Hertha BSC

Ante Covic: Das Derby als Wegweiser

Hertha BSC: Die 100-Tage-Bilanz von Trainer Ante Covic ist unentschieden. Nach dem Prestigeduell gegen Union wird Klarheit herrschen.

Der Vertrag von Ante Covic als Cheftrainer von Hertha BSC läuft bis zum 30. Juni 2020.

Der Vertrag von Ante Covic als Cheftrainer von Hertha BSC läuft bis zum 30. Juni 2020.

Foto: Foto: Hitij / Bongarts/Getty

Berlin. Das Datum ist klassisch und die Frage plausibel: Wie sieht die Bilanz von Ante Covic als Cheftrainer von Hertha BSC nach 100 Tagen aus? Am 1. Juli hat Covic seinen Dienst als Nachfolger von Pal Dardai angetreten, am Dienstag passiert er die magische Grenze. Ungewöhnlich wird dieses Thema, weil die Antwort lautet: Weder lässt sich im Moment sagen, wie gut Ante Covic ist, noch weiß man, wie gut der Hertha-Jahrgang 2020 ist.

Es ist ein Kuriosum des ersten Viertels dieser Hertha-Saison, dass man jedem positiven Argument ein negatives gegenüberstellen kann – und umgekehrt.

Klar, der Start war ein Desaster. Nach vier Runden lag Hertha mit nur einem Punkt nicht nur hinter dem 1. FC Union, sondern war Tabellenletzter. Dann hat Trainer Covic die Rotationsmaschine angeworfen. Resultat: Drei Siege in Folge und Platz zehn in der Liga. Die Europacup-Plätze sind vier Punkte entfernt – und insofern wieder in Blickweite. Zur Abstiegszone hat sich Hertha mit dem Dreier-Schlag ein gewissen Punktepolster erarbeitet. Nach sieben Runden ist Hertha also exakt in der Region angekommen, in der sich der Verein auch unter Vorgänger Pal Dardai bewegt hat.

Wolf überzeugt. Aber wo ist Torunarigha?

Ob im Team oder unter den Fans – alle freuen sich über die neun Punkte. Wissen aber gleichwohl, dass Hertha gegen Paderborn (Tabellen-18.), Köln (17.) und Düsseldorf (15.) gewonnen hat. Positiv zu vermerken sind spielerischen Entwicklungen bei Javairo Dilrosun, von dem Trainer Covic sagte: „Jav ist für mich vom ersten Tag an ein Unterschiedsspieler gewesen.“ Der Niederländer, der mit seinem Sensationssolo gegen die halbe Paderborner Hintermannschaft für die erste 1:0-Führung von Hertha gesorgt hat, hat mittlerweile Zutrauen in seinen Körper, dass seine Muskulatur den Anforderungen Profisports standhält. Bei jedem der drei Siege hat Dilrosun einen Treffer beigesteuert.

Erfreulich auch der Lauf von Kapitän Vedad Ibisevic – drei Tore in den letzten beiden Spielen. Ebenso die Belebung, die Marius Wolf, Leihgabe von Borussia Dortmund, auf der rechten Seite darstellt. Dagegen haben Profis wie Salomon Kalou, Karim Rekik, Marvin Plattenhardt oder Jordan Torunarigha keine oder nur eine geringe Rolle gespielt.

Nur drei Feldspieler in allen Spielen dabei

Wie überhaupt auffällt: Nur drei Feldspieler waren bei allen sieben Liga-Partien im Einsatz: Niklas Stark, Marko Grujic und Davie Selke. Ante Covic ist also noch auf der Suche nach seiner Formation.

Nach dem Zufluss von 125 Millionen Euro im Sommer sowie dem Königstransfer von Dodi Lukebakio (für 20 Millionen Euro vom FC Watford geholt) und seinem neuen Trainer, hatten die Hertha-Verantwortlichen auf Aufbruchstimmung in der Stadt gehofft. Nach dem ersten Saison-Viertel ist zu registrieren: Der Zuschauerschnitt im Olympiastadion liegt nach drei Heimspielen bei 41.100 Besuchern - Euphorie sieht anders aus.

Wahrsager gegen Dresden und Union

Wie gut ist Ante Covic? Die Antwort ist nur aufgeschoben. Weil Hertha bis zur nächsten Länderspielpause fünf spannende Spiele zu absolvieren hat. In Bremen (19. Oktober), gegen Hoffenheim (26.) sowie gegen Leipzig (9. November) trifft das Covic-Team auf drei Gegner, die ihre Partien jeweils mit klaren Spielplänen angehen. Dazwischen liegen die beiden emotionalen Höhepunkte für die Fans – und damit auch für Covic: Im Zweitrunden-Spiel im DFB-Pokal wird Dynamo Dresden mehr als 25.000 Anhänger ins Olympiastadion mitbringen (30. Oktober) – um den Traum vom Pokalfinale am Leben zu halten, zählt für den Bundesligisten nur ein Sieg.

Noch etwas höher hängen die Emotionen vor dem Prestigeduell von Hertha beim 1. FC Union (2. November). Im „Tagesspiegel“ sagte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer dazu: „Für das Seelenheil des Vereins wäre ein Sieg unendlich wichtig, für die Fans wäre er unendlich wichtig und dann für mich als Präsidenten natürlich auch.“ Heißt: Das Derby wird zum Wegweiser für Hertha und seinen Trainer.