Bundesliga

Hertha und Gegner Köln – Gleichschritt war gestern

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Dominik Bardow
Herthas Marvin Plattenhardt (r.) beim bislang letzten Duell mit dem 1. FC Köln (l. Marcel Risse). Im April 2018 gewannen die Berliner 2:1.

Herthas Marvin Plattenhardt (r.) beim bislang letzten Duell mit dem 1. FC Köln (l. Marcel Risse). Im April 2018 gewannen die Berliner 2:1.

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

2017 starteten Hertha und Köln in der Europa League, doch danach haben sich ihre Wege getrennt. Parallelen finden sich aber immer noch.

Berlin. „Nach fünf Spieltagen: Der zweite Saisonstart“. Die Aussage könnte so auch von Hertha BSC stammen. Die Berliner äußerten sich zuletzt ähnlich, nach dem ersten Sieg gegen Paderborn (2:1). Zu lesen ist das mit dem plötzlichen Neubeginn der Bundesliga aber bei „Effzeh.com“.

Das Online-Magazin ist einer der größten Fan-Blogs der Republik und widmet sich ausschließlich dem 1. FC Köln. Der Aufsteiger hat ebenfalls nur eines der ersten fünf Ligaspiele gewonnen und empfängt Hertha am Sonntag zum Kellerduell (18 Uhr, Sky). „Da muss jetzt im Prinzip schon ein Dreier her“, fordern die Blogger vor dem Spiel des Tabellen-16. gegen den 15. aus der Hauptstadt, der ebenfalls seinen Saisonstart schönen will. Nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Großstädte, wo das Warten auf Erfolg zur ständigen Vertröstung wird.

Dabei starteten Berlin und Köln vor zwei Jahren noch gemeinsam in der Europa League, auch wenn beide in der Gruppenphase ausschieden. Arne Steinberg, einer der Chefredakteure von „Effzeh.com“, nennt Auswärtsfahrten wie zu Arsenal in London „das Größte, was unserer Fan-Generation je passiert ist. Aber wie es beim FC eben so ist, musste die Saison mit dem Abstieg enden.“

Stil von Neu-Coach Beierlorzer greift noch nicht

Die Befindlichkeiten in der Domstadt kann wohl kaum jemand besser beschreiben als die Macher des Portals, die seit 2012 täglich nebenberuflich-professionell, aber durchaus mit Fan-Brille über ihren Verein schreiben. „In der Kölner Medienlandschaft war es nicht leicht, ein Medium zu finden, das ausgewogen berichtet“, beschreibt Steinberg die Beweggründe.

Und erklärungsbedürftig ist der Verein mit dem Geißbock in jedem Fall. Warum musste Trainer Markus Anfang trotz des Wiederaufstiegs gehen? Warum bekam das zerstrittene FC-Präsidium seit März keine gemeinsame Sitzung mehr hin, bis vor zwei Wochen endlich ein neues Gremium gewählt wurde? Warum herrscht trotz Bundesliga-Rückkehr keine Euphorie in Köln?

„Der Aufstieg wurde als Mindestziel wahrgenommen, als Pflichterfüllung“, sagt Steinberg, der den neuen Trainer Achim Beierlorzer durchaus schätzt. „Er ist ein offener, kommunikativer Typ, seine Spielidee ist erkennbar.“ Der 51-jährige Franke will Gegenpressing, schnelle Ballgewinne und Abschlüsse wie so viele Trainer mit RB-Leipzig-Prägung. Geklappt hat das im anspruchsvollen Auftaktprogramm gegen Wolfsburg (1:2), Dortmund (1:3), Freiburg (2:1), Gladbach (0:1) und Bayern (0:4) nur phasenweise.

Verwunderung über Hertha-Investor Windhorst

All das klingt vertraut. In Berlin versucht Trainer Ante Covic ebenfalls, einen Stilwechsel einzuleiten. Ob er mehr Zeit erhält als Beierlorzer in Köln? Blogger Steinberg würde es jedenfalls überraschen, wenn Kölns sportliche Leitung bis Saisonende zusammenbleibt. Auch weil der entnervte Geschäftsführer Armin Veh mit seinem Abschied liebäugelt.

Trotz all des Chaos sind die „Effzeh“-Macher froh, dass Köln kein stromlinienförmiger Retortenklub ist. „Demokratie ist nicht immer einfach, aber wenn du alle 110.000 FC-Mitglieder einbinden und diese Wucht nutzen kannst, ist es ein Riesenvorteil“, sagt Steinberg. Den Einstieg eines Investors bei Hertha sieht er übrigens kritisch: „Mich hat es gewundert, dass das bundesweit nicht mehr Wellen geschlagen hat, gerade bei der Vorgeschichte von Lars Windhorst.“

Die kräftige Finanzspritze hat dazu geführt, dass Hertha im Sommer mehr Geld für neue Spieler investieren konnte als je zuvor – knapp 34 Millionen Euro. In Köln gaben sie für neues Personal vergleichsweise schmale 18 Millionen aus. Ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Augenhöhe von vor zwei Jahren aktuell nur noch in der Tabelle wiederfindet. Das aber soll sich schnell ändern – vor allem aus Berliner Sicht. Eines ist klar: Ein zweiter Saisonstart kann am Sonntag nur einem der beiden Klubs gelingen.