Bundesliga

Hertha holt Wolf – Verstärkung auf den letzten Drücker

Schnell, flexibel und bissig: Der Flügelspieler kann Hertha helfen, doch wo stehen die Berliner Sommerzugänge im Liga-Vergleich?

Marius Wolf (Mitte) mit Manager Michael Preetz (r.) und Trainer Ante Covic. Privat hat der Neue ein Faible für schnelle Autos und Designer-Marken.

Marius Wolf (Mitte) mit Manager Michael Preetz (r.) und Trainer Ante Covic. Privat hat der Neue ein Faible für schnelle Autos und Designer-Marken.

Foto: Florian Pohl / City-Press GmbH

Berlin. Michael Preetz versuchte es spannend zu machen. Offiziell gab Herthas Manager die Ausleihe von Borussia Dortmunds Flügelspieler Marius Wolf (24) erst am Montag um 16 Uhr bekannt – zwei Stunden vor Ende der Transferperiode. Durchgesickert war das Leihgeschäft (ein Jahr inklusive Kaufoption) allerdings schon am späten Sonntag, ehe Wolf am Montagmorgen beim Medizincheck in Berlin gesichtet wurde.

„Marius wird unsere Möglichkeiten mit seiner Dynamik, Flexibilität und Mentalität erhöhen“, sagte Preetz in einer Klub-Mitteilung. Der neue Mann selbst gab sich erwartbar hemdsärmelig: „Ich will das Team schnell kennenlernen, um schnell helfen zu können.“ Nun, Hilfe kann Hertha nach dem mauen Saisonstart durchaus gebrauchen.

Beim BVB zuletzt nur zweite Wahl

Ob der Last-Minute-Zugang ähnlich einschlägt, wie die Spät-Verpflichtungen des Vorjahres, muss sich freilich zeigen. 2018 hatte Preetz als letzte Verstärkung Marko Grujic präsentiert. Die Leihgabe des FC Liverpool avancierte auf Anhieb zum Leistungsträger.

Der angestrebte Hochkaräter, den Hertha nach Morgenpost-Informationen gesucht hatte, ist Wolf allerdings nicht. Beim BVB kam der vielseitige Außenbahnspieler zuletzt nicht zum Einsatz. Schon in der Vorsaison hatte er sich gegen die starke Konkurrenz nicht nachhaltig durchsetzen können. Zu zehn Startelf-Einsätzen in der Liga kamen drei in der Champions League und zwei im DFB-Pokal.

Enge Freundschaft mit Boateng und Köpke

Gegen die Offensivkräfte Marco Reus, Jadon Sancho, Jacob Brun Larsen oder Raphael Guerreiro hatte Wolf das Nachsehen, erst im letzten Saisondrittel kam er zum Zug – dann allerdings als Rechtsverteidiger. Als Vertreter von Lukasz Piszczek und Achraf Hakimi hinterließ der 1,87 Meter große Rechtsfuß jedoch einen soliden Eindruck.

Wofür Wolf steht? Vor allem für Tempo, geradlinigen Fußball und Galligkeit, Qualitäten, mit denen er sich 2017/18 bei Eintracht Frankfurt in den Vordergrund spielte. Am Ende stand der sensationelle Pokalsieg mit den Hessen, bei denen er sich mit Kevin-Prince Boateng anfreundete. In Berlin trifft der Coburger übrigens ebenfalls auf einen sehr guten Kumpel: Angreifer Pascal Köpke.

Die Eingewöhnung dürfte dadurch leichter fallen – welche Rolle er übernehmen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Fest steht: Wolf verleiht den Berlinern mehr Flexibilität, kann auf der rechten Außenbahn jede Position spielen.

Bei den Transfers im Mittelfeld

Hinten rechts ist derzeit Lukas Klünter gesetzt, Routinier Peter Pekarik gilt als Sicherheitsvariante. Auf dem rechten Flügel tat sich Rekordeinkauf Dodi Lukebakio zuletzt schwer, er kann auch auf links oder im Sturmzentrum agieren. Für Mathew Leckie und Alexander Esswein dürfte es nach Wolfs Verpflichtung schwierig werden. Dienstag stehen die neuen Kollegen erstmals gemeinsam auf dem Platz – beim Kieztraining auf dem Gelände des SSC Teutonia in Hakenfelde (16 Uhr).

Auf der Abgangsseite tat sich bei den Berlinern nichts mehr, Leih-Stationen für die Talente Palko Dardai und Maurice Covic wurden offenbar nicht gefunden. Unterm Strich bleibt eine Transferbilanz der Rekorde: Nie nahm Hertha in einer Wechselperiode mehr Geld ein (Inter Mailand zahlte für Valentino Lazaro 22 Millionen Euro, Fabian Lustenberger ging ablösefrei), nie gaben die Berliner mehr aus. Für Lukebakio (20 Millionen Euro), Eduard Löwen (7 Mio.), Daishawn Redan (2,7 Mio.), Dedryck Boyata (ablösefrei), Wolf und die erneuerte Grujic-Leihe zahlte der Hauptstadtklub gut 31 Millionen Euro.

In der Bundesliga liegen die Berliner damit im Mittelfeld, Klubs wie Augsburg (31 Mio.) und Mainz (30,05) kauften in ähnlicher Größenordnung ein. Der Abstand zu Aufsteiger Union (der 7,4 Millionen ausgab und am Montag den Vertrag mit Cihan Kahraman auflöste) oder dem SC Freiburg (14) ist zwar immens; der nach oben allerdings auch.

Bundesliga weit hinter England, Spanien und Italien

Eintracht Frankfurt (tauschte Montag noch Stürmer Ante Rebic gegen den portugiesischen Nationalstürmer André Silva vom AC Mailand) investierte knapp 65 Millionen, Krösus FC Bayern (der Jerome Boateng nun doch im Kader behält) über 140 Millionen. Insgesamt gab die Bundesliga knapp 700 Millionen Euro aus. Die bisherige Rekordmarke von 2017 wurde damit um über 120 Millionen übertroffen.

Im internationalen Vergleich (s. Grafik) hinkt Deutschland mit diesem Summen jedoch hinterher. In England (über 1,5 Milliarden) und Spanien (über 1,3 Milliarden Euro) werden sie beim Blick auf die Bundesliga wohl lächeln.