Kieztraining

Zugang Marius Wolf traut auch Hertha einen Pokal-Coup zu

Vor einem Jahr wurde Hertha-Zugang Marius Wolf im Olympiastadion Cup-Sieger mit Frankfurt. Nun strebt er in Berlin neue Ziele an.

Gefragter Mann: Marius Wolf war in Hakenfelde ein begehrtes Selfie-Motiv.

Gefragter Mann: Marius Wolf war in Hakenfelde ein begehrtes Selfie-Motiv.

Foto: Jörn Lange

Berlin. Die Hauptstadt hatte sich Marius Wolf sicher anders vorgestellt. Ihren ersten Auftritt im Dress von Hertha BSC absolvierte die Leihgabe von Borussia Dortmund am Dienstag fast in Dorfplatz-Atmosphäre. Der Fußball-Bundesligist hatte mal wieder zum Kieztraining geladen, diesmal auf die idyllische Anlage des Siebtligisten SSC Teutonia in Hakenfelde, eingerahmt von reichlich Grün und reetgedeckten Holzhäuschen.

Viel Fußball-Charme, wenig urbanes Flair, aber Wolf gefiel’s. „So etwas habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, sagte der 24 Jahre alte Außenbahnspieler über das besondere Trainingsformat, „aber das tut der Stadt und dem Verein sicher gut.“

Knapp 1000 Fans waren in den Spandauer Ortsteil gekommen, um Herthas Profis beim Kicken zuzuschauen, Autogramme zu sammeln und Selfies zu machen. Egal ob in Hakenfelde oder im benachbarten Staaken – der Berliner Nordwesten ist Hertha-Land, der Stolz auf Talente wie Maximilian Mittelstädt, die es von hier bis in die Bundesliga geschafft haben, groß.

Teure Kaufoption

Mit Wolf begrüßten sie nun ein neues Mitglied in der Hertha-Familie, wenn auch ein zugezogenes. Sein Leih-Kontrakt ist zunächst auf ein Jahr datiert; die Kaufoption, die Hertha ausgehandelt hat, soll sich dem Vernehmen nach auf stolze 20 Millionen Euro belaufen.

Die Fans trauen Wolf zu, dass er das Team nach dem enttäuschenden Saisonstart bereichern kann. „Das is’n Kämpfer“, sagte ein Trainingskiebitz, „so einen können wir grad gut gebrauchen.“

Einsatzwille, Tempo, schnörkelloser Fußball – Wolf steht eher für Basistugenden als für Kabinettstückchen. Ob Trainer Ante Covic schon im nächsten Spiel in Mainz (14. September) auf ihn setzt, darf jedoch bezweifelt werden. Wolf weiß: „Ich muss erstmal die Mannschaft und die Spielsysteme kennenlernen, aber natürlich will ich schnell versuchen zu helfen.“

Positive Erinnerungen ans Olympiastadion

Der erste Kick mit den Kollegen ließ am Dienstag noch keine seriösen Rückschlüsse zu, aber Wolfs Vielseitigkeit ist unbestritten. „Eigentlich bin ich Offensivspieler“, sagte er selbstbewusst, „aber im Grunde komme ich mit jeder Position zurecht.“

Bei Borussia Dortmund, wo er in dieser Saison ohne Einsatzminuten blieb, spielte er zuletzt als Rechtsverteidiger, kam nach seiner Roten Karte im verlorenen Derby gegen Schalke Ende April jedoch nicht mehr zum Zug.

Zuvor bei Eintracht Frankfurt agierte er zudem als Schienenspieler in der Fünferkette. Eine Rolle, die er auch bei Hertha übernehmen könnte. Im Konkurrenzkampf mit Mathew Leckie und Alexander Esswein dürfte er nicht die schlechtesten Karten haben.

Noch ist Berlin für Wolf ausschließlich positiv besetzt. Im Dezember 2017 traf er für die Eintracht im Olympiastadion beim 2:1-Erfolg gegen Hertha, im Sommer 2018 reckte er an selber Stelle sensationell den DFB-Pokal gen Himmel. Ein Erfolg, der Lust auf mehr gemacht hat.

Wolf: „Wir haben bewiesen, dass es möglich ist“

„Der Pokal ist der schnellste Weg zu einem Titel“, sagte er: „Wir haben mit Frankfurt bewiesen, dass es möglich ist. Uns hatte vorher auch keiner auf dem Schirm.“ Ein Satz, den Herthas Fans gern hören werden. Vom Sehnsuchtsziel Pokalfinale träumt der blau-weiße Anhang schließlich seit einer gefühlten Ewigkeit.

Dass Herthas jüngste Auftritte mit den 0:3-Niederlagen gegen Wolfsburg und Schalke eher keine Titelambitionen weckten, will Wolf nicht überbewerten. „Wenn man nach vier Jahren mit demselben Trainer etwas Neues probiert, braucht das nun mal Zeit“, gab der 1,87-Meter-Mann zu bedenken.

Er selbst strahlte allerdings nicht besonders viel Geduld aus. Nach Wochen als Zuschauer in Dortmund brennt er auf Einsätze. „Ich“, sagte er entschlossen, „will jetzt Gas geben.“