BUNDESLIGA

Hertha braucht Zen-Qualitäten

Hertha BSC: Fünf Erkenntnisse nach fünf Saisonspielen über Trainer Ante Covic, die Alten, die Jungen und die Ansprüche in Berlin

Dieser Weg wird kein leichter sein: Hertha BSC auf der Suche nach dem Erfolg,  Trainer Ante Covic (M., schwarzes Trikot) vornweg.

Dieser Weg wird kein leichter sein: Hertha BSC auf der Suche nach dem Erfolg, Trainer Ante Covic (M., schwarzes Trikot) vornweg.

Foto: Foto: Britta Pedersen / pA/dpa

Berlin . Ein Sieg, ein Remis, drei Niederlagen­, Platz 15 – Hertha BSC hinkt den Erwartungen hinterher, vor allen den eigenen. Die hatten sich im Sommer aus verschiedenen Gründen angesammelt: Manager Michael Preetz hatte den Trainerwechsel von Pal Dardai zu Ante Covic mit der Hoffnung auf attraktiveren und erfolgreicheren Fußball begründet, nachdem Hertha die vergangenen Spielzeiten auf den Rängen zehn und elf beendet hatte. Durch die 125 Millionen Euro, die Risiko-Investor Lars Windhorst über eine Holding überwiesen hatte, verfügt Hertha über eine finanzielle Ausstattung wie noch nie in der Klub-Historie. Von dem Geld wurden etwa 20 Millionen Euro für Dodi Lukebakio (vom FC Watford) und sieben Millionen für Eduard Löwen (1. FC Nürnberg) ausgegeben. Offiziell wird es nicht formuliert, aber intern ist klar: Es geht darum, sich in Richtung Europa zu orientieren. Fünf Erkenntnisse nach fünf Hertha-Spieltagen der Bundesliga-Saison 2019/20.

Der Trainer hat es schwer Wenn ein Neuer kommt, steht er natürlich im Fokus. Ante Covic (44) konnte eine ordentliche Vorbereitung absolvieren. Da in diesem Sommer keine EM oder WM anstand, war mit den meisten Spielern eine reguläre Vorbereitung möglich. Die leise Aufbruchstimmung, die sich im Juli und August aufgebaut hatte, war allerdings bald dahin. Weil auf den positiven Auftakt, das 2:2 bei Meister FC Bayern, drei Niederlagen folgten. Covic wechselte gegen Mainz fünf Spieler und das System (auf ein 3-5-2). Gegen Paderborn gab es zwei Neue, dazu eine neue Taktik (4-2-3-1­)­. Es bleibt der Eindruck: Ob System oder Personal – der Trainer fahndet noch. Das 2:1 gegen Paderborn am Wochenende hat zwar den wichtigen ersten Saisonsieg beschert. Die phasenweise Überlegenheit des Aufsteigers im Olympiastadion­ hat den Hertha-Fans aber viele Sorgenfalten­ auf die Stirn getrieben­.

Hertha macht es sich schwer Ein Grund für den Aufenthalt im unteren Tabellendrittel – Hertha tritt als 15. am Sonntag beim 16. an, dem 1. FC Köln – ist die Formschwäche. Mit Ausnahme von Torwart Rune Jarstein sind fast alle Leistungsträger von ihrer Topform entfernt: Abwehrchef und Nationalspieler in spé Niklas Stark muss sich steigern. Karim Rekik hat seinen Stammplatz an Dedryck Boyata verloren. Auf der linken Abwehrseite tun sich abwechselnd Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt schwer. Im Mittelfeld sind Marko Grujic und Ondrej Duda kaum wieder zu erkennen. Von den Zugängen benötigt Lukebakio noch Eingewöhnungszeit, Eduard Löwen wurde noch nicht einmal in der Startelf berücksichtigt. Allein Boyata und Wolf finden­ sich auf Anhieb zurecht.

Die Alten haben es schwer Pal Dardai, der Vorgänger von Covic, hat in schwierigen Zeiten stets auf Erfahrung vor allem seiner Torjäger gesetzt. Doch Salomon Kalou (34) kam in dieser Saison erst auf zwei Teilzeit-Einsätze. Kapitän Vedad Ibisevic (35) wurde vom Trainer, nachdem er in den ersten drei Spielen ohne Tor geblieben war, auf die Bank beordert. Allerdings gelang auch Nach­folger Davie Selke noch kein Treffer.

Die Jungen haben es schwer Bei seiner Vorstellung hatte Trainer Ante Covic die Bedeutung der Talente hervorgehoben: „Junge Spieler zu zügeln, ist schwierig. Ich würde die jungen Spieler von der Leine loslassen wollen.“ Tatsächlich jedoch spielen die Youngster aus jener A-Jugend, mit der Hertha 2018 Deutscher Meister geworden ist, keine Rolle. Florian Baak, Palko Dardai, Maurice Covic, Muhammed Kiprit, Dennis Jastrzembski – sie sind bei Herthas U23 im Einsatz. Einzig Arne Maier ist fest eingeplant, kann aber verletzungsbedingt seit Monaten nicht spielen und steht frühestens im November zur Verfügung.

Nichts ist schwerer als Leichtigkeit Bevor bei Hertha ehrgeizige Ziele ins Visier­ genommen werden – vielleicht ist der Kader auch nicht so gut, wie ihn Manager Preetz und Teile der Fans ihn einschätzen? – gilt es, das Überleben in der Liga zu sichern. Nach dem schwachen Start sollten die Berliner bei den Tabellennachbarn 1. FC Köln (Sonntag, 18 Uhr) und gegen Fortuna Düsseldorf (4. Oktober) vier, im Idealfall sechs Punkte holen. Dafür gilt es jedoch, die Verunsicherung, die gegen Paderborn mit Händen zu greifen war, abzulegen. Trainer Covic räumte ein, dass gegen den Aufsteiger mehrere Spieler im Mittelfeld „nicht den Ball haben­ wollten“. Damit kann es ein Profi vermeiden, Fehlpässe zu spielen – aber so ist es schwer, Spiele zu gewinnen. Stürmer Selke­ sagt, dass die Mannschaft „Leichtigkeit­ braucht, um unsere Qualitäten durchzusetzen“. Nichts ist schwerer­ als Leichtigkeit – klingt wie ein japanischer Haiku: Bei Hertha sind Zen-Qualitäten­ gefragt.