Bundesliga

Herthas Niklas Stark: Wie in starken Zeiten

Abwehrspieler Niklas Stark ist noch auf der Suche nach seiner Topform. Mit Hertha will er gegen Mainz ein anderes Gesicht zeigen.

Zurück im Kreise der Hertha-Familie: Niklas Stark am Mittwoch auf dem Trainingsplatz.

Zurück im Kreise der Hertha-Familie: Niklas Stark am Mittwoch auf dem Trainingsplatz.

Foto: nordphoto / Engler / nordphoto

Berlin. Niklas Stark ist gleich mittendrin. Der Verteidiger von Hertha BSC nimmt am Mittwoch wieder am Mannschaftstraining teil, nachdem er tags zuvor von der Nationalmannschaft zurückgekommen ist. Im Trainingsspiel dirigiert er lautstark und gestenreich die Mitspieler. Und die suchen immer wieder Stark mit ihren Anspielen, rufen: „Nik! Nik!“ Das muss sich gut anfühlen für den 24-Jährigen.

Kein Nationalspieler wartete länger auf sein Debüt

Denn zuletzt war er nur dabei statt mittendrin. Bei der Nationalelf durfte er sowohl am vergangenen Freitag gegen die Niederlande (2:4) als auch am Montag in Nordirland (2:0) nur zuschauen. Wieder einmal. Die Datenexperten der Fachzeitschrift „Kicker“ haben ausgerechnet, dass unter den 101 Debütanten in der Ära von Bundestrainer Joachim Löw kein Feldspieler länger auf seinen Einsatz warten musste. Im vergangenen März erstmals eingeladen, hat der Herthaner bei seitdem sechs Länderspielen nur zusehen dürfen. Lediglich Torwart René Adler musste sieben Spiele lang sitzen und die Bank wärmen, bis er sich 2008 offiziell Nationalspieler nennen konnte.

Das kann Stark, der frühere U21-Europameister, noch nicht. Marvin Plattenhardt ist damit aktuell der 28. und bisher letzte Nationalspieler in Hertha-Diensten. Trainer Ante Covic weiß, wie das am ehrgeizigen Stark nagt.

Der Coach hat seinen Vize-Kapitän vor dem Spiel gegen die Niederlande extra in Hamburg besucht und ihm so gezeigt, dass er auf ihn setzt. Allein, geholfen hat es nichts. Der Hertha-Trainer sah im HSV-Stadion ein Eigentor des gebürtigen Hamburgers Jonathan Tah, aber keinen Berliner auf dem Platz. Der Bundes-Co-Trainer Marcus Sorg teilte Stark mit, dass es natürlich nicht optimal sei, der verhinderte Debütant aber trotzdem dranbleiben solle. „Wenn er ein bisschen länger darüber nachdenkt, wird er sich riesig darüber freuen, dass er im Kreise der Nationalspieler war“, sagte Covic.

Gegen Mainz will Hertha ein anderes Gesicht zeigen

Stark sieht gefasst aus, als er am Mittwoch, nach der Rückkehr in den Kreis der Hertha-Kollegen, den Platz verlässt. Ein Reporter fragt ihn, ob er wenigstens ein paar Löffel im Nationalteamhotel geklaut hätte. „Schön wär‘s“, sagt Stark mit müdem Lächeln. „Es ist trotzdem immer eine geile Zeit da, ich nehme auch diesmal wieder viel mit und kann jetzt mit der neuen Erfahrung in die kommenden Spiele gehen.“

Für Stark heißt es nun: Willkommen zurück im Alltag. Mit Hertha steht er gleich unter Druck, am Sonnabend im Mainz (15.30 Uhr/Sky) den ersten Saisonsieg zu holen. Von einem Neustart nach drei Spieltagen will der Abwehrhüne nicht sprechen. „Aber wir werden ein anderes Gesicht zeigen.“ Der Defensivmann fordert, man müsse wieder kompakter stehen und die Zweikämpfe annehmen, nicht nur eins gegen eins, sondern mit Absicherung. „Wir müssen wieder das zeigen, was uns letzte Saison stark gemacht hat.“

In Gelsenkirchen trifft Stark nur ins eigene Tor

Dabei muss auch Stark zeigen, was ihn stark gemacht hat. In der vergangen Saison hatte der Franke, der 2015 für drei Millionen Euro Ablöse vom 1. FC Nürnberg gekommen war, endlich den Sprung vom Talent zum Eckpfeiler der Abwehr gemacht. Und vor dieser Saison hatte Covic den angehenden Führungsspieler zum Stellvertreter von Vedad Ibisevic ernannt. Aber dann wackelte der Vizekapitän gegen Wolfsburg und Schalke bedenklich, in Gelsenkirchen schoss er wie Kollege Karim Rekik ein Eigentor. „Danach habe ich natürlich sehr nette Nachrichten bekommen“, sagt Stark und lächelt gequält. Das müsse man abhaken. Genau wie das verpasste Nationalelf-Debüt. Die nächste Chance kommt bestimmt. „Am besten gegen Messi“, sagt Stark mit Blick auf das nächste Länderspiel im Oktober gegen Argentinien und lächelt verschmitzt.

Die Chancen auf internationale Einladungen und Einsätze könnte es jedenfalls erhöhen, wenn Hertha die Lücke stopft, die zuletzt zwischen Abwehr und Mittelfeld klaffte. Auch eine Aufgabe der Verteidiger, die ihre Vorderleute dirigieren müssen. Die Abwehrspieler wiederum sehen besser aus, wenn künftig keine gegnerischen Angreifer ungebremst auf sie zusprinten können. Stark kommentiert das gewohnt trocken: „Wäre ganz schön, ja.“