Hertha BSC

Ex-Coach Funkel: „Dodi wird in Berlin durch die Decke gehen“

Herthas Rekordeinkauf Lukebakio ist wohl auch gegen Ex-Klub Düsseldorf nur Ersatz. Sein früherer Trainer traut ihm trotzdem Großes zu.

Seinen bislang besten Moment in Blau-Weiß erlebte Dodi Lukebakio (r.) gegen den FC Bayern. Beim Saisonstart traf der Belgier zum 1:1.

Seinen bislang besten Moment in Blau-Weiß erlebte Dodi Lukebakio (r.) gegen den FC Bayern. Beim Saisonstart traf der Belgier zum 1:1.

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlin. Unter der Woche sah es fast so aus, als wäre Dodi Lukebakio von einem branchenüblichen Virus befallen. Unter Profifußballern ist es ja schon länger üblich, zu Standard-Themen nur Standard-Statements abzugeben, so wie zu den meisten andren Dingen auch. Als Herthas Rekordeinkauf am Mittwoch auf das Duell mit seinem Ex-Klub angesprochen wurde, das am diesem Freitag im Olympiastadion steigt (20.30 Uhr, DAZN), lächelte der Belgier. Fortuna Düsseldorf? „Ich freu’ mich schon darauf“, sagte Lukebakio, und obwohl das ein Satz aus der Kategorie „der nächste Gegner ist immer der schwerste“ war, klang er doch anders.

Lukebakio (22) ist jemand, dem man die Vorfreude auf das Wiedersehen mit dem Ex wirklich abnimmt, allein schon deshalb, weil Düsseldorf für ihn eine Schlüssel-Station war.

Bei der Fortuna erlebte er 2018/19 seinen Durchbruch. Nach zuvor eher homöopathischen Einsätzen in Frankreich (fünf Spiele für Toulouse) und England (ein Spiel für Watford), bekam er im Rheinland die Chance zu reifen.

Am Ende der Saison standen 31 Partien, zehn Tore und vier Vorlagen in seiner sportlichen Vita. Der Beweis, dass er das Format für eine europäische Top-Liga hat.

Von Funkel lernt Lukebakio Disziplin und Defensivarbeit

Dass Düsseldorf und Trainer Friedhelm Funkel auf ihn gesetzt haben, werde er nie vergessen, hat Lukebakio mal erzählt. Seinem Förderer ist er auf ewig dankbar, dabei war das Spieler-Trainer-Verhältnis nicht immer einfach.

„Wir sind auch manchmal aneinandergeraten“, erinnert sich Funkel (65) im Gespräch mit dieser Zeitung. „Gerade in den ersten Wochen hat er nicht immer das umgesetzt, was ich von ihm verlangt habe.“

Talent und eine starke Physis brachte der schnelle 1,87-Meter-Mann schon mit, als er 2018 in Düsseldorf anlandete, taktisch hatte Lukebakio jedoch einigen Nachholbedarf.

„Von Friedhelm Funkel habe ich vor allem Disziplin gelernt – und was Defensivarbeit ist“, sagt der Linksfuß. Auch dabei muss er lächeln.

Als er im vergangenen August bei Hertha anlandet, ist Lukebakio ein anderer als ein Jahr zuvor bei seinem Wechsel an den Rhein. Kein Geheimtipp mehr, kein Experiment – stattdessen der neue Vorzeige-Fußballer des Hauptstadtklubs. 20 Millionen Euro ließen sich die Berliner ihren Premium-Einkauf kosten, Vereinsrekord. Nur verliefen Lukebakios erste Wochen in Blau-Weiß alles andere als rekordverdächtig. Wenn überhaupt, dann rekordverdächtig durchwachsen.

Auf den Bilderbuch-Start folgt die Talfahrt

Sicher, der Start gelang fast bilderbuchreif. Beim überraschenden 2:2 gegen den FC Bayern katapultierte er Hertha mit seinem (abgefälschten) Fernschusstor aus dem Nichts ins Spiel. Danach aber wollte nur noch wenig gelingen. Gegen Wolfsburg (0:3) blieb er komplett blass. Auf Schalke (0:3) vergab er eine Großchance und ließ diverse Bälle vom Fuß springen. In Mainz (1:2) musste er bereits nach einer Stunde vom Feld und bewegte Hertha-Coach Ante Covic zu einer drastischen Maßnahme. Beim anschließenden 2:1 gegen Paderborn fand sich Herthas neuer Topstar auf der Bank wieder.

„Bei uns hat er sich zuerst auch schwer getan“, erinnert sich Funkel, „er musste sich erst an die neuen Mitspieler und an die Trainingsumfänge gewöhnen.“ Daran, dass Lukebakio dies auch in Berlin gelingen wird, hat der frühere Hertha-Trainer (2009/10) nicht der geringsten Zweifel: „Dodi wird in Berlin durch die Decke gehen, davon bin ich überzeugt.“

Dass er beim jüngsten 4:0 gegen Köln wieder mitmischen durfte und als Joker den letzten Treffer vorbereitete, darf schon mal als positives Zeichen gewertet werden. Lukebakio hat Covics Signal angenommen, sich im Training gesteigert und Biss bewiesen.

Verbannung auf die Bank zeigt Wirkung

„Man musste Friedhelm Funkel zeigen, dass man bereit ist, und hier mit Ante ist das genauso“, sagt er. Von divenhaften Rekordeinkauf-Allüren keine Spur, das entspräche nicht Lukebakios Naturell. Der Stürmer sei ein „positiver Typ“, sagt Funkel, einer, der „gern Späße gemacht hat, nachdem er die Mannschaft richtig kennengelernt hat“. Ein Prozess, der eine gewisse Zeit braucht.

Ante Covic scheint sich keine allzu großen Sorgen deswegen zu machen. Lukebakio komme immer besser in Tritt, sagt der Hertha-Coach, und an den herausragenden Fähigkeiten der Offensivkraft zweifelt ohnehin niemand. „Dodi macht oft instinktiv das Richtige“, sagt Funkel, „er sucht Räume zwischen den Verteidigern und weiß sich im richtigen Moment abzusetzen.“

Auch am Freitag gegen den Tabellen-14. wird er es wieder so probieren, dann wohl erneut als Einwechselspieler. Geht es nach Lukebakio, soll sich Letzteres schnell ändern, doch er weiß: Dazu braucht es Tore und Vorlagen – auch wenn er dafür seiner alten Liebe wehtun muss.