Bundesliga

Javairo Dilrosun erlöst Hertha BSC

Erster Saisonsieg für Hertha: Am 5. Spieltag siegen die Berliner 2:1 gegen Aufsteiger Paderborn. Neben Dilrosun trifft auch ein Zugang.

Bei seinem Tor nicht zu stoppen: Herthas Javairo Dilrosun.

Bei seinem Tor nicht zu stoppen: Herthas Javairo Dilrosun.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Am Ende gab es doch wieder eine Klatsche bei Hertha BSC. Javairo Dilrosun erklärte gerade, wie er beim 2:1 (1:0)-Sieg gegen den SC Paderborn mit einem Tor und einer Vorlage der Matchwinner war. Da haute ihm Trainer Ante Covic auf dem Weg zur Kabine anerkennend auf den Hintern.

Der erste Saisonsieg hat die Stimmung bei Hertha BSC offensichtlich wieder verbessert. „Es war kein einfaches Spiel, es trafen keine zwei Mannschaften voller Selbstbewusstsein aufeinander“, sagte Covic hinterher. „Es ging darum, den Sieg zu erzwingen. Wir können jetzt aufatmen nach dem Dreier.“ Nach dem ersten Saisonsieg gingen die Spieler in die Kurve und ließen sich ausgiebig feiern­. „Ein Fan meinte zu uns: Jetzt geht die Saison richtig los“, berichtete Mittelfeldmotor Marko Grujic.

Trainer Covic ändert das System auf 4-2-3-1

Den Erfolg hatten die Gastgeber vor 43.588 Zuschauern im Olympiastadion auch einer Taktikänderung zu verdanken. „Wir haben im Training zuletzt hohes Pressing geübt, aber das hat nicht richtig geklappt“, verriet der Mann des Spiels. „Also haben wir den Plan geändert und Paderborn den Ball überlassen, um mit unseren schnellen Spielern nach vorne zu stoßen.“ Dilrosun meinte sich selbst, Marius Wolf und Davie Selke. Das klappte einige Male, aber insgesamt zu selten, Paderborn hatte mehr Ballbesitz (58:42 Prozent) und mehr Torschüsse (14:6). Trotzdem gewannen die Berliner das Spiel und somit mehr Selbstvertrauen. „Es war schon ein Ballast“, sagte Selke nach zuvor lediglich einem Punkt aus den ersten­ vier Spielen. „Wir können nun nächste Woche mit einem Lächeln trainieren­“, sagte Grujic.

Trainer Covic hatte sich im Vergleich zum 1:2 in Mainz zu zwei Wechseln entschlossen: Für Jordan Torunarigha und Dodi Lukebakio, den 20 Millionen-Euro-Einkauf, begannen Lukas Klünter und Dilrosun. Das hatte eine Systemumstellung zur Folge, von 3-5-2 auf 4-2-3-1, rechts offensiv mit Wolf und links vorne mit Dilrosun. Der 21-jährige Niederländer stand nach vielen Verletzungen in der Vorsaison erstmals seit November 2018 wieder in der Startelf. „Ich fühle mich jetzt hundertprozentig fit“, verriet er später.

Dilrosun dribbelt durch die Paderborner Abwehr

Das zeigte sich, als er gleich an der ersten gelungenen Szene des Spiels beteiligt war: Auf dem linken Flügel durch ein nicht geahndetes Handspiel von Marvin Plattenhardt an den Ball gekommen, dribbelte Dilrosun durch vier, fünf Paderborner hindurch und schloss mit links ab. 1:0 für Hertha, durch ein herrliches Solo, aber eben auch eine Einzelleistung­.

Die frühe Führung verlieh Hertha in dem Kellerduell aber keine Sicherheit. Danach spielte fast nur Paderborn. Der Aufsteiger stand hoch in Herthas Hälfte, immer wieder mussten der starke Niklas Stark und der resolute Dedryck Boyata im letzten Moment dazwischenfegen. Torwart Rune Jarstein war mehrfach zu Klasseparaden gegen die gegnerischen Stürmer gezwungen. Die Berliner konterten im eigenen Stadion gegen den Aufsteiger. Doch da sie weit hinten standen, waren die Wege nach vorne zu den glücklos agierenden Offensivkräften Selke­ und Ondrej Duda weit. Der Spielmacher musste zur Halbzeit für Vladimir Darida weichen.

Erstes Saisontor für Marius Wolf

Danach wurde es nur kurzzeitig besser, nach 52 Minuten leitete Dilrosun einen öffnenden Grujic-Pass zum freistehenden Wolf weiter. Nach seinem trockenen Torabschluss feierte der Zugang aus Dortmund, der dort wegen Fahrens­ ohne Führerscheins zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro verurteilt worden war, mit einem eigenwilligen Lenker-Jubel. „City-Roller­“ nannte er das später scherzhaft, die ganze Geschichte, wollte er damit sagen, „habe ich hinter mir gelassen­“.

So wie Hertha die Führung schnell hinter sich ließ. Vielleicht herrschte Verwirrung, weil ein Flitzer auf das Feld gelaufen war und erst von fünf Ordnern erwischt wurde, sich später sogar noch einmal losriss. Kurz darauf blieb Marvin Plattenhardt bei einer Paderborner Flanke zu passiv, Stark kam nicht hinter Ben Zielinski her, es stand nur noch 2:1 (54.).

Frust über Stadionregie im Olympiastadion

Und: Paderborn hatte weiter Torchancen, auch wenn die Berliner nun immer öfter bessere Konter setzten. Doch zunächst wurde ein Treffer des eingewechselten Darida wegen Abseitsstellung von Selke annulliert. Im Olympiastadion herrschte Frust, weil auf der Videoleinwand zunächst angezeigt wurde, der Videoassistent habe auf „Tor“ entschieden. „Da hat ein Techniker im Stadion den falschen Knopf gedrückt“, erklärte Schiedsrichter Frank Willenborg später. Kurze Zeit später stand Selke erneut­ im Abseits, sein Tor zählte nicht. Es musste also weiter gezittert werden, letztlich erfolgreich. „Die Jungs wollen nicht, dass der Trainer alt wird, sonst hätten wir die eine oder andere Möglichkeit früher genutzt“, sagte Covic.

„Man hat gesehen, dass die Leichtigkeit nicht da war, aber wichtig waren die drei Punkte, egal wie“, sagte Selke hinterher. Und dass es nur eine positive Klatsche gab, auf Dilrosuns Hinterteil.