Kommentar

Herthas Sieg in Köln kann zum Dammbruch werden

Ein 4:0 in Köln – und plötzlich sind alle happy bei Hertha. Die Berliner sollten sich aber nicht täuschen lassen, meint Dominik Bardow.

Kapitän Vedad Ibisevic (r.) erwies sich als Glücksgriff, und auch Vladimir Darida spielte in Köln stark.

Kapitän Vedad Ibisevic (r.) erwies sich als Glücksgriff, und auch Vladimir Darida spielte in Köln stark.

Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts/Getty Images

Köln.  300 Zuschauer haben gefehlt. Wären 1800 statt der 1500 mitgereisten Hertha-Fans zum Spiel beim 1. FC Köln gekommen, das Stadion in Müngersdorf wäre mit 50.000 Zuschauern ausverkauft gewesen.

Vielleicht war die Skepsis zu groß für die knapp 500 Kilometer lange Auswärtsreise ins Rheinland. Hertha hatte eine Woche zuvor beim 2:1 gegen Paderborn zwar den ersten Saisonsieg errungen, aber den Anhang im Olympiastadion nicht gerade mit Offensivfußball verwöhnt.

Wie schnell sich das ändern kann im Fußball. Nach dem 4:0 in Köln dürften sich deutlich mehr als 300 Berliner ärgern, das Spektakel nicht live vor Ort mitbekommen zu haben.

Wobei Spektakel hier relativ ist. Das wurde es erst, nachdem die überlegenen Gastgeber in den ersten 20 Minuten ihre Torchancen nicht genutzt hatten. Und Javairo Dilrosun den Gefallen getan hatten, ihn bei Herthas Führungstreffer unbedrängt zu lassen.

Ebenso unbedrängt wie die übrigen Berliner Torschützen. Zusätzlich dezimierte sich der Aufsteiger kurz vor Halbzeit selbst. Beim vertretbaren, aber harten Platzverweis nach Videobeweis sangen selbst die mitgereisten Hertha-Fans Schmählieder auf den Deutschen Fußball-Bund.

Jetzt müssen die Berliner die Welle weiter reiten

Selbst zehn Gegner muss man erst einmal so herspielen wie Hertha in der zweiten Halbzeit, da hatte Trainer Ante Covic hinterher recht. Es brauchte jedoch erst seinen Glücksgriff, Vedad Ibisevic einzuwechseln, der in vier Minuten zum Doppeltorschützen wurde. Seine Tore elf und zwölf gegen Köln. Stolze Quote. Die Stürmer treffen, die Abwehr spielt zu null, plötzlich sind alle happy bei Hertha. Im Fußball kann es eben ganz schnell gehen.

Zwei Siege gegen zwei Aufsteiger und Hertha grüßt nicht mehr von Platz 18, sondern zehn. Das kann so weitergehen. Am Freitag sind mit den Düsseldorfern wieder verunsicherte Rheinländer die Gegner. Da wird sich zeigen, ob die Blau-Weißen nun wirklich eine Welle reiten können, wie Lukas Klünter nach dem Spiel hoffte.

Eine Welle, die mit einem Plätschern gegen Paderborn begann. Statt tröpfchenweise an Vertrauen zu verlieren, könnte der Sieg in Köln nun zu einem Dammbruch für Trainer Ante Covic werden.

Gegen Düsseldorf könnte sich der Besuch im Olympiastadion also lohnen.