BUNDESLIGA

Hertha BSC: 13 Tage zwischen Hölle und Himmel

Mit drei Siegen in kurzer Zeit bringt Trainer Ante Covic sich und Hertha BSC aus der gefährdeten Zone in Sichtweite von Europa.

Strahlende Gesichter bei Hertha BSC: Trainer Ante Covic (r.) gratuliert Torschütze Javairo Dilrosun.

Strahlende Gesichter bei Hertha BSC: Trainer Ante Covic (r.) gratuliert Torschütze Javairo Dilrosun.

Foto: Thomas F. Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin. Am Ende gab es Umarmungen satt für Dodi Lukebakio. Zunächst herzte Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel den Stürmer von Hertha BSC in den Katakomben des Olympiastadions, trotz der 1:3-Niederlage für Funkel. Nach seinem Ex-Trainer bekam Lukebakio eine Umarmung samt ins Ohr geflüsterten Ratschlägen von seinem aktuellen Coach, Ante Covic. Eine Szene mit Symbolwert: Der 22-Jährige ging endgültig von den Händen des alten Mentors zum neuen Lehrmeister­ über.

Es war eine von vielen gelungenen Pointen, dass Herthas Rekordeinkauf gegen seinen früheren Verein die Entscheidung herbeiführte. Lukebakio hatte mit einem 50-Meter-Solo das Tor zum 3:1 von Vladimir Darida vorbereitet­. „Ich fühle mich besser und besser“, sagte Lukebakio. Hinter dem 20-Millionen-Mann liegt keine leichte Zeit, nach fehlender Vorbereitung landete er schnell auf der Bank. „Doch der Trainer baut mich Schritt für Schritt auf.“

Der Hoodie von Covic trägt die Aufschrift „Spandau“

Derzeit scheint Ante Covic alles zu gelingen. Dabei liegen gerade 13 Tage zwischen Hölle und Himmel. So waren nach vier Spieltagen, einem Punkt und Platz 18 Zweifel aufgekommen, ob der bisherige Jugendtrainer mit der Chefrolle in der Bundesliga überfordert ist. Nun führte Covic Hertha zwischen dem 21. September und 4. Oktober zu drei Siegen in Folge. Das war den Berlinern zuletzt im August/September 2016 gelungen.

Am nächsten Tag – seine Spieler haben am Wochenende zur Belohnung frei – kommt Covic auf das Vereinsgelände, als wäre nichts gewesen. Trägt einen Kapuzenpulli mit der Aufschrift „Spandau“, seinem Heimatbezirk. In der Aufarbeitung des Spiels wirkt der 44-Jährige, als fühle er sich mehr und mehr zu Hause in der Rolle im Rampenlicht.

Drei Erfolge gegen drei Kellerkinder

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es fühlt sich nicht gut an, wenn du drei Spiele in Folge gewinnst“, antwortet Covic umständlich auf die Frage, ob ihm Steine vom Herzen gepurzelt seien. Aber für ihn sei wichtiger gewesen zu sehen, dass „die Führungscrew, selbst die Geschäftsstellenmitarbeiter Ruhe ausgestrahlt“ hätten, als es nicht so lief. Und ihn arbeiten ließen.

Die Resultate lassen sich jedenfalls sehen, auch wenn man die Ergebnisse mit Blick auf die Qualität der Gegner (Paderborn/Letzter, Köln/Vorletzter, Düsseldorf/15.) einordnen muss. In jedem Fall ist Hertha vom Rang 18 auf Platz zehn geklettert. Die Europacup-Ränge sind nur noch drei Zähler entfernt. Dass er lernfähig ist, hatte Covic bewiesen, als er Boyata, Skjelbred, Wolf, Dilrosun und Darida, in neuer Rolle, in seine Startelf einbaute. Zudem führten nun seine Matchpläne zum Erfolg.

Der Schachzug mit Skjelbred

Zog sich Hertha gegen Paderborn unpopulärerweise weit zurück und spielte in Köln anfangs auf Konter, trugen die Berliner nun ihr Kurzpassspiel in die Düsseldorfer Hälfte. „Wenn die Umstellungen aufgehen, wird das Vertrauen in den Trainer an der Seitenlinie größer“, sagt Covic. Auch dank des Schachzugs, Per Skjelbred als verkappten Libero hinter die Innenverteidiger zu stellen, um den Aufbau zu stärken. „Wir hatten zuletzt Probleme, flach hinten raus zu spielen, nun mussten wir kaum lange Bälle spielen“, analysierte Covic.

Der Trainer hat sich nicht frei gegeben, sondern die 90 Minuten noch einmal angesehen. Resultat: Hertha beraubte Düsseldorf derer größten Stärke, die Hausherren ließen sich nicht einmal auskontern. Covic hat in seinem siebten Erstliga-Spiel den 500-maligen Bundesligatrainer Funkel ausgecoacht – das kann als Reifeprüfung gelten.

„Kann man nicht erklären, das ist Selbstvertrauen“

Dabei hatte Hertha auch Glück, nach dem ungestümen Einsteigen von Maximilian Mittelstädt keinen früheren Elfmeter gegen sich verhängt zu bekommen (25. Minute). Im Gegensatz zu Saisonbeginn machten die Hausherren trotz des Elfmeter-Rückstands (Boyata war dem Düsseldorfer Oliver Fink auf den Fuß gestiegen) nach einer halber Stunde unbeeindruckt weiter. „Das kann man nicht erklären, das ist Selbstvertrauen“, sagte Kapitän Vedad Ibisevic. Wobei die Treffsicherheit des 35-Jährigen, der postwendend den Ausgleich erzielte, hilft: „Gerade die jungen Spieler haben das, was sie heute gezeigt haben, vor zwei Wochen noch nicht probiert.“

Wahrscheinlich meinte Ibisevic das Tor von Javairo Dilrosun, sein drittes in Folge, technisch anspruchsvoll zudem mit dem schwächeren rechten Fuß erzielt. „Mein Fokus ist es nun, Tore zu machen“, verriet der 21-Jährige. „Ich arbeite mit dem Trainerteam auch gezielt­ an dem Fuß.“

Nun könnte man meinen, die Länderspielpause komme Hertha ungelegen, weil man den Schwung nicht mit in die kommenden Spiele in Bremen, gegen Hoffenheim, im DFB-Pokal gegen Zweitligist Dresden und das Derby bei Union nehmen kann. Andererseits bieten die zwei Wochen eine Gelegenheit für Ante Covic, ab Dienstag im Training zu zeigen­, dass er die Mannschaft­ noch ein Stückchen besser machen­ kann.