BUNDESLIGA

Hertha BSC: Geht die Trainer-Entscheidung auf?

Hertha BSC: Manager Michael Preetz bekennt sich in der Krise demonstrativ zu Trainer Ante Covic. Die Zeit für Korrekturen ist knapp.

Redebarf bei Hertha BSC: Manager Michael Preetz (l.) und Trainer Ante Covic.

Redebarf bei Hertha BSC: Manager Michael Preetz (l.) und Trainer Ante Covic.

Foto: Foto: Jan Huebner/Blatterspiel

Berlin. Die Situation ist vertrackt. Hertha BSC ist nach vier Spieltagen Liga-Letzter. Nach dem 1:2 in Mainz legen die Berliner mit nur einem Zähler aus vier Spielen ihren schlechtesten Bundesliga-Start seit 1972 hin. Also läuft der Hauptstadt-Klub derzeit im Krisenbewältigungsmodus. Die Unterstützung der Chefetage symbolisierte Werner Gegenbauer (69). Der Hertha-Präsident schlenderte Schulter an Schulter mit Trainer Ante Covic (44) von der Kabine zum Trainingsplatz. Es wurde gescherzt und gekumpelt.

Besuche von Gegenbauer beim Auslaufen sind selten, so demonstrativ wie am Sonntag war der Präsident in dieser Saison auf dem Schenckendorffplatz noch nicht zu sehen. Entsprechend sagte Trainer Covic: „Jeder, der diesen Verein kennt, weiß: Wir machen hier alles gemeinsam­. Wir verfolgen alle ein Ziel: erfolgreich zu sein.“ Ähnlich ließ sich Manager Michael Preetz im „Kicker“ zitieren: „Wir bleiben ruhig. Ante bekommt­ von uns jede Hilfestellung, jede Unterstützung. Wir sehen, wie akribisch er und sein Trainerteam arbeiten.“

125 Millionen Euro: Hertha spielt eine besondere Saison

Vertrackt ist die Situation, weil die Personalie Covic eine besondere ist. Und weil Hertha - gepampert mit den 125 Millionen Euro durch Investor Lars Windhorst – eine besondere Saison spielt. Daraus ergeben sich Fragen: Welche Personalentscheidung ist die richtige? Und falls etwas geändert werden soll – wann?

Bei Hertha scheinen die Schlüsselentscheidungen dieses Sommers nicht synchron gefallen zu sein. Manager Preetz hatte im April entschieden, dass Hertha höhere Ansprüche habe als die Stabilität, die der damalige Trainer Pal Dardai vier Saisons garantiert hatte. Dass als neuer Trainer, der für attraktiveren und erfolgreicheren Fußball sorgen soll, Mitte Mai Ante Covic vorgestellt wurde, erstaunte. Bis dato war Covic U23-Trainer, erfolgreich in der Talent-Entwicklung, aber er hatte noch kein Profiteam trainiert.

Sechs Wochen später vermeldete Hertha den Einstieg des neuen Investors. So viel Geld wie aktuell hatte Hertha in seiner mehr als 125-jährigen Klubhistorie noch nie zur Verfügung. Von „tief hängenden Früchten“ bei Hertha war die Rede, die nun zügig eingesammelt wurden. Auf in Richtung internationalen Fußball, heißt die Devise.

Ob Hertha mit dem Geld im Rücken eine interessantere Adresse für einen renommierten Trainer gewesen wäre? Man kann darüber nur spekulieren. Stattdessen stellt sich jetzt die Frage: Geht die Trainer-Entscheidung von Preetz auf?

Covic stellt sich vor die Verlierer von Mainz

Nun gibt es trotz des Startes mit einem Remis und drei Niederlagen bei 30 ausstehenden Saisonspielen keinen Grund, das Wasser aus der Kiepe zu verlieren. Covic beurteilte den Auftritt in Mainz trotz der Niederlage „als ein ordentliches Auswärtsspiel. Wenn wir so spielen wie am Samstag, gewinnst du sieben von zehn Spielen, zweimal spielst du unentschieden, einmal verlierst­ du.“

Die Defensive habe mit der Dreier-Abwehrkette um Debütant Dedryck Boyata stabiler gestanden als gegen Wolfsburg und Schalke (jeweils 0:3). Und, immer wichtig, wenn die Lage schwierig ist: die Unterstützung der Fans. „Die haben ein brutales Gespür, ob die Mannschaft alles reingehauen hat.“

Die Spieler, die sich in Mainz nach dem Abpfiff den eigenen Anhängern stellten, wurden zunächst wüst beschimpft. Nach einigen Minuten beruhigte sich die Stimmung. „Beim Gang in die Kabine wurden die Spieler mit Sprechchören verabschiedet“, erzählte Covic, „weil die Mannschaft keinen leblosen Auftritt gezeigt hat.“

Samstag geht es gegen Paderborn

Die Hoffnung richtet sich nun auf das nächste Heimspiel: Am Sonnabend gastiert Aufsteiger SC Paderborn im Olympiastadion (15.30 Uhr). „Nachdem es gegen Wolfsburg nicht geklappt hat, wollen wir den Schalter umswitchen“, sagte Covic.

Fünf Spieler und die Taktik hatte der Trainer im Mainz-Spiel gewechselt. Gefragt, ob das riskant sei, antwortete Covic: „Gewinnen wir, sagt jeder: Ist ja geil, hast du super gewechselt. Verlieren wir, kommt die Frage, ob es zu viele Wechsel waren.“ Covic entschied sich für das, was in jedem Trainer-Lehrgang gelehrt wird: Der Übungsleiter stellt sich vor seine Mannschaft. Also sagte Covic: „Keiner der Spieler, die in Mainz auf dem Platz waren, hat enttäuscht.“ Damit ein neuer Trainer und sein Team zusammenwachsen, braucht es gemeinsame Erfolgserlebnisse, damit das Vertrauen untereinander wächst. Die fehlen Covic und dem Team bisher.

Der Start ist missglückt, allerdings ist es nur fair, wenn Covic die Chance erhält, als Krisenmanager zu überzeugen. Aber der Druck steigt. Gegen die nächsten Gegner Paderborn, Köln und Düsseldorf müssen möglichst viele Punkte her.

Stuttgart, HSV und Köln als warnendes Beispiel

Andrerseits weiß Manager Preetz: Der Abstand zu den Europacup-Plätzen – das ist die Region, wo Hertha und sein Investor hinwollen – beträgt bereits jetzt sechs Punkte (und zwölf Gegner, die Hertha überholen müsste). Wie sieht die Lage vor der nächsten Länderspiel-Pause Mitte Oktober aus?

Dem Mantra, mit dem sich viele Klubverantwortliche seit Jahren immer wieder selbst beruhigen („Unser Kader ist viel zu gut, als dass wir absteigen können“), sollten sie sich bei Hertha nicht hingeben. Der VfB Stuttgart, der HSV und der 1. FC Köln lassen grüßen.

Die gute Nachricht zum Schluss: 1972 gewann Hertha nach vier Niederlagen am fünften Spieltag dank Toren von Lorenz Horr (2) und Erich Beer gegen Rot Weiß Oberhausen mit 3:1 – und hielt am Saisonende als 13. die Liga.