BUNDESLIGA

Marius Wolf: „Ante Covic macht das super“

Marius Wolf, der Neue von Hertha BSC, über seinen Trainer, viele Vereinswechsel und die Partie heute beim 1. FC Köln

Marius Wolf, der Neue bei Hertha, hat in 51 Bundelsiga-Spielen sieben Tore erzielt.

Marius Wolf, der Neue bei Hertha, hat in 51 Bundelsiga-Spielen sieben Tore erzielt.

Foto: Foto: Hitij / Bongarts/Getty

Berlin.  Marius Wolf (24) erscheint in Badelatschen zum Interview, danach will er duschen. Außerdem wartet ein befreundeter Autor auf ihn. Seit er in Berlin ist, hat der Zugang aus Dortmund schon viel Besuch bekommen. Seine Eltern waren da. Ex-Herthaner Patrick Ebert, ein alter Freund, hat ihm die Stadt gezeigt. „Wirklich toll hier“, sagt Wolf vor dem heutigen Spiel beim 1. FC Köln (18 Uhr, Sky), ehe er über seine Jugend mit tschechischen Fußballern, das Leben als Leihspieler und die Ziele mit Hertha spricht.

Berliner Morgenpost: Dobry den, Marius Wolf.

Marius Wolf: (überlegt). Dobry den, Warten Sie, das ist tschechisch, richtig?

Stimmt, dobry den heißt Guten Tag auf tschechisch. Sie haben als Kind anderthalb Jahre in einer Deutsch-Tschechischen Fußballschule trainiert, wo es auch um die Vermittlung kultureller Werte ging. Was haben Sie aus der Zeit mitgenommen?

Von der Sprache leider nicht allzu viel (lacht). Das ist schon zu lange her und vieles vergisst man wieder, wenn man nicht jeden Tag spricht.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für ein solches Projekt entschieden und nicht in einem Verein spielten?

Ich fand die Idee damals schon cool. Ich bin im Norden Bayerns, in der Gegend um Coburg aufgewachsen. Dort gab es keinen Profiverein in der Nähe und die deutsch-tschechische Fußballschule war in Hof. Auch nicht gerade um die Ecke, aber mit 90 Minuten Fahrt noch machbar. Deutsche und tschechische Jungs spielten gemeinsam in einem Team, das nicht am regulären Spielbetrieb teilnahm, sondern nur Freundschaftsspiele austrug. Die aber gegen hochklassige Gegner.

Gegen wen ging es da?

Europäische Profiklubs wie Liverpool zum Beispiel. Das war wirklich aufregend. Ich hatte schon als Kind Lust, mich mit außergewöhnlichen Gegnern zu messen.

Wie sah ihr Alltag zu dieser Zeit aus?

Das in Hof war eine reine Fußballschule, Unterricht gab es dort nicht. Ich bin also weiter in Coburg zur Schule gegangen und in Hof habe ich trainiert. So zwei bis drei Einheiten pro Woche habe ich versucht mitzunehmen. Nach der Schule haben mich meine Eltern oder mein Opa nach Hof gefahren. Auf der Hintour habe ich oft geschlafen, auf der Rücktour dann Hausaufgaben gemacht. Das war schon sehr anstrengend.

Anschließend sind Sie in die Akademie des 1. FC Nürnberg gewechselt und auch dort weiter gependelt. Haben Sie Ihre Kindheit im Auto verbracht?

Es ging ja nicht anders. Nürnberg war der am dichtesten an Coburg gelegene Profiverein, ähnlich wie nach Hof waren es auch anderthalb Stunden Fahrt. Als ich die Möglichkeit bekam, zum Club zu wechseln, wollte ich das unbedingt machen. Auf der anderen Seite fühlte ich mich mit 13 noch zu jung, um von zu Hause wegzugehen. Meine Eltern sahen das auch so, also sind wir gependelt, drei, vier Tage die Woche. Was da an Kilometern zusammenkam, Wahnsinn. Kurz bevor ich 16 wurde bin ich dann ins Internat gezogen.

Waren Sie als Kind Clubberer oder Bayern-Fan?

Weder noch. Alle meine Kumpels in der Umgebung waren Bayern-Fans, bei uns war das eine rot-weiße Hochburg. Aber ich habe da nicht mitgemacht. Ich war Borusse.

Dortmund?

Genau. Der BVB hatte es mir als Kind angetan, besonders Dede. Das war mein Lieblingsspieler. Ich war mal mit meinen Eltern im Stadion, ein unglaubliches Erlebnis. Diese Stimmung. Natürlich habe ich danach davon geträumt, auch mal dort zu spielen.

Was ja dann auch geklappt hat.

