Stadion-Debatte

Hertha-Fans machen mobil für eine neue Fußballarena

Hertha-Fans wollen die Berliner Politik von neuem Stadion überzeugen, legen aber keinen Wert auf Schulterklopfer aus der Klub-Chefetage

Foto: Tweet: Twitter/BlauWeissesStadion

Berlin. Nachdem die Versuche der Geschäftsleitung von Hertha BSC festgefahren sind, Unterstützung für eine eigene Fußball-Arena ab 2025 zu finden, machen nun die Fans mobil. Beim Heimspiel gegen den SC Paderborn trat erstmals eine Gruppe in die Öffentlichkeit, die sich hinter dem Label „Blau-Weißes Stadion“ versammelt. Ziel ist einerseits, unter den Anhängern für mehr Unterstützung für eine Arena im Olympiapark zu werben. Zudem will die Gruppe in der Berliner Politik, wo mit Ausnahme von Teilen der CDU bisher keine Partei das Hertha-Anliegen unterstützt, in Gesprächen hinterlegen, dass viele Hertha-Anhänger ein neues Stadion ab 2025 unbedingt begrüßen würden.

Im Flyer, der vor der Ostkurve verteilt wurde, heißt es dazu: „Wir sind alle mit dem Olympiastadion groß geworden. Wir verbinden einzigartige Erinnerungen mit diesem Ort, deshalb würde auch uns ein Auszug nicht leichtfallen. Aber klar ist auch: ein neues blau-weißes Stadion bietet einfach andere Möglichkeiten, einen Hexenkessel zu erzeugen. Die Distanz im Olympiastadion, sowohl vom Zuschauer zum Spielfeld als auch von der Kurve zu den Geraden, ist enorm. Der Windzug durch das Marathontor lässt den Gästeblock ins ganze Stadion schallen, während die geniale Ostkurve gegen den Wind ansingen muss. In einem neuen Stadion wäre dies anders. Wir werden den berühmten Funken viel öfter überspringen lassen und eine blau-weiße Festung erschaffen.“

Distanz zu Herthas Geschäftsführung

Die Gruppe ist kunterbunt. Sie besteht aus rund 20 Personen: Männer und Frauen, Berliner und Brandenburger. Einige sind Hertha-Mitglieder, andere nicht. Studenten sind dabei, Unternehmer, Sozialarbeiter, Gastronomen, Beamte …

Einer von ihnen ist Steven Redetzki (28), Student. „Wir wollen möglichst viele Fans für unser Anliegen gewinnen“, sagte er der Morgenpost. Gleichzeitig ist es der Gruppe wichtig, „nicht als verlängerter Arm der Hertha-Geschäftsleitung“ wahrgenommen zu werden. Zuviel Schulterklopfen, etwa von Herthas Chefetage um Stadionmanager Klaus Teichert, ist ausdrücklich nicht erwünscht. „Wir sehen es als Teil unserer Aufgabe, eine vernünftige Kommunikation mit der Politik hinzubekommen“, sagt Redetzki, um die atmosphärischen Störungen zu beheben, die Herthas Geschäftsleitung mit seiner seit März 2017 an den Tag gelegten robusten Kommunikation angerichtet hat.

Unterstützung für Online-Petition

Ebenfalls mit zum Thema gehört die Unterstützung einer Online-Petition, die ein anderer Fan vor einigen Wochen eingerichtet hat. Auch darin wird die Berliner Politik aufgefordert, Hertha bei der Standortsuche für ein Stadion zu unterstützen. Allerdings waren von den erforderlichen gut 11.000 Unterschriften aus Berlin für die Petition bis zu diesem Wochenende nur ein Drittel erreicht.

Hertha BSC will nach Ende des bis 2025 laufenden Mietvertrages aus dem Olympiastadion (74.500 Plätze) ausziehen und plant eine kleinere Fußballarena mit 52.000 Plätzen zu bauen. Allerdings hat der Klub bisher keinen Standort realisieren können. Der Wunschstandort der Geschäftsführung liegt ebenfalls im Olympiapark.

Die Wunschvorstellung der Gruppe „Blau-Weißes Stadion“ sieht so aus: „Uns alle eint der Traum einer entfesselten Ostkurve, die in einem engen und lauten Fußballstadion endlich ihr gesamtes Potenzial entfaltet und unsere Hertha so zum Sieg schreit.“