Bundesliga

Hertha nach der Liga-Pause: Alles eine Frage des Abstands

Hertha-Coach Ante Covic fordert ein besseres Stellungsspiel seiner Elf, ändert in der Länderspiel-Pause aber nur Nuancen. Reicht das?

Detailarbeit: Trainer Ante Covic (l.), hier mit Marvin Plattenhardt, feilt derzeit verstärkt am Positionsspiel.

Detailarbeit: Trainer Ante Covic (l.), hier mit Marvin Plattenhardt, feilt derzeit verstärkt am Positionsspiel.

Foto: Ottmar Winter

Berlin. Ante Covic hatte als Spieler durchaus einen Huf. So nennt man das in Fußballerkreisen, wenn jemand über einen harten Schuss verfügt, in Covics Fall mit dem rechten Fuß. Leider hat der Kroate das als Bundesligaprofi selten beweisen können, bei sechs Toren in 62 Spielen. Dafür kommt er nun als Trainer bei Hertha BSC in den Genuss, seine Schusskraft zu demonstrieren.

Einen Ball nach dem anderen drischt er am Dienstag hoch über den Trainingsplatz. Allerdings wirkt er nicht glücklich bei der Kostprobe seines Hufes. „Ihr spielt kurz, kurz, kurz!“, schreit der Coach seine Spieler an und spielt zur Demonstration lang, lang, lang. „Wechselt doch mal die Seite!“ Und überhaupt, die Ballannahme: „Beschissener erster Kontakt!“, bemängelt er.

Einige Inhalte sind im Team noch nicht angekommen

Covic ist ganz in seinem Element. Als feuriger Trainer, der seine Mannschaft nach einem unbefriedigenden Start von einem Punkt aus den ersten drei Spielen wachrütteln muss. „Wichtig ist, dass man bei der Mannschaft Gehör bekommt mit seinen Anweisungen“, sagt er nach der Einheit. Von der Lautstärke her dürfte dies kein Problem darstellen.

Doch verstehen die Spieler auch inhaltlich, was Covic von ihnen will? Nach wie vor müssen der 44-Jährige und seine Assistenten im Training immer wieder unterbrechen, Übungen erklären. „Das haben wir schon so oft besprochen!“, hört man dann.

Dabei sind die Aufgabenstellungen von außen durchaus nicht leicht zu durchschauen: Kleinfeldspiele auf bis zu vier Tore, Spieler in wechselnden Mannschaften, mit markierten oder teils nur imaginierten Linien. „Das war doch die Linie! Darüber haben wir gerade gesprochen! Überragend!“, lobt Covic, als wisse wenigstens er, was gemeint war.

Moralische Unterstützung von Vorgänger Dardai

Positiv ausgedrückt, wirkt die Herangehensweise offensiv-fordernd. Wie in den Wochen zuvor. Dabei hatte der Trainer nach acht Gegentoren in den ersten drei Spielen Veränderungen angekündigt. „Du darfst kein Egomane sein und durchziehen, was du dir vorgenommen hast“, erklärte er. „Das tritt erst einmal in den Hintergrund und du nimmst das an, was die Mannschaft geboten hat.“ In den zwei Wochen Länderspielpause sollten die Karten neu gemischt werden, taktisch und personell.

Das klang im ersten Moment wie eine Abkehr von dem vor der Saison angekündigten Angriffsfußball. Ein bisschen früh, mag manch Fan gedacht haben. Nur konsequent, manch anderer. Bei einigen Beobachtern kam schon die Befürchtung auf, dass es Vorgänger Pal Dardai besser gewusst haben könnte. Nämlich, wie viel mit welcher Art Fußball mit dieser Mannschaft möglich ist. Der Ungar, der derzeit bei einer Universität hospitiert, hat sich dieser Tage im Rahmen eines Medientermins zu Wort gemeldet. Man möge seinem Nachfolger doch Zeit einräumen.

Boyata und Wolf als neue Alternativen

Die hatte Covic, zumindest zwei Wochen lang. Der Trainer hatte angekündigt, die Unterbrechung des Bundesliga-Betriebes als eine Art erneute Mini-Saisonvorbereitung zu nutzen. Um Spieler wie den wiedergenesen Verteidiger Dedryck Boyata und Zugang Marius Wolf zu integrieren und um die Athletik zu verbessern. Aber vor allem um an Feinheiten zu feilen.

„Die Pause kam uns zugute“, sagt Covic, „ich glaube dass wir ordentlich gearbeitet und diesen Mini-Zyklus genutzt haben, sodass wir im Oktober und November davon zehren können.“

Doch muss Covic eigentlich kurzfristig Verbesserungen erzielen, am besten schon Sonnabend in Mainz (15.30 Uhr, Sky). Vor allem bei der Balance zwischen den Mannschaftsteilen. Standen die Berliner anfangs im ersten Spiel bei Bayern München noch sehr hoch in des Gegners Hälfte und griffen energisch an, hatten sie sich zuletzt beim 0:3 auf Schalke tief zurückgezogen, auf Konter gelauert und trotzdem dem Gegner große Lücken geboten.

Covic: „Mut haben, nach vorne zu verteidigen“

„Wir haben viel darauf geachtet, wie wir verteidigen“, erklärte Covic, „dass wir gemeinsam verteidigen, nicht vereinzelt, wie es auf Schalke teilweise war, wo die erste Reihe angreift und die hintere stehen bleibt.“

Das läge vor allem an der Kommunikation. Die Kommandos müssten aus den hinteren Reihen kommen, wo die Spieler oft besseren Überblick hätten als die Stürmer, ob die Mannschaftsteile gut genug stehen, um den Gegnern zu attackieren.

Im internen Trainingsspiel am vergangenen Sonnabend, als elf Herthaner gegen elf Herthaner übten, habe das schon deutlich stabiler ausgehen. „Es geht darum, den Mut zu haben, nach vorne zu verteidigen“, sagt Covic.

So richtig defensiv klingt das nicht. Eher nach: weiter offensiv, mit Verbesserungen im Detail. Covic ist und bleibt eben Covic, ein Trainer, der dominantes Kombinationsspiel und Passsicherheit bevorzugt, inspiriert von Pep Guardiola.

Skjelbred und Löwen dürfen gegen Mainz auf Einsatz hoffen

Was ist dann neu bei Hertha? „Wir werden den Fußball nicht neu erfinden“, räumt der Trainer ein. „Es geht darum, dass du Stabilität brauchst und den einen oder anderen Mentalitätsspieler auf dem Platz, den du vor zwei Wochen noch nicht hattest.“

Möglich also, dass in Mainz im Mittelfeld ein eher rustikaler Spieler zum Zuge kommt wie Sommerzugang Eduard Löwen oder Per Skjelbred, der gegen Schalke schon fast eingewechselt worden wäre.

Wen er aufbieten wird, will Covic am Dienstag nicht verraten. Nur so viel: „Wir werden am Samstag einen gesunden Mix aus Mentalität und fußballerischer Fähigkeit auf dem Platz haben.“

Dass Covic es, trotz Vorliebe für schönen Fußball, durchaus auch rustikal mag, davon zeugt zumindest sein rechter Huf.