund klagt über Knieprobleme.

Löw hatte ter Stegen einen Einsatz versprochen

Im Tor erhält Herausforderer Marc-André ter Stegen (FC Barcelona) wie erwartet seine Bewährungschance. „Er hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bei uns voll etabliert, auf Marc ist absolut Verlass“, sagte Löw. Der Bundestrainer hat am Rande des Länderspiels eingeräumt, die Torwart-Debatte um ter Stegen und Manuel Neuer, die den deutschen Fußball in den vergangen Wochen belastet hat, verursacht zu haben. Er habe ter Stegen ursprünglich zugesagt, im September ein Spiel zu bestreiten. Löw hatte dann aber sowohl gegen die Niederlande (2:4) als auch in Nordirland (2:0) Neuer aufgeboten.

Dass er nicht zum Einsatz gekommen war, bezeichnete ter Stegen als „harten Schlag“ – daraus entspann sich eine Debatte, in der Neuer und vor allem Bayern-Boss Uli Hoeneß den Torwart des FC Barcelona kritisierten. Im Nachhinein stellt sich nun heraus, dass der Bundestrainer mit einem frühen offenen Wort die Situation hätte erklären können.

Ter Stegen: „Professionelles Verhältnis zu Neuer“

Ter Stegen sagte, er freue sich auf sein 23. Länderspiel. Und wie ist, wenn er bei jetzt bei der Nationalelf auf Manuel Neuer trifft? Ter Stegen sagte: „Es gibt keine Diskussion, keinen Streit, keinen Moment, wo wir sagen: Wir müssen unbedingt sprechen. Wir reden jeden Tag und haben ein gutes, professionelles Verhältnis.“