BUNDESLIGA

Hertha in Mainz

Hertha in Mainz

Mainz. Der verhinderte Retter Marko Grujic saß kopfschüttelnd auf dem Rasen­, Rune Jarstein stand fassungslos in seinem Tor, Jordan Torunarigha stapfte schnaubend in die Kabine. Die Gefühlslage bei Hertha BSC oszillierte nach dem bitteren 1:2 (0:1) beim FSV Mainz zwischen Enttäuschung, Frust und Wut.

Eine Niederlage beim bisherigen Schlusslicht und jetzt selbst am Ende der Tabelle – die Rote Laterne steht in Berlin. Dass aus dem Gäste-Block nach dem Schlusspfiff zornige Vorwürfe auf die Profis einprasselten, wunderte Per Skjelbred nicht. „Die Fans erwarten viel mehr von uns“, sagte der Mittelfeldkämpfer, „und das tun wir selbst auch.“

Kopfballtor von Marko Grujic reicht nicht für einen Punkt

Nach vier gespielten Runden steht nun also lediglich ein Punkt für die Berliner zu Buche, dabei schien wenigstens ein zweiter Zähler greifbar nah. Nachdem FSV-Stürmer Robin Quaison kurz vor der Pause die Führung gelungen war (40. Minute), glich Herthas Grujic nach einer deutlichen Leistungssteigerung in Hälfte zwei aus (83.).

„Normalerweise hat das Team, das das 1:1 macht, das Momentum auf seiner Seite“, sagte der Serbe später. Doch auf den ekstatischen Berliner Jubel folgte in Mainz nur fünf Minuten später die Ernüchterung. Nach einem Eckball traf Jeremiah St. Juste per Kopf zum Sieg.

Hertha-Debütant Marius Wolf war untröstlich. „Da war ich zugeordnet“, räumte der Last-Minute-Zugang (eine Leihgabe von Borussia Dortmund) ein. Keeper Jarstein schimpfte nicht zu Unrecht. „Die Gegentore fallen zu einfach.“

Trainer Covic tauscht halbe Mannschaft aus

Trainer Ante Covic war bemüht, ein paar positive Aspekte zusammenzukratzen. „Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt als beim 0:3 auf Schalke“, sagte er: „Auch wenn wir Letzter sind – das muss uns zusammenschweißen, damit wir gemeinsam­ aus dem Tal rauskommen. Jeder sieht, wie fleißig wir arbeiten.“ Nur scheint Fleiß allein momentan nicht zu reichen.

Dabei sollte in Mainz doch eigentlich alles besser werden, und Covic selbst tat allerhand, damit sich die Dinge zum Guten wendeten. Der Kroate tauschte fast die halbe Mannschaft, setzte auf nicht weniger als fünf frische Kräfte und ein neues System.

Die Idee: ein 3-5-2­ für eine bessere Balance, Mittelfeld-Kämpfer Skjelbred, Debütant Dedryck Boyata und Torunarigha für mehr defensive Stabilität, Wolf für präzisere Flanken und der schnelle Davie Selke für mehr Torgefahr. Bisherige Stammkräfte wie Kapitän Vedad Ibisevic, Karim Rekik oder Vladimir Darida blieben dafür auf der Bank. Drastische Änderungen.

Zumindest was die Stabilität betrifft, ging Covics Plan zunächst auf. Hertha stand kompakt und diszipliniert, ließ lediglich Distanzschüsse zu. Was die Abteilung Attacke betraf, blieben die Teilerfolge jedoch überschaubar.

Quaison schiebt unbedrängt zur Mainzer Führung ein

Hertha setzte bewusst auf Konter, doch viel zu oft verfingen sich die Pässe in Mainzer Beinen. Nur zweimal wurde es im ersten Durchgang gefährlich: Erst zog Selke bei einer Kontergelegenheit in den Strafraum, drosch den Ball jedoch an den linken Außenpfosten (16.).

Dann eroberte der Stürmer das Spielgerät 30 Meter vor dem Mainzer Tor und bediente Angriffspartner Dodi Lukebakio, der lieber einen Doppelpass fabrizierte, statt selbst abzuschließen. Das Ende vom Lied: ein harmloser Selke-Flachschuss­, gehalten von FSV-Keeper Robin Zentner (21.).

Stattdessen schlug es auf der anderen Seite ein. Als Pierre Kunde auf der rechten Seite durchbrach, kam Marvin Plattenhardt nicht hinterher, und weil auch Boyata nicht entscheidend einzugreifen vermochte, durfte Quaison kurz darauf unbedrängt am langen Pfosten einschieben – 0:1. Nicht unverdient. Mainz war bis hierhin das aktivere, das zielstrebigere Team.

Selke und Lukebakio vergeben mehrere Chancen

Aber: Hertha kam spürbar angestachelt aus der Kabine, erspielte sich Chance um Chance. Grujic scheiterte aus acht Metern (47.), der insgesamt enttäuschende Lukebakio per Fallrückzieher (51.) und Ondrej Duda mit einem hervorragenden Freistoß an Torwart Zentner (60.).

Mit zunehmender Spieldauer schien den Berlinern jedoch immer weniger einzufallen, auch fehlte es an der letzten Entschlossenheit. Grujics Ausgleich per Kopf kam nach starker Vorarbeit von Joker Javairo Dilrosun sieben Minuten vor dem Ende aus dem vielzitierten Nichts. Doch genau dorthin verschwand alsbald auch wieder die Hoffnung. 1:2, Schluss, Aus, Ende. Befreiungsschlag­ für Mainz, Krisen­szenario in Berlin.

„Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, wie schnell sich so etwas wieder drehen kann“, sagte Routinier Skjelbred (32), räumte jedoch ein: „Wir müssen die Situation ernst nehmen. Es ist auch schwer, da wieder herauszukommen.“ Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Sonnabend. Dann ist Aufsteiger Paderborn­ im Olympiastadion zu Gast.