BUNDESLIGA

Vedad Ibisevic: Auf den Spuren von Dieter Hoeneß

Hertha-Torjäger Vedad Ibisevic hat mit seinem Doppelpack in Köln Lothar Matthäus und Miroslav Klose überholt. Dieter Hoeneß ist nur fünf Tore voraus

Der eingesprungene Ibisevic: Herthas Torjäger erzielt mit der Hacke des linken Fußes das 3:0 in Köln, Sebastiaan Bornauw (r.).

Der eingesprungene Ibisevic: Herthas Torjäger erzielt mit der Hacke des linken Fußes das 3:0 in Köln, Sebastiaan Bornauw (r.).

Foto: Foto: TEAM2 / Team2

Berlin . Der turbulenteste Teil des Tages wartete auf den Tross von Hertha BSC lange nach Abpfiff des Bundesliga-Spiels beim 1. FC Köln. So positiv die Stimmung war nach dem 4:0, dem höchsten Auswärtssieg der Berliner seit Dezember 2015 (damals 4:0 in Darmstadt), stürmische Winde über Deutschland sorgten für einen rauen und sehr wackligen Rückflug nach Berlin.

Am Tag danach hatten wieder alle Farbe im Gesicht. Auch, weil Hertha sich nach zwei Siegen in Folge in Pal-Dardai-Regionen vorgeschoben hat. Nach sechs Runden rangiert das Team von Trainer Ante Covic, Dardais Nachfolger­,­ auf Platz zehn. Im Mittelpunkt stand, natürlich, Vedad Ibisevic.

Der Hertha-Kapitän beschert dem Trainer schlaflose Nächte

Dreimal in Folge hatte der Kapitän auf der Bank Platz nehmen müssen, ehe er in Köln unmittelbar nach der Einwechslung in der 57. Minute die entscheidenden Tore zum 2:0 (58.) und 3:0 (63.) erzielte. „Natürlich ist es nicht alltäglich, dass man nach einer Einwechslung direkt trifft“, sagte Ibisevic. „Ich bin aber immer heiß darauf, Tore zu schießen, mache die Wege – manchmal hat man auch das Glück, dass die Bälle so gut kommen, wie bei diesem Mal.“

Trainer Covic bedankte sich, ehe er zum Lob auf seinen Kapitän ansetzte, deshalb auch bei Vorlagengeber Lukas Klünter für dessen „überragenden Rückpass auf Vedo“. Seinen Torjäger hatte Trainer Covic nach dessen torlosen Vorstellungen gegen die Bayern, Wolfsburg und Schalke aus der Startelf genommen. „Es gibt immer zwei Möglichkeiten“, sagte Covic: „Einer kommt auf den Platz und ist beleidigt. Oder es kommt der Kapitän und liefert eine Leistung ab, dass der Trainer zwei schlaflose Nächte hat, weil er sich überlegen muss, wen er im nächsten Spiel aufstellt.“

2006 traf Ibisevic für Alemannia Aachen

Es waren historische Tore, die Ibisevic vor 49.700 Zuschauern im Rhein-Energie-Stadion gelangen. Mit seinen Bundesliga-Treffern 121 und 122 schob sich Ibisevic in der ewigen Torjäger-Liste der Bundesliga vorbei an Herbert Laumen, Lothar Matthäus und Miroslav Klose (alle­ 121 Tore). Somit liegt ein weiterer prominenter Name in Reichweite: Dieter Hoeneß. Der einstige Hertha-Manager und vormalige Stürmer vom VfB Stuttgart und Bayern München, hatte zwischen 1977 und 1987 insgesamt 127 Tore erzielt (siehe Liste am Textende). „Man kann nur den Hut ziehen­ vor der Karriere, die Vedo hinlegt­“, sagte Covic­.

Der Bosnier hatte nach sechs Toren für Alemannia Aachen in der Saison 2006/07 den Durchbruch in der Bundesliga geschafft – damals unter Trainer Ralf Rangnick in Hoffenheim (43 Tore). Auf die Station beim VfB Stuttgart (33) ließ Ibisevic, mittlerweile im Herbst seiner Karriere angelangt, seit 2016 bei Hertha mittlerweile 40 Tore folgen.

Dilrosun reitet die Welle

Ibisevic, dessen Ehrgeiz in der Liga berühmt-berüchtigt ist – neben den vielen Toren vermerkt die Statistik fünf Rote­ Karten und eine Ampelkarte – signalisierte­, dass er keine Probleme machen werde, auch wenn er mal nicht berücksichtigt wird. „Für mich ist es nicht schwer, damit umzugehen, dass ich zuletzt nur auf der Bank saß, denn ich bin ein Mannschaftsspieler“, sagte Ibisevic. „Ich bin inzwischen 35 Jahre alt – da kann es schon mal vorkommen, dass man mal draußen sitzt.“

Nach den Siegen gegen den Letzten Paderborn (2:1) und den Vorletzten Köln tritt am Freitag der Tabellen-14. Fortuna Düsseldorf im Olympiastadion an (20.30 Uhr, DAZN live). Für Ibisevic dürfte das gleiche zutreffen, was Trainer Covic über Javairo Dilrosun sagte. Der Niederländer hatte sowohl gegen Paderborn als auch in Köln jeweils das wichtige Führungstor für die Berliner erzielt. „Jav ist für mich ein Unterschiedsspieler“, sagte Covic, „im Moment nehmen wir die Welle­ mit, die soll Jav reiten, solange es geht.“

Das Momentum hat nicht nur Dilrosun­, sondern auch Ibisevic auf seiner­ Seite. Alles andere als ein Startelf-Einsatz für das Offensiv-Duo am Freitag im Heimspiel gegen Düsseldorf wäre verwunderlich­­.

Ibisevic fehlen fünf Tore auf Dieter Hoeneß

Spieler Tore Zeitraum


1) Gerd Müller 365 1965-79

2) Klaus Fischer 268 1968-88

3) Jupp Heynckes 220 1965-78

4) Manfred Burgsmüller 213 1969-90

5) Robert Lewandowski 211 seit 2010

25) Dieter Hoeneß 127 1977-87

26) Martin Max 126 1989-04

27) Georg Volkert 125 1965-81

28) Frank Mill 123 1976-96

29) Vedad Ibisevic 122 seit 2006

30) Herbert Laumen 121 1965-74

Lothar Matthäus 121 1979-00

Miroslav Klose 121 2000-11