Bundesliga

Hertha befindet sich in gefährlicher Schieflage

Die Berliner finden unter Trainer Ante Covic noch keine Balance. Die Euphorie ist verflogen. Ein neuer Spieler kommt von Borussia Dortmund.

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.), hier im Duell mit Schalkes Guido Burgstaller, ist derzeit nicht der Stabilisator, der er sein soll.

Herthas Abwehrchef Niklas Stark (r.), hier im Duell mit Schalkes Guido Burgstaller, ist derzeit nicht der Stabilisator, der er sein soll.

Foto: via www.imago-images.de / imago images / eu-images

Berlin. Der Soll-Ist-Abgleich fällt ernüchternd aus. Mehr Torgefahr? Fehlanzeige. Attraktiverer Fußball? Höchstens im Ansatz. Mehr Leidenschaft, Gier und Begeisterung? Auch davon kann nach Herthas ersten drei Bundesligaspielen unter Trainer Ante Covic nicht die Rede sein. Die Bilanz: ein Punkt, 2:8 Tore, Tabellenplatz 17. Frustrierend.

„Wir sind alle enttäuscht“, sagte Covic (44) am Tag nach dem bitteren 0:3 auf Schalke, „ich natürlich auch. Wir haben uns das anders vorgestellt.“ Vor allem die vielen Gegentore bereiten dem Kroaten Sorge, zeugen sie doch davon, dass die Balance im Team noch nicht stimmt.

„Der Gegner muss momentan nicht viel machen, um gegen uns zu treffen“, bemängelte der Coach, „das müssen wir schleunigst abstellen, sonst wird es schwierig, Spiele zu gewinnen.“

Wenig Kommunikation und schlechte Zweikämpfe

Die Aufbruchsstimmung aus dem 2:2 zum Saisonstart gegen den FC Bayern ist jäh verflogen. Stattdessen kann man den Berliner Profis nach zwei uninspirierten Auftritten gegen Wolfsburg und Schalke (jeweils 0:3) Verunsicherung anmerken – vom formschwachen Abwehrchef Niklas Stark bis zu Rekordeinkauf Dodi Lukebakio, dem auf Schalke etliche Bälle versprangen. „Im Moment sind alle mit sich selbst beschäftigt“, sagte Covic, „uns fehlt der Rundumblick.“

Besonders stark zu sehen war dieses Manko bei den Gegentoren. Vor dem 0:1 fehlte es auf der linken Abwehrseite an Absprache zwischen Maximilian Mittelstädt und Marvin Plattenhardt; beim Konter, der zum zweiten Gegentreffer führte, mangelte es an Absicherung. „Da hat die hinterste Reihe die Vorderleute wie Marko Grujic nicht gesteuert“, sagte Covic, „wir kommunizieren zu wenig.“

Hinzu kommt das mangelhafte Zweikampfverhalten in entscheidenden Momenten. Bei der gemeinsamen Video-Analyse am Sonntag hätten sich einige Spieler „selbst nicht wiedererkannt“, als sie in gewissen Situationen zu passiv blieben.

Findet Covic die richtigen Hebel?

Dass es dem neuen Trainer bislang nicht gelungen ist, Hertha mehr Offensivpower einzuimpfen, ist das eine. Schwerer wiegt jedoch die fehlende Stabilität in der Verteidigung, auf die sich Hertha unter Covics Vorgänger Par Daridai meinst verlassen konnte. Noch ist aus der alten Schwäche Angriff keine Stärke geworden, dafür aus der vormaligen Stärke Verteidigung eine Schwäche. Eine gefährliche Schieflage, mit der die Berliner den bis dahin torlosen Schalkern in die Spur halfen. Dass den Innenverteidigern Niklas Stark und Karim Rekik dabei auch noch zwei Eigentore unterliefen, passte ins Bild.

„Es gibt keinen Ersatz für Siege“, sagte Covic, wohlwissend, dass sein Team frisches Selbstvertrauen benötigt, um wieder zur nötigen Überzeugung zu gelangen. Jene war zuletzt kaum zu spüren, weder in der Laufleistung noch bei Zweikämpfen oder in der Körpersprache.

Die Frage ist, ob Covic den richtigen Hebel zum Nachjustieren findet. In der nun anstehenden Länderspielpause wollen er und sein Team jedenfalls die Ärmel hochkrempeln: „Es wäre naiv, nicht an der Balance zu arbeiten“, so Covic, „wir müssen als Verbund besser stehen.“

Auf Stark, der bei der DFB-Auswahl weilt, muss er dabei allerdings verzichten: „In der jetzigen Phase wäre es vielleicht angenehmer für uns gewesen, wenn er hier wäre und wir die Dinge gemeinsam aufarbeiten könnten“, meinte der Trainer.

Bei Schlusslicht Mainz muss ein Erfolg her

Dass Hertha in den ersten drei Saisonspielen einen schweren Stand haben würde, stand seit der Bekanntgabe des Spielplans fest, insofern wäre Panik verfrüht. Fest steht aber auch: Im nächsten Spiel bei Schlusslicht Mainz (14. September) brauchen die Berliner dringend ein Erfolgserlebnis, um nicht in einen Abwärtsstrudel zu geraten. Covic weiß: „Es geht darum, wer sich freischwimmt.“

Bis Montagabend (18 Uhr) kann sich Hertha noch verstärken, dann schließt das Transferfenster. Laut „Bild“ sind sich die Berliner mit Marius Wolf (24) von Borussia Dortmund einig. Der Flügelspieler soll angeblich für ein Jahr ausgeliehen werden. Doch egal ob mit oder ohne Verstärkung: Hertha wird sich steigern müssen. Vizekapitän Stark steht nicht allein, wenn er sagt: „So kann es nicht weitergehen.“