Als das Angebot aus Dortmund kam, war für mich klar, dass ich das machen muss, auch wenn es mir nach der erfolgreichen und tollen Zeit in Frankfurt schwerfiel, von dort wegzugehen. Dortmund war ein Herzenswunsch und das ich dann in der gleichen Straße gewohnt habe wie früher Dede, war umso cooler.

Wie groß war dann die Enttäuschung, dass es beim BVB für Sie nicht geklappt hat?

Ich würde nicht sagen, dass es dort nicht funktioniert hat, ich habe ja meine Einsätze in der vergangenen Saison bekommen. Nur wollte ich gern mehr spielen. Als ich nach der Vorbereitung trotz überzeugender Leistungen spürte, dass dieser Wunsch wohl nicht in Erfüllung geht, wollte ich eine neue Herausforderung annehmen.

Hertha erschien Ihnen als der ideale Verein, um häufiger spielen zu können?

In Berlin wird etwas aufgebaut, nicht erst seit dieser Saison. Der Verein setzt auf junge Spieler, die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Ich wollte gern auch ein Teil davon sein und meinen Beitrag leisten.

Sie sind vom BVB ausgeliehen. Trotz einer Klausel, die es Hertha erlaubt, Sie im kommenden Sommer fest zu verpflichten könnte es auch sein, dass Sie in einem dreiviertel Jahr nicht mehr Teil der Berliner Entwicklung sind.

Daran denke ich überhaupt nicht. Als Profi musst du im Hier und jetzt leben. Niemand weiß was in einem Jahr ist. Ich befand mich schon mal in einer ähnlichen Situation. Als ich in Hannover unter Vertrag stand, wurde ich nach Frankfurt ausgeliehen und dann fest verpflichtet. Warten wir ab, wie sich die Dinge entwickeln.

Hertha ist Ihr dritter Verein in den vergangenen drei Jahren. Packt man da überhaupt noch den Koffer aus?

So ist das im heutigen Fußball. Damit muss man als Spieler klarkommen. Ich habe damit kein Problem, bisher wurde ich überall gut aufgenommen. Hier bei Hertha hat man mir die Eingewöhnung sehr leicht gemacht. Die Jungs sind super, menschlich passt es.

Sportlich läuft es dagegen noch nicht wie gewünscht.

Hier findet gerade ein Umbruch statt, da ist es nur normal, dass die Dinge etwas dauern. Neuer Trainer, neue Philosophie, neue Spieler, alles braucht seine Zeit. Das ist in anderen Berufen doch auch nicht anders. Wenn ein neuer Chef kommt oder Firmen ihre Ausrichtung verändern, funktioniert auch nicht immer alles von heute auf morgen. Das ist nur menschlich.

Sie sind also guter Dinge, schnell aus dem Tabellenkeller zu kommen?

Auf jeden Fall. In der Mannschaft steckt viel Potenzial, in dieser Saison ist für uns einiges möglich. Es war wichtig, gegen Paderborn zu gewinnen, auch wenn wir nicht unseren besten Tag hatten. Solche Siege geben Selbstvertrauen, in Köln wollen wir nun nachlegen.

Für Sie persönlich lief es gegen Paderborn hervorragend. Erstes Spiel im Olympiastadion, erstes Tor.

Klar, das war toll. Zumal viele Freunde und Verwandte auf der Tribüne zugesehen haben. Das Wichtigste aber waren die drei Punkte, die stehen klar im Vordergrund.

Sie haben im Stile eines Spielers getroffen, der vor Selbstvertrauen strotzt. Kurze Annahme, platzierter Schuss in die Ecke. Fühlen Sie sich bereits komplett angekommen?

Ich fühle mich schon richtig wohl, Stadt und Mannschaft sind super. Der Trainer spricht viel mit uns Spielern, das finde ich wichtig. Gerade weil das im heutigen Fußball oft verloren geht. Klar, wir sind alle Profis und müssen funktionieren, aber deswegen muss die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleiben. Ante Covic macht das super.

War Niko Kovac in Frankfurt, wo Sie Ihre bisher beste Zeit hatten, ein ähnlicher Typ?

Ja, kann man so sagen. Er war auch sehr kommunikativ, hat einem alles erklärt. Das hat vieles leichter gemacht.

Mit Frankfurt haben Sie den DFB-Pokal im Olympiastadion gewonnen, seitdem tragen Sie ein Tattoo vom Pokal auf dem Fuß. Auf dem anderen Fuß wäre noch Platz für ein paar Trophäen.

Der Pokalsieg war ein Wahnsinnserlebnis, vor allem weil niemand damit gerechnet hatte, dass wir gegen Bayern gewinnen könnten. Für mich ist das Olympiastadion auf ewig mit diesem tollen Tag verbunden und es wäre großartig, wenn ich hier als Herthaner noch mal das Ding in die Höhe halten könnte.