Kommentar

Eine einfache Lösung gibt es nicht

Neue Spieler, anderes System: Hertha-Coach Covic probierte gegen Mainz viel, aber wenig zündete. Zeit für fußballerische Kellerrhetorik.

Unzufrieden: Hertha-Coach Ante Covic.

Unzufrieden: Hertha-Coach Ante Covic.

Foto: Thomas Frey / dpa

Mainz/Berlin. Das Bild war kurios. Statt Trübsal zu blasen, schalteten Herthas Fans nach dem ernüchternden 1:2 in Mainz in den Party-Modus und erklärten den örtlichen Bahnhof kurzerhand zur Berliner Party-Meile. Rund 15 Minuten wurde gesungen, geklatscht, getanzt und gesprungen, dabei hätte es für den Anhang des neuen Bundesliga-Schlusslichts jede Menge Anlass zur Sorge gegeben. Nur drehten die blau-weißen Fans den Spieß einfach um.

„BSC, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar“, schallte es zur Melodie von „Country Roads“ über die Gleise, und weiter: „Zweite Liga, tut so weh, sch… egal, BSC.“ Ein vorempfundener Abstieg. Galgenhumor ist, wenn man trotzdem lacht.

Hertha defensiv stabiler, offensiv mit mehr Chancen

Spielern und Verantwortlichen des Hauptstadtklubs dürfte die Verarbeitung der jüngsten Niederlage deutlich schwerer fallen. Eine Pleite beim bisherigen Schlusslicht, bei jenem Klub, der bislang die Schießbude der Liga war – so etwas will erstmal verdaut werden.

Nun war sicher nicht alles schlecht, was die Berliner am vierten Spieltag darboten. Über weite Strecken wirkten sie kompakter und stabiler als zuvor, zudem standen 16 eigene Torschüsse zu Buche. Nur zeigte die Partie in Mainz eben auch schonungslos, dass es keine einfachen Lösungen geben wird.

Trainer Ante Covic hatte am Sonnabend einiges probiert, darunter vieles, was an den (digitalen) Stammtischen der Hertha-Community schon länger gefordert wird. Davie Selke statt Vedad Ibisevic. Dodi Lukebakio als echten Stürmer. Ein 3-5-2-System mit einem Abräumer vor der Abwehr. Oder den jüngsten Zugang Marius Wolf als Schienenspieler auf der rechten Seite. Allein: Keine dieser Maßnahmen sollte auf Anhieb zünden. Und nun?

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Gegen Paderborn droht Hertha ein Nervenspiel

Ein einzelner wird es ohnehin kaum richten, nicht in dieser inzwischen vertrackten Gemengelage, die schnell zum Nervenspiel werden kann. Herthas Profis müssen sich als Kollektiv aus der Krise kämpfen, mit den oft überstrapazierten Tugenden, ohne die es in einer solchen Situation nun mal nicht geht. Als mutiges Beißer-Team, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile.

In Mainz war dieses dringend benötigte Gesicht phasenweise zu sehen, nur sind 15 bis 20 Minuten Vollgas einfach zu wenig. Spätestens am Sonnabend im Heimspiel gegen Aufsteiger Paderborn brauchen die Berliner deutlich mehr starke Phasen. Und einen Erfolg. Kommt es anders, wird wohl niemand mehr ausgelassen singen.